Millioneninvestition in die Wahrheit

Was YouTube gegen Fake-News unternehmen will

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mit einem ambitionierten 25-Millionen-Dollar-Programm will YouTube jetzt offenbar ein für alle Mal Schluss machen mit Fake-News-Videos. Für das ehrgeizige Unterfangen will das Videoportal sogar die größten Medienhäuser mit ins Boot holen. Das Ziel: Nutzer gerade bei hochaktuellen Themen mit seriösen Nachrichten versorgen.

Dass YouTube schon länger ein riesiges Problem mit Falschmeldungen hat, ist kein Geheimnis. Über das für jeden zugängliche Videoportal lassen sich diese leicht verbreiten, und auch die krudesten Falschmeldungen gehen den Filteralgorithmen ein ums andere Mal durch die Lappen. Besonders heikel: Sogar YouTube Kids war vor einigen Wochen negativ aufgefallen, weil die Kinderplattform blödsinnige Verschwörungstheorien in den Top-Suchergebnissen listete. YouTube selbst reagierte bislang stets zeitnah auf die Skandale, doch nur selten gingen die Bemühungen weit genug. Verschwörungs- und Waffenkanäle gibt es auf YouTube immer noch zuhauf, umstrittene Channels senden weiter trotz Einbußen bei den Werbeeinnahmen. Eine neue Initiative aber könnte jetzt den Umschwung bringen.

YouTube: Mit 25 Millionen Dollar gegen Falschmeldungen

25 Millionen US-Dollar an Kapital habe das Unternehmen nämlich jetzt dafür abgestellt, um Fake-News mit einer Reihe von Maßnahmen den Garaus zu machen, heißt es in einer neuen Meldung. So ist die Integration von Wikipedia-Artikeln endlich in trockenen Tüchern, die YouTube-CEO Susan Wojciki bereits im März (übrigens ohne Wissen der Wikipedia-Verantwortlichen) angekündigt hatte. Fortan sollen bei Suchergebnissen zu einigen wissenschaftlichen Themenbereichen, in deren Fahrwasser in der Vergangenheit verstärkt Falschmeldungen veröffentlicht wurden, entsprechende Wikipedia- und Encyclopædia-Britannica-Einträge eingeblendet werden. YouTube nennt als konkretes Beispiel die erste Mondlandung, die viele Verschwörungstheoretiker für inszeniert halten.

Um die erste Mondlandung ranken sich zahllose Verschwörungstheorien. Damit diesen in Zukunft weniger Leute glauben, will YouTube in Zukunft Wikipedia-Artikel einbinden.

Quelle: (YouTube)  Googleblog 

Um die erste Mondlandung ranken sich zahllose Verschwörungstheorien. Damit diesen in Zukunft weniger Leute glauben, will YouTube in Zukunft Wikipedia-Artikel einbinden.  

Quelle: (YouTube)  Googleblog 

Mit einem weiteren Schritt will YouTube die Verbreitung von falschen Informationen nach akuten Großereignissen unterbinden. Denn während Videos mit Falschmeldungen oft schnell ihren Weg auf die Plattform finden, dauert es immer etwas, bis seriöse Reporter gut recherchierte Video-Beiträge hochladen können. Daher sollen in den kommenden Wochen schnell veröffentliche, schriftliche Breaking-News-Artikel in den Suchergebnissen der Videos erscheinen, die solche Ereignisse thematisieren. Ein entsprechender Hinweis soll zudem verdeutlichen, dass sich die Sachlage schnell ändern kann, damit sich niemand zu schnell eine endgültige Meinung bildet.

Wir arbeiten weiterhin mit der journalistischen Community zusammen, um ein nachhaltigeres Video-Ökosystem für Nachrichten-Organisationen aufzubauen.

Neal Mohan, Robert Kyncl / YouTube

Ein überwiegender Großteil des Budgets dürfte aber für eine ziemlich groß angelegte, weltweite Initiative draufgehen: YouTube sei gerade damit beschäftigt, eine Arbeitsgruppe auf die Beine zu stellen, die den Plattformbetreibern dabei helfen soll "neue Produkt-Features zu entwickeln, die News-Erfahrung auf YouTube zu verbessern und künftige Herausforderungen besser bewältigen" zu können. 'Vox Media', 'Jovem Pan', und 'India Today' hätten schon zugesagt, weitere sollen in den kommenden Wochen folgen.

YouTube will Medienhäuser mit Fond unterstützen

Außerdem machen die Verantwortlichen offenbar eine ordentliche Stange Geld für einen neuen Fond locker, mit dem Medienhäuser auf der ganzen Welt auf den neuesten Stand in Sachen professioneller Videoerstellung gebracht werden sollen. Eigens dafür abgestellte Spezialisten sollen den Verlagen mit Trainings unter die Arme greifen und Workshops unter anderem zum Thema Videoproduktion abhalten. Laut den Autoren des Blogeintrags, den YouTube-Offiziellen Neal Mohan und Robert Kyncl, sind fast alle Aktivitäten jetzt angelaufen. Exakte Starttermine nennt YouTube in dieser Hinsicht wie gewohnt keine, sondern gibt allenfalls Zeiträume an, etwa "in den kommenden Wochen." Wir dürfen also gespannt sein, wann wir in Deutschland auf den Wikipedia-Artikel zur Mondlandung verwiesen werden. Dass das noch dieses Jahr passiert, dürfte aber realistisch sein.

Quelle: YouTube

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