Mehrheit überrascht

Werbung auf Facebook: Die User wissen nicht, dass sie in einer Schublade stecken

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von Michael Springer -

Ein Kommentar hier, ein geteiltes Video dort und zum Schluss noch ein Like für den Laden um die Ecke: Aktivitäten auf Facebook können einen großen Einblick in das Lebens des Users geben. Wie detailliert die Daten sind, die Facebook von seinen Nutzern anlegt, hat die Teilnehmer einer US-Studie dennoch überrascht.

Der Strom an negativen Meldungen rund um Facebook scheint momentan nicht abzureißen. Das soziale Netzwerk soll die Entscheidungsfähigkeit einschränken wie Drogensucht und es hat offenbar ein Problem mit alten Menschen, die Fake News verbreiten. Gefühlt jede Woche sieht sich das US-Unternehmen mit neuen Vorwürfen konfrontiert.

Daher werde es zukünftig transparenter zugehen bei Facebook, versprach CEO Mark Zuckerberg erst kürzlich. Das sei seine Jahresaufgabe. Eine gute Idee, denn dort scheint es Nachholbedarf zu geben, wie eine US-amerikanische Studie herausgefunden hat.

Tracking und Werbung auf Facebook: Mehrheit der User überrascht

Ob Google, Amazon oder Facebook: Alle Internetkonzerne analysieren das Verhalten ihrer Nutzer. Sie nutzen die Daten, um ihren Service besser auf den User zuschneiden zu können, um ihm mehr Produkte zu verkaufen, um ihm passende Werbung zu zeigen.

Studie zu Tracking und Werbung auf Facebook

Werbeprofil auf Facebook: 74 Prozent der Befragten wussten nicht, dass Facebook sie kategorisiert.  

Quelle:  Pew Research Center 

Studie zu Tracking und Werbung auf Facebook

Werbeprofil auf Facebook: 74 Prozent der Befragten wussten nicht, dass Facebook sie kategorisiert.  

Quelle:  Pew Research Center 

Im Bereich 'Deine Werbepräferenzen' können Facebook-Nutzer einsehen, welche Daten der Plattform über sie vorliegen, wie Facebook sie kategorisiert, in welche Werbeschublade es sie steckt. Welche Werbeanzeigen der User auf Facebook zu Gesicht bekommt, hängt von diesen Daten ab. Dass es so ein persönliches Werbeprofil überhaupt gibt, scheint für die Mehrheit der Nutzer allerdings eine Überraschung zu sein.

74 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie, die vom 'Pew Research Center' in den USA durchgeführt wurde, wussten bis dato nicht, dass Facebook ihr Nutzungsverhalten – ihre Klicks und Likes – in einer solchen Liste festhält und kategorisiert. Die Hälfte der Nutzer hatte damit ein Problem: Sie fühlten sich nicht wohl mit dem Gedanken, von Facebook kategorisiert zu werden. Zumal Facebooks Einschätzungen offenbar nicht aus der Luft gegriffen sind, denn knapp zwei Drittel der Befragten empfanden ihre Kategorisierung als genau oder ziemlich zutreffend.

Brisant: Facebook versucht auf diesem Wege auch festzustellen, wie der User politisch geneigt ist. Zwar konnte die Plattform so eine Einschätzung nur in der Hälfte der Fälle abgeben – aber dafür ging die Annahme zu 73 Prozent in die richtige Richtung. Wegen dieser Kategorisierung lassen sich politische Lager auf Facebook gezielt ansprechen und beeinflussen.

Facebook wird's recht sein

Es ist bedauerlich, dass die Mehrheit der Facebook-Nutzer offenbar immer noch davon überrascht ist, in welchem Maße das soziale Netzwerk ihr Verhalten analysiert und die Erkenntnisse nutzt. Dabei lassen sich die gewonnenen Daten sogar ohne Schwierigkeiten einsehen. Aber was hilft alle Transparenz, wenn niemand hinschaut?

Was hilft Transparenz, wenn niemand hinschaut?

Hier könnte man Facebook in der Pflicht sehen: Der Nutzer sollte offensiver und zentraler auf diese Möglichkeiten hingewiesen werden – schau mal hier, diese Daten haben wir von dir erhoben, so schätzen wir dich ein. Doch daran hat das US-Unternehmen kein Interesse, es schießt sich nicht selbst ins Bein. Denn vielleicht würden sich einige User dann zwei Mal überlegen, was sie liken und welches Foto sie hochladen. Facebook will das Gegenteil erreichen: Mehr Posts, mehr Likes.

Die Nutzer bleiben also in puncto Privatsphäre weitestgehend auf sich gestellt, müssen selbst aktiv werden und sich informieren. Wie die Studie zeigt, scheint das die Mehrheit aber nicht zu tun oder zu wollen.

Quelle: Pew Research Center

Hier erfährst du mehr über: Facebook und Datenschutz

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