digitale Themen, leicht verständlich.

Backflips und Tritte

Wie die Roboter von Boston Dynamics das Internet eroberten

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

An Videos von springenden, hüpfenden und taumelnden Robotern von 'Boston Dynamics' ist in den letzten Jahren kaum jemand vorbei gekommen, der sich im Netz unterhalten lässt. Und das aus gutem Grund, denn das Robotik-Unternehmen kreiert Bewegtbilder, die auch ohne große Erklärung faszinieren. Dabei sollen die Roboter doch eigentlich im Business-Bereich zum Einsatz kommen.

Was haben die Roboter von Boston Dynamics eigentlich an sich, dass die Videos von 'Spot', 'Atlas' und Co. im Netz so selbstverständlich die Runde machen, wie die gute Flasche Eierlikör im Seniorentreff? Kaum erscheint ein neues Video der teils humanoid anmutenden Roboter, wie sie über Hindernisse hüpfen, Backflips von Podesten vollführen oder selbstständig Türen öffnen, schon kann sich das Robotik-Unternehmen vor Aufmerksamkeit und Klicks kaum noch retten.

Sind es die maschinellen Fähigkeiten Dinge zu bewegen, ihre Bewegungsabläufe, die sich an denen von Mensch und Tier orientieren oder einfach nur der faszinierende Gedanke, dass diese Technologie den Startschuss für Roboter einleitet, die uns in nicht allzu ferner Zukunft zielgerichtet unter die Arme greifen - sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld?

Dieser Frage ist auch das Tech-Magazin Wired nachgegangen und hat sich mit Marc Raibert, dem Gründer von Boston Dynamics, unter anderem über die viralen Qualitäten seiner Roboter-Videos unterhalten. Für Raibert selbst war dies eher ein Zufall, denn der Weg zum YouTube-Phänomen ging ohne eigenes Zutun vonstatten. "Wir hatten es gerade auf unserer Website. Jemand hat es gestohlen und veröffentlicht", entgegnet er auf ihr erstes virales Video angesprochen, auf dem der Prototyp von 'BigDog' seine ersten, noch etwas unbeholfen wirkenden Gehversuche auf glitschigem Untergrund vollführte.

Videos von Robotern, die keine Erklärung benötigen

'BigDog' wirkt im Gegensatz zu seinen Nachfahren auf vier Beinen eher behäbig und wackelig, trägt viel Gepäck mit sich rum und klingt zudem noch wie ein aufgemotzter Rasenmäher. Und dennoch: Das Video traf einen Nerv - wohl auch, weil BigDog bereits damals etwas hundeähnliches an sich hatte und man fasziniert verfolgte, wie die Entwickler versuchten den Roboter aus dem Gleichgewicht zu bringen. Gut neun Jahre später wirken die Nachfolger dann schon fast wie Evolutionssprünge.

Der humanoide Roboter 'Atlas' schwingt sich galant auf zwei Beinen Podeste hinauf und landet zum Abschluss noch einen Backflip samt Telemark. Und die zweite Version von 'Spot' - nämlich der 'SpotMini' – wirkt nicht nur deutlich ausbalancierter auf vier Beinen, sondern kommt mit Greifarm sowie Sensorik daher, um Türen zu öffnen und sich dank eigens erstellter Karte selbstständig durch eine Baustelle zu bewegen. Klingt alles nicht nur nach "Next Level", sondern wird auch stets mit reichlich Klicks belohnt.

Seit 'BigDogs' erstem öffentlichen Auftritt "haben wir versucht, Videos zu kreieren, die man sich einfach ansehen kann und versteht, was man sieht", erklärt Raibert.

Ziel für Boston Dynamics ist Business-to-Business

Die Videos von Boston Dynamics sorgen in steter Regelmäßigkeit für reichlich Klicks und Aufmerksamkeit, doch am Ende des Tages stellt sich auch die Frage nach dem eigentlichen Nutzen, denn eines ist sicher: Für virale Hits arbeitet das Robotik-Unternehmen sicherlich nicht. Auf die Frage angesprochen, spricht Raibert vor allem vom vordergründigen Ziel, seine teils autonomen, teils auch ferngesteuerten Roboter an Unternehmen zu verkaufen - er schließt kurzfristig also aus, dass wir bald mit Spot an der Seite Aufgaben im Haus erledigen.

So richtig weiß Raibert dann auch anscheinend selbst nicht, wohin der Weg für seine Roboter führt - die Einsatzgebiete sind jedenfalls potenziell breit gefächert, wie man auch im folgenden Facebook-Video von Wired sieht. Vorstellbar wäre aus unserer Sicht, dass das Unternehmen das Know-How liefert und die Technik an die Wünsche der Kunden anpasst. Doch auch für SpotMini wird sich sicherlich ein Einsatzgebiet finden lassen.

Quelle: wired.com

Hier erfährst du mehr über: Video-Streaming und Künstliche Intelligenz

Sag uns deine Meinung!