Wem gehört das Recht an einer Frequenz?

YouTube: 2018 beginnt mit skurrilem Copyright-Streit um weißes Rauschen

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Ein australischer Musik-Professor veröffentlicht zu Forschungszwecken ein YouTube-Video mit zehn Stunden 'weißem Rauschen' und sieht sich nun wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzung unter Beschuss. Grund dafür ist wohl die automatische Content-ID, mit der Urheber ihre Werke identifizieren können.

Kann ein YouTube-Video mit nichts als 'weißem Rauschen' im Hintergrund das Urheberrecht verletzen? Wer hat überhaupt Anspruch auf geistiges Eigentum für simple Rauschgeräusche? Geht es nach dem Content-ID-System der Videoplattform ist der Fall eindeutig: Fünf Nutzer erheben gerade Vorwürfe gegen den australischen Musik-Professor Sebastian Tomaczak - dem Uploader des Videos '10 Hours of Low Level White Noise' - nachdem sie von Content ID auf den vermeintlichen Rechteverstoß aufmerksam gemacht wurden.

Schon kurios, denn selbst der geübteste Betrachter wird vermutlich nicht mehr aus diesem Video herausziehen können, als das charakteristische Rauschen einer bestimmten Frequenz, das vornehmlich in Ingenieurs- und Naturwissenschaftsbereichen eingesetzt wird. Zumal man ernsthaft in Zweifel ziehen muss, ob das Rauschen in einem bestimmten Frequenzbereich überhaupt jemandes Eigentum darstellen kann. Darüber hinaus ist es nicht das erste Mal, dass sich YouTubes Content-ID irrt, wenn es um Urheberrechtsverletzungen geht.

YouTubes Content-ID löst Copyright-Verwarnung von 5 Nutzern aus

Professor Tomaczak gab gegenüber Torrent Freak jedenfalls an, dass er das Video aus einer Reihe weiterer kontinuierlicher Geräusche veröffentlichte, um die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Psyche zu erforschen, die diese mit sich bringen sollten. Als Tätigkeitsbeispiele führte er für seine Untersuchungen unter anderem Schlafen, Essen oder das Erledigen von Arbeiten an.

The video was created [...] using the freeware software Audacity and the built-in noise generator. The resulting 10-hour audio file was then imported into ScreenFlow, where the text was added [...]

Sebastian Tomczak | TF

Der Australier zeigte sich sehr verwundert, dass YouTubes automatisiertes Content-ID-System sein bereits 2015 veröffentlichtes Werk nun als Urheberrechtsverstoß 'flaggte', woraufhin fünf Nutzer Anfang des Jahres Beschwerde gegen das Video einreichten. Zumal Tomaczak angab, das Rauschen mithilfe der Software Audacity und dessen Noise-Filter-Funktion eigenständig aufgenommen zu haben – es also nicht kopiert und deshalb einem potenziellen Rechteinhaber nicht unrechtmäßig entwendet zu haben.

Ärgerlich, aber bei Content-Rechteverstößen nicht unüblich: Das Offline-nehmen des Videomaterials von YouTube. Das ist jedoch nicht nach dem Willen der Beschwerdeträger, die viel mehr Kapital aus der entstandenen Situation schlagen wollen: Tomaczek soll die Werbeeinnahmen abtreten.

Keine Kopie, kein Urheberrechtsverstoß?

Er selbst ist nach eigenen Angaben nicht zum ersten Mal Opfer fälschlicher Anschuldigungen von Urheberrechtsverstößen und möchte diesen Umstand nicht einfach hinnehmen. Deshalb kündigte Tomaczak an, notfalls das Originalmaterial vorzulegen, um zu beweisen, dass kein Urheberrechtverstoß vorliege. Er hoffe gleichzeitig, so ein weiteres Mal mit seinem Vorgehen Erfolg zu haben.

Damit ihr euch ein Bild von diesem absurden Vorfall machen könnt, hängen wir euch das Video an diesen Artikel einfach mal dran – und zur besseren Unterscheidung gibt es das braune, im Vergleich eher dunkel anmutende Rauschen noch gleich obendrauf. Viel Spaß bei 20 Stunden bester Unterhaltung und danke YouTube Content-ID, dass wir nun auch diesen Frequenzunterschied kennen ;)

Quelle: torrentfreak.com

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