Bezahlriegel für exklusive Inhalte?

YouTube hilft seinen Sternchen beim Geldverdienen

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

YouTube kommt seinen Plattform-Sternchen entgegen und stellt neue Optionen zur Verfügung, mit denen Videokünstler zukünftig an ihren Verdienstmöglichkeiten schrauben können. Neben einer Abo-Funktion und einer Merch-Kooperation mit 'Teespring' bleibt jedoch die Frage: Wer, wenn nicht die Nutzer, zahlen hinterher die Zeche?

Brechen bald wieder rosigere Zeiten für Content-Creators auf Online-Plattformen an? Nachdem Facebook ankündigte, mit Abo-Modellen in Untergruppen zu experimentieren, verkündete YouTube gestern auf der alljährlich stattfindenden 'VidCon', dass erfolgreiche Kanalbetreiber bald ebenfalls exklusive Inhalte hinter einer 'Paywall' anbieten können.

Die Rede ist von sogenannten 'Channel Memberships', mit denen YouTube-Stars wie 'PewDiePie', 'LeFloid' oder 'Gronkh' bald monatlich mit 5 US-Dollar zur Kasse bitten können, um Premium-Fans ein Vorteilspaket zu schnüren. Darunter fallen beispielsweise Live-Streams, zusätzliche Videos oder Channel-Spielereien wie "einzigartige Badges oder neue Emojis", mit denen sich die Members in Live-Chats oder Kommentaren abheben können.

YouTube stellt sich dabei auf die Seite der Kanalbesitzer, die im Zuge der aktuellen Kritik der letzten Monate durchaus von den schärferen Restriktionen der Plattform betroffen waren. Voraussetzung ist jedoch eine Anzahl von 100.000 Abonnenten, um besser mit den Fans agieren zu können und somit mehr Geld zu verdienen. Bislang richtete sich diese Art "Sponsoring", wie YouTube es in seinem Blog-Post bezeichnet, ausschließlich an die YouTube-Gaming-Kanäle. Doch die bisherigen Erfahrungen bestärken die Verantwortlichen darin, dass auch die Videokünstler von den neuen Monetarisierungsoptionen profitieren können.

YouTube geht Merch-Cooperation mit 'Teespring' ein

Darüber hinaus rückt YouTube den Fan-Shop und das Merchandise in den Fokus, das für viele Kanalbetreiber zu einer lohnenden Einnahmequelle geworden ist. Ob T-Shirts, Kaffeetassen oder Maus-Pads mit dem Gesicht des Streaming-Helden – in Kooperation mit 'Teespring' können YouTuber ihren Warenhandel vertrauensvoll in die Hände der Merchandise-Plattform legen. Seit heute ausschließlich für amerikanische Kanäle verfügbar, könnte die Funktion allerdings auch zu uns schwappen – in Frage kommen alle Kanäle ab einer Abonnementzahl von mindestens 10.000.

Und um einen weiteren Spannungsbogen zwischen Fans und YouTubern zu erzeugen, kündigte die Videoplattform noch die Einführung von YouTube 'Premières' an – eine Funktion, mit der Videokünstler ein Live-Event einleiten können, um bereits produzierte Videos im Stile einer Kinopremiere zu hypen. Was das soll? Zum einen könnten Abo-Besitzer ihre Vorzugsoptionen nutzen, um vorab bereits fleißig mit dem Upload-Inhaber in Kontakt zu treten, zum anderen soll diese Art Teaser Anspannung und Vorfreude aufbauen.

Und was springt für die Abonnenten dabei heraus?

Aus der Vogelperspektive betrachtet ist der Deal für die Kanalbesitzer durchaus verlockend. Premium- und Hype-Funktionen, um die Fan-Base von kostenpflichtigen Exklusiv-Abos zu überzeugen – gerade nach den jüngsten Restriktionen gegen Kanalbesitzer scheinen die neuen Monetarisierungsoptionen Künstlern mehr Gestaltungsspielraum zu geben.

Aber aus Nutzersicht? Soll man jetzt gehyped sein, oder baut die Videoplattform hier nett verpackt gerade Optionen ein, die Nutzer in Klassen einteilen? Wie muss man sich das vorstellen – Super-Chats, in denen Bezahl-Mitglieder als Erstes zu Wort kommen? Teaser im normalen Kanal, während die richtigen Inhalte hinter einer Paywall verschwinden? Nicht falsch verstehen: Um die Videoproduzenten geht es hier gar nicht – an dieser Stelle möchte ich jetzt keine Diskussion über gerechte Verdienstmöglichkeiten für YouTube-Stars lostreten. Sie investieren oft viel Zeit, Leidenschaft und Herzblut in ihre Videos, die uns Zuschauern so manchen Abend vor dem Monitor versüßen.

Doch, wo bleibt eigentlich YouTube, oder übersehe ich an dieser Stelle etwas? Die Rechnung schreiben die Kanalbetreiber - im ungünstigsten Fall zu Kosten der Nutzer. Und YouTube stellt die Mittel für Paywalls bereit, macht die Videoplattform damit auch ein Stück weit zur Zwei-Klassen-Plattform und verdient dabei am Ende vielleicht sogar noch prozentual an Merch-Verkäufen und Abos? Also Win-Win auf Kosten der Nutzer, obwohl YouTube schon vor den ganzen Kritiken selbst im Kreuzfeuer stand, seine Videoproduzenten unverhältnismäßig niedrig an den Gewinnen zu beteiligen.

Und was ist mit Werbung? Bleibt sie, kann man als Premium-Nutzer dann werbefrei Videos anschauen? Oder benötigt man dafür dann noch zusätzlich 'YouTube Premium' - also doppelte Mitgliedschaften? By the Way: Muss man für jeden Premium-Kanal erneut 5 Dollar zahlen?

Fragen über Fragen, die zumindest mir zu denken geben. Was meint ihr? Gehen die Neuerungen zu Lasten der Nutzer und einer freien Plattform? Bislang sieht es aus, als ob hier jeder einen guten Deal macht, bis auf die Nutzer, die am Ende die Zeche alleine zahlen. Wir freuen uns natürlich über Feedback in den Kommentaren – vielleicht bringt da ja jemand Licht ins dunkel.

Quelle: youtube.googleblog.com

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2 Kommentare
Dennie

Hi Claudia, danke für dein Feedback! 5,- im Monat sind schon fast ein halbes Netflix-Abo :). Am Ende entscheiden aber die Nutzer, ob die angepeilten Preise für einen Premium-Channel gerechtfertigt sind. Ich glaube, das wird bezahlt... Deinem Beispiel folge ich allerdings nur bedingt. YouTube verdient bereits (gut) an Werbeeinblendungen und damit bezahlen wir ja für die Nutzung der Videos. Doch anstatt die Kanalbetreiber einfach im größeren Stil an den Einnahmen zu beteiligen, geben sie diesen PayWall-Features für ihre Community. Ich wage die These, dass sowohl YouTube noch genug verdient, wenn sie den Videokünstlern mehr bezahlt und diese dann mehr Möglichkeiten für Premium-Features sehen, ohne Nutzer mit 5,- im Monat pro Lieblings-Channel zur Kasse zu bitten.

Claudia

Ich finde 5,- Dollar einfach überzogen. Dafür bekomme ich immerhin einen halben Monat Wunschserien auf Sky. Grundsätzlich finde ich es aber völlig in Ordnung, wenn Channelbetreibern die Möglichkeit eingeräumt wird, einfacher Geld zu verdienen. Und ja: natürlich zahlt die Zeche der User...er profitiert ja auch davon. Wenn ich mir ein Brot kaufe, muss ich es ja auch bezahlen und nur der Hersteller und der Händler verdient daran, das ist ja der Sinn der Marktwirtschaft. Man überlege sich nur, wie der Verdienst aussieht bei Gronkhs über 200.000 Abonnenten, wenn nur jeder 5. einen Premium Zugang für realistischere 1,- Euro abschließt...oder meinetwegen auch 50 Cent...dann wären auch mehrfache Gebühren für mehrere Kanäle kein Thema mehr. Und auch Youtube könnte noch genug mitverdienen...