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YouTube unter Zugzwang: So will man extremistische Inhalte schneller entfernen

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Nachweislich nutzen Extremisten die sozialen Netzwerke, um Anhänger zu gewinnen und ihr Gedankengut zu verbreiten. Die Betreiber der Video-Streaming-Plattform YouTube geraten dabei, wie auch Facebook, unter gesellschaftlichen Druck, dagegen vorzugehen. Vier neue Schritte sollen zukünftig den extremistischen Content schneller erkennbar machen.

In einem Blog-Post erläutert Kent Walker, Leiter der Rechtsabteilung bei Google, die vier Schritte, die der Konzern unternehmen will, um dem Terror online zu begegnen. "Wir arbeiten gemeinsam mit der Regierung, den Vollzugsbehörden und zivilen Gruppierungen daran, dem gewalttätigen Extremismus online zu bekämpfen". schreibt er dort. YouTube hat dabei dieselben Hürden zu bewältigen wie Facebook. Es gilt, unangemessenen Content so schnell wie möglich zu identifizieren. Nach wie vor müssen gekennzeichnete Inhalte jedoch von echten Menschen überprüft werden - eine immense Aufgabe.

Schritt 1: Verstärkter Einsatz von Maschinellem Lernen

Bisher, so Walker, hätten die eingesetzten Video-Analyse-Modelle bereits dafür gesorgt, die Hälfte aller Inhalte von der Plattform zu löschen, die im Zusammenhang mit terroristischer Hetze, Hass und Gewaltexzessen stehen. In einem ersten Schritt will man nun die Ingenieurs-Power verstärken, um die Forschung im Bereich des maschinellen Lernens voranzutreiben.

Als Konsequenz sollen neue, sogenannte 'content classifiers' ins Spiel kommen, die zügiger arbeiten und unerwünschte Inhalte automatisch entfernen.

Schritt 2: Aufstockung der Manpower

Auf "Experten" aus Fleisch und Blut werde YouTube jedoch nach wie vor nicht verzichten. Die Zahl der unabhängigen Gutachter des 'Trusted-Flagger'-Programms soll erhöht werden, denn diese sind in der Lage auch feinste Nuancen zu erkennen, die beispielsweise eine Berichterstattung aus einem Krisengebiet von Terror-Propaganda unterscheiden können. Gestartet ist dieses Meldebericht-System 2014. Seit September 2016 ist dieses Programm - bezogen auf YouTube - in "YouTube Heroes" übergegangen.

Jeder User darf sich als YouTube Hero registrieren und durch das Melden von Videos, die gegen die Richtlinien verstoßen, sowie durch das Hinzufügen von Untertiteln oder die Mitarbeit im YouTube-Hilfe-Forum exklusive Prämien freischalten.

Schritt 3: Keine Monetarisierung in Grauzonen

Die dritte Maßnahme richtet sich gegen Video-Produzenten und Uploader, die zwar nicht klar gegen die Richtlinien verstoßen, deren Videos aber als religiöse oder rassistisch motivierte Hetze eingestuft werden können. Solches Bildmaterial wird zwar auch zukünftig online bleiben, jedoch kann der Kanalbetreiber es nicht mehr durch Werbung monetarisieren. Außerdem erscheint vor dem Abspielen ein Warnhinweis.

Schritt 4: Das Übel an der Wurzel packen

Im letzten Schritt plant YouTube den Ausbau von Präventivmaßnahmen. Im Rahmen des - laut eigener Aussage sehr erfolgreichen - Programms 'Creators for Change' , möchte man gefährdete Zuschauer schon während der Radikalisierungsphase abholen. Sozusagen ab dem Moment, ab dem sie sich für die erwähnten Inhalte zu interessieren beginnen.

This promising approach harnesses the power of targeted online advertising to reach potential Isis recruits, and redirects them towards anti-terrorist videos that can change their minds about joining.

Google

Dafür instrumentalisiert die Video-Plattform das Targeted Online Advertising. Sprich: Gezielte Werbeeinblendungen auf Basis des vorher betrachteten Contents (zum Beispiel besuchte Webseiten, gelesene Artikel, etc.). Potenzielle Isis-Rekruten sollen häufiger mit Anti-Terror-Botschaften/Videos konfrontiert werden, um ihre Meinung in eine gewaltfreie Richtung zu dirigieren.

Über die hier genannten Punkte hinaus strebt Google/YouTube an, mit den anderen Global Playern der sozialen Medien zusammenzuarbeiten, damit ein internationales Forum zum Austausch über die eingesetzten Technologien entstehen kann. Dafür möchte man Twitter, Microsoft und Facebook mit ins Boot holen.

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