Alles für die Klicks

YouTuberin erschießt ihren Freund vor laufenden Kameras und kommt ins Gefängnis

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

In den USA wollte ein YouTube-Pärchen ihren Zuschauern einen ganz besonderen 'Stunt' bieten, der am Ende mit einer tödlichen Schussverletzung des Freundes endete. Die Freundin, das entschied heute ein Gericht im US-Bundesstaat Minnesota, muss jetzt für ein Jahr ins Gefängnis. Sie hatte sich schuldig bekannt. Wie konnte es so weit kommen?

YouTube und seine Skandalvideos. Mindestens seitdem verstörende, KI-generierte Kindervideos mit monströsen Spiderman-Figuren, lebendigen Begräbnissen und fiesen Impfvideos aus Russland das Portal überschwemmten, reißen die Negativschlagzeilen nicht ab. Die Spitze des Eisbergs stellte dann Logan Pauls Video dar, in dem er eine Leiche im Suicide Forest filmte.

Erst gestern gab es dann eine halbwegs erfreuliche Nachricht, als YouTube CEO Susan Wojciki ankündigte, man wolle Fake-News und Verschwörungsvideos mit Wikipedia-Verlinkungen entgegentreten. Heute hat sich das Blatt schon wieder gewendet, denn ein Fall aus dem letzten Jahr steht wieder auf den Titelseiten: Eine Frau, die ihren Freund vor laufenden Kameras erschossen hatte, wurde heute zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt.

Tödlicher Schuss auf YouTube: Das ist passiert

YouTuber feuert mit Shotgun auf Wassermelone

YouTube-Kanäle mit Waffen sind in den USA extrem beliebt.  

Quelle: (Screenshot / FPSRussia)  YouTube.com 

YouTuber feuert mit Shotgun auf Wassermelone

YouTube-Kanäle mit Waffen sind in den USA extrem beliebt.  

Quelle: (Screenshot / FPSRussia)  YouTube.com 

Der Vorgang der tragischen Aktion war in etwa so: Auf Twitter kündigte die damals 19-Jährige an, dass sie mit ihrem Partner am nächsten Tag den gefährlichsten Stunt aller Zeiten drehen würde. Die Idee: Er hält sich ein dickes Buch vor die Brust, sie gibt einen Schuss aus einer Pistole aus etwa 30 Zentimetern Entfernung ab. Den Zuschauern sollte gezeigt werden, dass das Buch die Kugel aufhält. Wie jetzt bekannt wurde, hatten sie bereits mit ähnlichen Büchern experimentiert und in diesen Tests hatte das Projektil die Seiten nicht durchschlagen. Beim Aufnehmen des letztendlichen Originalvideos aber, ist genau das geschehen und der Vater zweier Kinder ist noch an Ort und Stelle gestorben.

Ein Jahr Gefängnis in 10-Tages-Intervallen

Der Tante des Mannes erzählte das Pärchen noch, dass sie diesen Stunt planten, um mehr Zuschauer auf den Kanal zu locken. Die einjährige Gefängnisstrafe wegen Totschlags darf die Täterin in 10-Tages-Intervallen absitzen, da sie sich um ihre Kinder kümmern müsse. Ihrer Aussage nach habe ihr Partner sie entgegen ihres ursprünglichen Willens von der Aktion schließlich überzeugt.

Die Gerichtsentscheidung aus Minnesota fällt in eine Zeit, in der YouTube offenbar unter Dauerkritik aus Politik und Medien steht. Seit ehemalige Social-Media-Manager aus dem Silicon Valley vor gesellschaftlichen Problemen und Gefahren durch die Nutzung von YouTube und Co. warnen.

Verleitet YouTube seine Nutzer zu immer krasseren Aktionen?

Kontroverse Inhalte werden gerne geklickt, was gerne geklickt wird, ist für YouTube "erfolgreich" und für YouTuber finanziell lohnenswert.

Das Problem mit der Plattform sei sein Algorithmus, argumentieren Kritiker. Dieser sortiert Videos nach Klicks, Popularität und Interaktion. Das heißt, dass Videos mit vielen Klicks und besonders vielen Kommentaren vom System höher gerankt werden und dann unter "recommended" oder in der Startseitenvorschau, oder in der Rubrik 'Trending' auftauchen.

Klicks sind alles, wenn es um den finanziellen Erfolg von Kanälen geht. Der Algorithmus ist nur im zweiten Schritt dafür verantwortlich. In erster Linie ist es die Entscheidung eines jungen Pärchens, dass sie ihr Leben dafür riskieren, um mehr finanziellen Erfolg auf der Plattform zu haben.

YouTube ist nicht das Problem, sondern eine Plattform für Probleme

YouTube selbst hat natürlich auch ein Interesse daran, dass die Kanäle viel Diskussionsstoff liefern, um immer populärer zu werden und mit Werbung eine schnelle Mark zu machen. Doch nur auf YouTube zu zeigen wäre zu kurz gedacht. Das Problem ist eher, dass es sich um eine Plattform handelt, zu der jeder Mensch mit einem Smartphone Zugang hat und ohne viel Vorwissen auf Sendung gehen kann. Mit wachsender Verbreitung wachsen auch die Probleme, denn je mehr Nutzer, desto mehr kritischer Content wird wahrscheinlich.

YouTubes Entscheidung, solche Kanäle nicht mehr zu monetarisieren, oder sogar zu bannen, sind ein guter Schritt nach vorn und vielleicht sogar der einzig mögliche. Die Menschen in ihrem Wesen zu ändern, das wird auch YouTube nicht gelingen. Solange es sich um eine Plattform handelt, die von Menschen mit Leben gefüllt wird, wird das auch so bleiben. Darauf will sicherlich niemand von uns verzichten.

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