Aber Kampfsport geht

Zu brutal: IOC-Präsident Thomas Bach will nicht, dass Esports olympisch wird

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Wird Esports bald olympisch? Wohl kaum. Warum? Weil die Sportart IOC-Präsident und Gold-im-Fechten-Gewinner Thomas Bach zu brutal ist. Seine Begründung für das kategorische "Nein" wirkt dabei so uninformiert und doppelzüngig, wie man sie sich nur vorstellen kann.

Judo ist olympisch. In Ringen, Boxen, Taekwondo und sogar Fechten dürfen Athleten ebenfalls auf Medaillenjagd gehen. Und warum auch nicht? Nur vordergründig wird bei diesen Sportarten ein Konflikt gewaltsam ausgefochten, auch wenn darin mitunter deren Ursprung liegt. "Sport aber ist die zivilisierte Art, diesen Konflikt auszutragen", meint auch Thomas Bach, seines Zeichens Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Da muss man nicht lange abstrahieren, das leuchtet ein. Schade nur, dass Herr Bach, wenn es um Esports geht, nicht zu eben dieser Differenzierung bereit (oder: imstande) ist und stattdessen lieber mit zweierlei Maß misst: Computerspiele dürften seiner Ansicht nach niemals olympische Disziplin werden.

Thomas Bach: In Esports geht es ums Töten

Gegenüber der Associated Press hat er dies jetzt unmissverständlich klar gemacht. "Wenn man sich egames [sic!] anschaut, in denen es darum geht, jemanden zu töten, kann das nicht in Einklang mit den olympischen Werten gebracht werden", so der IOC-Präsident, der 1976 eine Goldmedaille im Fechten gewann. Damit weicht er keinen Deut von der Linie ab, die er schon vor einem Jahr wenig eloquent vertreten hatte, wie Gamesindustry berichtet: In Videogames ginge es um "Gewalt, Explosionen und Töten", so Bach. Dass auch in erwachseneren Titel wie 'CS:GO' oder 'DOTA 2' keinesfalls das Töten des Gegners im Vordergrund steht (in etwa so wenig, wie in regulären Kampfsportarten), sondern vielmehr Teamgeist, stahlharte Nerven, strategisches Denken und katzenhafte Reflexe, hätte dem wohl wichtigsten Sportfunktionär des Planeten inzwischen auffallen können.

Uns hat doch ziemlich überrascht, mit welcher undifferenzierten Stellung das IOC noch heute gegen diese friedliche Sportart ins Feld zieht. Unter anderem, weil selbst unsere Bundesregierung - vorsichtig formuliert nicht gerade ein Überflieger in puncto Digitalem - so langsam aufwacht. Und natürlich auch, weil besonders beliebte kompetitive Games, wie zum Beispiel 'Hearthstone', 'Gran Turismo' oder 'FIFA', in etwa so brutal sind, wie eine Partie Curling. Wir würden uns wünschen, dass das Olympische Komitee künftig bei der Entscheidung, ob Esports für Olympia geeignet ist, sachlich und mit kühlem Kopf vorgeht, anstatt unreflektierte und im Übrigen längst widerlegte Phrasen zu dreschen.

Quelle: Associated Press via Gamesindustry

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