Anhörung im Livestream

Zuckerberg sagt vor EU-Parlament aus - und ihr könnt live dabei sein [Update]

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Mark Zuckerberg sagt heute vor dem EU-Parlament zum Datenskandal rund um Cambridge Analytica und dem Profildiebstahl von über 87 Millionen Nutzern aus. Ab 18.15 Uhr deutscher Zeit ist es so weit und ihr könnt im Livestream dabei zusehen, wie sich der Facebook-Chef den Fragen der Abgeordneten stellt. Der Termin ist besonders heikel wegen eines zuvor nicht stattgefundenen Termins...

Da werden sich so einige Parlamentarier unter dem Sternenbanner ins Fäustchen lachen: Nachdem Zuckerberg vor kurzem noch dem EU-Verweigerer Großbritannien eine Aussage vor Abgeordneten des Unterhauses verwehrt hatte und sich die britische Politik darüber empörte, hat er der Vorladung der Europäischen Union Folge geleistet und tritt heute Abend ab 18:15 vor die Fraktionschefs und Datenschutzexperten in Brüssel. Die Anhörung findet deshalb statt, weil insgesamt drei Millionen EU-Bürger von dem Datenskandal um Cambridge Analytica und die US-Wahl betroffen waren. Die für Recht und Verbraucher zuständige Abgeordnete Vera Jourova betonte, dass der Termin vorrangig dazu diene, die Frage beantwortet zu bekommen, was Facebook dafür tue, solche Lecks in Zukunft zu verhindern und für mehr Datensicherheit zu sorgen.

Zuckerberg vor EU-Parlament: Livestream dank der Grünen

Die Öffentlichkeit der Anhörung haben wir nicht etwa Mark Zuckerberg zu verdanken, sondern den Grünen, die bis zuletzt Wind gegen den geplanten Ausschluss der Öffentlichkeit machten.

Bei diesem Termin kann jeder, der möchte, über das Internet als Zuschauer an der Anhörung teilnehmen. Bis zuletzt war eigentlich geplant, dass das Gespräch hinter verschlossenen Türen stattfindet, doch die Grünen machten Druck und sorgten letztendlich dafür, dass es öffentlich wird. Zuckerberg selbst hatte aus Sorge vor einem Kreuzverhör offenbar ein nicht-öffentliches Format gefordert, war damit aber an eben jenen Grünen gescheitert, die das für intransparent hielten und einen weiteren Reputationsverlust der EU befürchteten.

Trotzdem findet das Treffen weitgehend nach Zuckerbergs Forderungen statt: Da nur die Fraktionschefs und Abgeordnete mit einem Schwerpunkt Digitales und Datenschutz anwesend sind, kann er sich die halb-qualifizierten Anfeindungen schlecht informierter Politiker sparen - die hatten ihn vor dem US-Senat offenbar besonders gestört. Und da war er sicherlich nicht der Einzige ...

(+++Update 23.05.2018+++)

Das war die Anhörung: Fremdschämen à la EU

Bleistift radiert Stern von Europa-Flagge

Dass Großbritannien sich selbst aus der EU radiert, kann man zumindest im Hinblick darauf, dass Nigel Farage zukünftig nicht mehr an Sitzungen wie diesen teilnehmen kann, nur als Gewinn bezeichnen.  

Quelle: (nevodka)  Shutterstock.com 

Bleistift radiert Stern von Europa-Flagge

Dass Großbritannien sich selbst aus der EU radiert, kann man zumindest im Hinblick darauf, dass Nigel Farage zukünftig nicht mehr an Sitzungen wie diesen teilnehmen kann, nur als Gewinn bezeichnen.  

Quelle: (nevodka)  Shutterstock.com 

Die Anhörung ist vorbei, genau wie Mark Zuckerbergs Respekt vor der EU, da bin ich mir sicher. Was zum Triumphgeheul der EU-Parlamentarier hatte werden sollen, die es anders als Großbritannien geschafft hatten, den Facebook-Boss herzuzitieren - zu ihren Bedingungen -, geriet zur Peinlichkeit. Statt des Triumphes gab es ein Politik-Desaster, bei dem man sich als Zuschauer nur fremdschämen konnte. Das fing damit an, dass von den nicht einmal anderthalb Stunden, die für den Termin vorgesehen waren, schon allein die Eröffnungsrede von Parlamentspräsident Antonio Tajani eine gefühlte Stunde dauerte.

Dabei schien es ihm vor allem um Werbung für die EU und nicht um echte Aufklärung zu gehen. Ohnehin wirkte die ganze Situation nicht gerade wie eine Anhörung, sondern wie ein Tischgespräch unter Gleichgesinnten, zumal alle Teilnehmer im Kreis saßen. Bei der US-Anhörung musste Zuckerberg noch von einem kleinen Schreibtisch zu den erhöhten Rängen der Abgeordneten aufblicken. Der Termin in Brüssel dürfte also von Beginn an ganz nach seinem Geschmack gewesen sein.

Politisches Gerangel unter dem Deckmantel der Aufklärung

Auch nach Tajanis Endlos-Einleitung ging es nicht minder peinlich weiter: Abgeordnete aller Fraktionen stellten über eine Stunde lang Fragen in elegischer Breite, sodass Zuckerberg am Ende gerade einmal 20 Minuten für seine Antworten blieben - die reichten selbstverständlich aus, um sie mit vorbereiteten Allgemeinplätzen zu füllen. Apropos Fragen: Hier ein Beispiel für deren Qualität: Chef-Populist Nigel Farage nutzte seine Fragezeit um etwa zehn Minuten darüber zu jammern, das Facebook seine rechts-nationalistischen Freunde auf Facebook durch seine Moderatoren benachteilige. Aha, dem Briten liegt also seine in sozialen Medien pöbelnde Anhängerschaft mehr am Herzen als der größte Datenskandal Facebooks, der immerhin in seinem Heimatland den Ursprung hatte.

Doch auch die anderen Abgeordneten, wenn auch eloquenter und weniger lamentierend, bekleckerten sich nicht mit Ruhm und nutzten den Termin für Werbung für ihre eigenen Fraktionen. Mehrere Male sah man Zuckerberg gar irritiert drein schauen oder den Anflug eines hämischen Lächelns unterdrücken. Damit wurde er für die Zuschauer paradoxerweise viel eher zur Identifikationsfigur, als die Fragensteller und Volksrepräsentanten. Es war eine verkehrte Welt in Brüssel und sie dürfte uns europäischen Bürgern nicht gefallen haben.

Den Livestream im Original gibt es hier zum nachschauen:

(+++Ende Update 23.05.2018+++)

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