digitale Themen, leicht verständlich.

[Update] Was erlauben Zuckerberg?

Zuckerberg sagt vor US-Kammern aus: Das Wichtigste aus beiden Anhörungen

Geschätzte Lesezeit: ca. 7 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Mark Zuckerberg hat im Zuge eines Anhörungstermins vor dem US-Senat Rede und Antwort gestanden. Ganze fünf Stunden hat das Kreuzverhör gedauert. Es war ziviler als erwartet und trotzdem aufschlussreich. Hier haben wir für euch die grundlegendsten Aussagen des Facebook CEO zusammengefasst.

Etwa 87 Millionen Profile von US-Amerikanern wurden im Zuge des Datenskandals von Cambridge Analytica illegal ausgewertet und vermeintlich dazu genutzt, die US-Wahl zugunsten Donald Trumps zu beeinflussen. Gelder aus Russland werden vermutet und ins Rollen gebracht wurde die ganze Affäre durch FBI-Sonderermittler Robert Mueller. Das war anscheinend sogar dem republikanisch geführten US-Senat zu viel, also wurde Facebook-CEO Mark Zuckerberg zu einer Anhörung vorgeladen, die er, anders als entsprechende Vorladungen aus Großbritannien, kaum ablehnen konnte. Gestern war es dann so weit und nach ganzen fünf Stunden eines ausdauernden Frage-Antwort-Spiels kamen dabei ein paar interessante Erkenntnisse zustage.

+++ (Update 12.04.2018) +++

Tag 2 der Anhörung: Zuckerberg wird gegrillt

Der zweite Tag der Anhörung gehörte ganz den Mitgliedern des Kongresses. Anders als die Senatoren zeigten diese sich gut vorbereitet und vertraut mit der Materie, um die es geht. Das ist eine gute Nachricht für Politik und Öffentlichkeit, brachten sie so doch deutlich mehr zu Tage, als ihre Kollegen der anderen Kammer am Vortag. Besonders im Gedächtnis bleibt eine Befragung durch die demokratische Kongressabgeordnete Kathy Castor, die Zuckerberg mächtig ins Stottern brachte.

Sie sprach ihn darauf an, dass er selbst am Vortag nicht offenlegen wollte, in welchem Hotel er übernachte, Facebook aber Nutzer verfolge, die sich ausgeloggt hätten, oder nicht einmal Mitglied des Netzwerks seien. Auf ihre Frage: "Stimmt das?", antwortete er stets ausweichend, doch sie ließ ihn nicht vom Haken und unterbrach ihn jedes Mal sofort, um ihn auf ein klares Ja oder Nein festzunageln. Hier gibt es die Szene zum Nachsehen im Originalton:

Weitere Erkenntnisse vom zweiten Tag der Anhörungen

Mark Zuckerberg wurde außerdem gefragt, ob sein eigenes Profil von dem Datenleck betroffen gewesen sei, als Cambridge Analytica 87 Millionen Profile illegal auswertete. Er antwortete: "Ja." Zudem wurde er von gleich zwei Abgeordneten darauf festgenagelt, ob er wirklich die europäische Datenschutzverordnung auch in den USA freiwillig umsetzen werde. Auch darauf antwortete er mit "Ja", nachdem sein Unternehmen entsprechende Pläne bereits im Vorfeld angekündigt hatte.

Auf die Nachfragen nach sogenannten 'Schattenprofilen', also angelegten Datensätzen von Menschen, die gar nicht Mitglieder von Facebook sind, zeigte sich Zuckerberg entweder ausweichend oder unwissend, gab an, darüber nichts zu wissen. Außerdem sagte er aus, dass er nicht genau wisse, wie viele Datenpunkte von Usern angelegt und ausgewertet würden. Insgesamt machte er einen nervöseren und angespannteren Eindruck als noch am Vortag, was definitiv mit der besseren Vorbereitung der Kongressabgeordneten zusammenhing.

+++ (Ende Update 12.04.2018) +++

Im Vorfeld bereits viele Ankündigungen von Facebook

Facebooks Strategie, die Senatoren durch wochenlange Ankündigungen von Neuerungen und Besserungen aufzuweichen, scheint aufgegangen zu sein.

Viele Analysten hatten Zuckerbergs bisherige Maßnahmen aufgrund der Wichtigkeit der Senatsanhörung bereits als Beschwichtigungsversuch gewertet: Er sandte seine COO Sheryl Sandberg auf eine wochenlange Medientour, um Besserung zu loben und Veränderungen anzukündigen. Mit dabei war unter anderem die Überlegung, kostenpflichtige Elemente in das Netzwerk zu integrieren. Aber auch konkrete Änderungen kündigten die Verantwortlichen an: Datenschutzoptionen zum Beispiel, die leichter zugänglich und verständlicher aufgebaut werden, oder die Kennzeichnung politischer Werbeanzeigen sowie eine deutliche Eingrenzung der Daten, die andere Entwickler von Usern 'abgreifen' können. Das klang sicherlich auch für die Senatoren im Vorfeld gut.

Zuckerberg setzt 'Kopfgeld' auf Datensünder aus

Facebook hat aber noch immer Probleme. Unter anderem gehört ein Mitarbeitermangel dazu, denn: Es gibt über zwei Milliarden Nutzer, die das Netzwerk jeden Tag mit riesigen Mengen an Posts, Kommentaren und Likes überfluten. Darum gibt es auch zehntausende Entwickler, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und mit ihren Apps an Facebook andocken. Zuckerbergs Unternehmen tut sich allerdings schwer damit, dieser Fülle an Daten und Problemen Herr zu werden, da man schlicht nicht so viele Menschen anstellen kann, wie es bräuchte, um alles im Griff zu haben. Darum gibt es ein neues Programm auf der Plattform, im Zuge dessen User verräterische Apps oder "andere Gegebenheiten" melden und bis zu 40.000 Dollar Belohnung kassieren können. Damit will man einen ähnlichen Fall wie den von Cambridge Analytica in Zukunft durch Mithilfe der User unterbinden.

Facebook: Allein auf weiter Flur

Ein Bildschirmfoto, mit den Icons von Facebook und WhatsApp.

Facebook hat mit dem Kauf von Instagram und Whatsapp das absolute Social Media Monopol geschaffen.  

Quelle: (quka)  Shutterstock 

Ein Bildschirmfoto, mit den Icons von Facebook und WhatsApp.

Facebook hat mit dem Kauf von Instagram und Whatsapp das absolute Social Media Monopol geschaffen.  

Quelle: (quka)  Shutterstock 

An einem Punkt fragte Senator Lindsey Graham von den Republikanern Zuckerberg, wen er für den größten Konkurrenten seines Unternehmens halte - Zuckerberg fiel keiner ein. Den Senatoren war ganz offensichtlich nicht geheuer, dass Facebook eine absolute Monopolstellung unter den sozialen Medien innehat, nicht zuletzt, weil sie ernsthafte Konkurrenten (siehe Instagram und WhatsApp) einfach geschluckt haben, bevor sie gefährlich werden konnten. Das hat offenbar die Kartellbehörde verpennt. Diese Tatsache schien den Senatoren Probleme zu bereiten und doch zeigte sich keinerlei Lösung für das Problem.

Facebook gegen Geld und künstliche Intelligenz

Zuckerberg betonte auch noch mal, dass Sandbergs Ankündigung, man könne sich auch eine kostenpflichtige Version vorstellen, durchaus ernstzunehmen sei. Kostenpflichtige Accounts, die per Knopfdruck sämtliche Datensammelei beenden können und keine Werbung erhalten, seien eine 'ernsthafte Alternative' um für besseren Datenschutz zu sorgen. Trotzdem solle es aber auch immer eine kostenlose Version geben, schließlich entspräche das dem Grundgedanken des Netzwerks. Fragen nach Moderation und den Kampf gegen Missbrauch wie Hassrede und politische Einflussnahme, beantwortete Zuckerberg größtenteils mit künstlicher Intelligenz. Man investiere viel in diesen Bereich, um das Problem zu weniger Angestellter maschinell lösen zu können. Er zeigte sich optimistisch, dass bald KIs für Ordnung im Newsfeed sorgen.

Absage an Verschwörungstheorien

Datendieb spioniert Smartphone aus (Handy, Mobile, Sicherheit)

Eine Verschwörungstheorie, die sich lange hält, besagt, dass Facebook über die Mikrofone von Mobilgeräten in Echtzeit mithört. Das wurde jetzt thematisiert.  

Quelle: (Brilliant Eye)  shutterstock.com 

Datendieb spioniert Smartphone aus (Handy, Mobile, Sicherheit)

Eine Verschwörungstheorie, die sich lange hält, besagt, dass Facebook über die Mikrofone von Mobilgeräten in Echtzeit mithört. Das wurde jetzt thematisiert.  

Quelle: (Brilliant Eye)  shutterstock.com 

Eine Verschwörungstheorie, die sich schon sehr lange im Internet hält, ist die, dass Facebook über die Mikrofone der Smartphones seiner Nutzer in Echtzeit mithört. Damit würden dann Daten angelegt werden, mit deren Hilfe Werbeprofile erstellt und verkauft werden können. Senator Gary Peters von den Demokraten fragte Zuckerberg konkret danach, ob seine Firma das tue und Zuckerberg antwortete: "Nein." Das war zu erwarten, schließlich scheint die Theorie nicht sehr plausibel (wie sollten allein in Echtzeit all die Daten übertragen und gespeichert werden?), trotzdem ist das erwähnenswert, weil die Theorie, ob unglaubwürdig oder nicht, jetzt auf Band gespeichert ist und in den Archiven des Senats liegt.

DIe Politik tut sich schwer mit Facebook

Am Interessantesten war aber wahrscheinlich, dass eines ganz deutlich wurde in diesen fünf Stunden: Die Politiker wissen so gut wie gar nichts über das größte soziale Netzwerk der Welt, mit dem sie sich als Gesetzgeber befassen sollen. Sie stellten Fragen wie: "Auf welchem Weg sammelt Facebook Daten?", "Wie lange werden diese Daten gespeichert?", oder "Wie können Nutzer kontrollieren, was mit ihren Daten geschieht?" Das sind allesamt wichtige Fragen, die allerdings auch eine Googlesuche problemlos gelöst hätte - und sie beschäftigten Zuckerberg etwa drei Stunden lang. Das war natürlich sehr in seinem Sinne, mussten dadurch doch weniger der unaufgeklärten Fragen beantwortet werden: Warum wurde versucht, dem Guardian mit einer Drohung von ihrer Enthüllungsstory abzubringen? Wie konnte es sein, dass man von Cambridge Analytica über Jahre wusste und nichts unternommen hat? Was genau geschieht mit den gesammelten Daten? Wie werden sie verarbeitet und genutzt? Auf all das gab es keine Antworten. Ein komplettes Transkript der Anhörung im Original gibt es hier.

Einen bildlichen Eindruck von der Anhörung findet ihr hier:

Quellen: cnn.com, washingtonpost.com

Hier erfährst du mehr über: FacebookDatenschutz und Künstliche Intelligenz

Sag uns deine Meinung!