Ausverkauf, Manipulation, Missbrauch, Hoffnung

Zuckerbergs Mentor holt gegen Facebook aus

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Julius Zunker

von Julius Zunker -

Mehr und mehr Stimmen werden laut, um vor den Gefahren durch soziale Netzwerke wie Facebook zu warnen, aber auch um soziale Netzwerke von den eingeschlagenen Wegen abzubringen. Sie alle eint der Wunsch nach mehr Menschlichkeit, mehr Demokratie, weniger Business und weniger Manipulation der User. Mit Roger McNamee hat eine dieser Stimmen nur ein Buch veröffentlicht.

In der Welt der Tech- und Media-Giganten ist Roger McNamee ein gewichtiger Mann, der den meisten von uns jedoch eher unbekannt sein dürfte. Seine Handlungen finden eher im Verbogenen statt. McNamee ist Silicon-Valley-Investor und dies bereits seit 35 Jahren. Vor 10 Jahren stieg er bei Facebook ein und wurde schnell zu einem engen Vertrauten von Marc Zuckerberg. So eng, dass er ihn bei seinem Spitznamen "Zuck" nennt und dieser sogar oftmals auf seine Ratschläge hörte - mit ihm sogar regelmäßige Treffen unter vier Augen hielt.

Die dunkle Seite des Facebook

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. McNamee ist enttäuscht, sauer und äußert auch Angst. Er (und er ist nicht alleine) sieht Facebook in gefährlichem Fahrwasser, welches ein Netz zum Verbinden von Menschen weltweit zu einem Werkzeug der Überwachung, der Manipulation und des Ausverkaufs werden lässt. Führende Köpfe der Entstehung und Entwicklung des Internets würden seine Befürchtungen so unterstreichen.

Seit Ende 2017 veröffentlicht McNamee regelmäßig Artikel, die sich mit den Gefahren für Facebook und Google beschäftigen. Nun bringt er sogar ein Buch zu diesem Thema heraus und hat dem Time Magazine einen exklusiven Einblick in 'Zucked: Waking Up to the Facebook Catastrophe' gewährt.

Politische und gesellschaftliche Manipulation

In seinem Auszug holt McNamee früh aus: Er stellte mit Entsetzen fest, dass seine persönliche Filterblase Teil der manipulativen Hetzkampagne gegen Bernie Sanders 2016 wurde, wie sich das Unternehmen zum Komplizen der Brexit-Lüge hat machen lassen und sich im Zuge der Wahl von Präsident Trump, sowie der potentiellen russischen Einmischung in die Wahl missbrauchen ließ. Mehr noch schreckt ihn, wie scheinbar uninteressiert Zuckerberg und Sheryl Sandberg diese Entwicklungen hinnahmen.

McNamee sieht Facebook und seine Führungsriege in einer ganz eigenen Echokammer gefangen.

Man muss Sandberg und Zuckerberg zugutehalten, mittlerweile reagiert zu haben. Doch McNamee sieht dies nur als notwendige Handlung an, die aus unternehmerischer Not geboren wurde. Er sieht Facebook und seine Führungsriege in einer ganz eigenen Echokammer gefangen, die sie hat blind werden lassen für die Belange und Bedürfnisse der Nutzer. McNamee führt zur Untermauerung seiner These an, dass Zuckerberg und Co. dem eigenen Wachstum verfallen sind. Begonnen damit ein Vergrößern zu hacken, in dem die Daten von Nicht-Nutzern ausgespäht wurden, über den Verkauf von User-Daten für bessere Geschäfte, bis hin zur aktiven Meinungsmache.

Ein Weg in eine bessere Zukunft

McNamees Argumentation erscheint in sich schlüssig und seine Analyse sicher. Allerdings schwingt nicht unwesentlich der Tonfall eines enttäuschten Mentors mit (und als solchen sieht sich McNamee). Obi Wan-Kenobi war immerhin auch nicht begeistert davon, Anakin plötzlich an der Seite von Palpatine wiederzufinden. Aber er gibt Facebook nicht auf und reicht direkt einen Katalog an Empfehlungen nach. Von Altersschutz bei Instagram um Heranwachsende vor Bullys zu schützen, über Suchtprävention bis zu aktiver, persönlicher Datenkontrolle. Ratschläge, die sinnvoll erscheinen, möchte man aus Sicht von McNamee nicht wirklich eines Tages in einer Facebook-Katastrophe erwachen.

Quelle: time.com

Hier erfährst du mehr über: Facebook und Datenschutz

Sag uns deine Meinung!