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Nutzer bestimmen selbst über ihre Daten

Zurück zu alter Stärke - Internet-Pionier Berners-Lee will das Web umkrempeln

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Tüftelt einer der größten Internet-Pioniere gerade an einer neuen Form des WWW? Der Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee arbeitet mit 'Solid' an einem Open-Source-Projekt, das die Kontrolle über die eigenen Daten wieder in die Hände der Nutzer legt. Zum Vorteil aller, nicht nur einiger weniger, die seiner Ansicht nach das Netz kontrollieren.

Was Ende der 80er als utopische Idee eines konstruktiven, weltumspannenden Wissens-Netzwerks startete, hat für Tim Berners-Lee, den Erfinder des Internets, gut 30 Jahre später nicht die Entwicklung genommen, die er sich für das Internet gewünscht hätte. Bereits im Mai bezog der WWW-Pionier bei einer Diskussion am Massachussets Institute of Technology (MIT) Stellung und sprach sich dafür aus, das Internet wieder zu seinen demokratischen, freien Wurzeln zurückzuführen - "Back to the Roots", zurück zu alten Stärken also.

Wie dies funktionieren soll, versuchte der britische Computerwissenschaftler nun in einem ausführlichen Beitrag auf der Website seiner Firma 'Inrupt' zu erläutern. Grundtenor des Ganzen: Das Internet ist zugemüllt, ungleich und wird von großen Playern kontrolliert - das Open-Source-Projekt 'Solid' möchte das ändern.

"Ein Netz, dem man vertrauen kann"

Wie genau Berners-Lee das anstellen möchte, ließ er etwas schwammig im Raum stehen. Vielmehr nutzte er sein Statement dazu, die vermeintlichen Schwächen und Probleme des Internets zu erörtern und seine Beweggründe aufzuzeigen, die ihn zur Arbeit am Open-Source-Projekt 'Solid' trieben.

Für ihn sei das Internet stets für alle da gewesen, um eine bessere, vernetzte Welt zu schaffen. Dies sei in der jetzigen Situation so nicht vorhanden, denn das Netz habe sich zu einem "Motor der Ungerechtigkeit und Spaltung" entwickelt - gesteuert von einigen wenigen Mächtigen. Im Vordergrund steht für Berners-Lee deshalb die Kontrolle über die eigenen Daten. Damit einhergehend eine Privatsphäre, die vom Nutzer gesteuert wird und eine selbstbestimmte Vernetzung mit Apps und Diensten, die jedem einen Nutzen bringt, nicht nur fremden Unternehmen.

Ich glaube, dass wir heute einen kritischen Wendepunkt erreicht haben, und dass ein starker Wandel zum Besseren möglich - und notwendig ist.

Tim Berners-Lee

Solid soll auf das existierende Web aufsetzen und neben dem Datenschutz ebenso das Teilen und die gemeinschaftliche Arbeit im Netz verbessern. Daten sollten demnach jedem Einzelnen Macht verleihen, so der Wunsch des Wissenschaftlers.

Die Leute wünschen sich ein Netz, dem sie vertrauen können. "Wir glauben, dass Daten jeden von uns befähigen sollten. Stellen Sie sich vor, alle Ihre aktuellen Apps würden miteinander sprechen, zusammenarbeiten und Wege finden, Ihr persönliches Leben und Ihre Geschäftsziele zu bereichern und zu optimieren. Das ist die Art von Innovation, Intelligenz und Kreativität, die Solid-Apps erzeugen werden. Mit Solid haben Sie weitaus persönlicheres Management über Daten - Sie entscheiden, welche Apps darauf zugreifen können", so Berners-Lee in seinem Eintrag.

Solid Pod: Hier arbeiten eure Daten für euch

Auf der Produkt-Website von Inrupt wird zu diesem Zweck der 'Solid Pod' vorgestellt - ein persönlicher Speicherplatz, der als Zugang und Ort für die eigenen Daten fungieren soll. Dort heißt es: "Betrachten Sie Ihren Solid POD als Ihre eigene private Website, außer dass Ihre Daten mit all Ihren Anwendungen interagieren."

Alles etwas kryptisch formuliert. Doch wer anders als der Erfinder des Internets sollte sich an die eine Aufgabe trauen? Er stellt sich Solid zudem als neues Web vor, das Schreib- und Lesezugriffe kombiniert, oder einfacher gesagt: Nutzer sollen das Internet nicht als Einbahnstraße für Dokumente oder Informationen nutzen, sondern aktiv an einem großen Wissensnetzwerk arbeiten.

Die nächste Ära des World Wide Web also? Man darf gespannt sein, ob der Internet-Pionier seinen Visionen Taten folgen lässt, die nicht nur eine neue ideologische Vorstellung vermitteln, sondern auch massentauglich sind. Denn gänzlich umsonst scheint dieser Weg nicht zu sein: "Die Leute werden für diese Art von Qualität und Sicherheit bezahlen. Beispielsweise bezahlen sie heute bereits für Datenspeicherung an Orten wie Dropbox. Es besteht Bedarf an Solid und dem unterschiedlichen, vorteilhaften Ansatz, den es bieten wird."

Quelle: inrupt.com

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