Alles zum Thema Augmented Reality

Smarte Wearables in Brillenoptik, die in Verbindung mit Kamera, Prozessoren, Sensoren und Software ein intelligentes Sichtfeld erzeugen, mit der Umgebung und den Objekten darin interagieren und uns stets als treuer Begleiter mit Infos füttern. Das und vieles mehr lässt sich mit Augmented Reality in Zukunft umsetzen. Doch wo steht die Technik, welche Möglichkeiten stehen uns bereits jetzt schon zur Verfügung und wie greifen Wirtschaft, Aus- und Weiterbildung sowie die Unterhaltungsbranche auf diese Technologie zu?

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Augmented Reality: Wenn Technologie den Küchentisch in ein Schlachtfeld verwandelt

Wenn man sich dem Thema 'Augmented Reality' (kurz: AR) widmet, denkt man vordergründig an 'Google Glas' oder futuristische Wearables. Schnell werden auch Verbindungen zu Smartphones mit abgedrehten Funktionen gezogen, die euch mithilfe von Kamera und Display beispielsweise Pokémon in die Landschaft setzen oder den Küchentisch in ein Schlachtfeld verwandeln. Dabei ist die Technik der erweiterten Realität bereits großflächig in unserem Alltag angekommen, ohne dass man direkt an Holodesks oder gestengesteuerte Interfaces aus Science-Fiction-Filmen wie 'Minority Report' denken muss.

Begriffserklärung

Augmented Reality, also "erweiterte Realität", ist die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. (Wikipedia)

Ein Beispiel stellt unter anderem die Sportberichtserstattung für zahlreiche Sportarten dar, in denen AR zum Einsatz kommt. Wenn das nächste Mal die Abseitslinie beim Fußball eingeblendet wird oder Leichtathleten einer virtuellen Zeitlinie hinterherjagen, nutzen Sendeanstalten mal wieder die erweiterte Realität durch computergenerierte Einblendungen. AR ist demnach bereits seit Jahren eine Technik, die in der breiten Öffentlichkeit zum Einsatz kommt.

Der Begriff fällt auch häufig im gleichen Atemzug wie VR. Doch so sehr sich Augmented Reality und Virtual Reality auf den ersten Blick auch ähneln mögen – hinter beiden Begriffen verbergen sich völlig verschiedene Ansätze. Die virtuelle Realität setzt mithilfe von VR-Brillen vor allem auf eine computergenerierte Umgebung, während AR digitale Inhalte in die reale Umgebung einbindet. Diese Projizierungen interagieren bestenfalls sogar mit realen Gegenständen, Gebäuden oder der Umwelt – es ist der Mix aus Wirklichkeit und einer Realität, die wir uns selbst schaffen.

Smartphones ebneten der Augmented Reality den Weg in den Massenmarkt

Sprechen wir von Augmented Reality, beschreibt der Großteil der aktuellen Themen relevante Entwicklungen rund um mobile Anwendungen, die durch immer ausgefeilter werdende Technik mobiler Geräte in der Lage ist, flächendeckend AR-Inhalte bereitzustellen – die sogenannte mobile Augmented Reality. Dabei liegen die Anfänge von AR bereits in den 60er Jahren.

Unsere heutige Begriffsdefinition von Augmented Reality geht jedoch auf die Entwicklung von Head-Up-Displays für Piloten zu Beginn der 1990er zurück. Die Displays in den Helmen zeigten aufgabenspezifische Informationen an, die dem Piloten ein erweitertes Sichtfeld ermöglichten, oder leiten Piloten mithilfe von virtuellen Wegpunkten ohne Umwege ans Ziel. Allerdings sollten Wearables für den Alltagsgebrauch noch etwas auf sich warten lassen.

Erst um die Jahrtausendwende ermöglichte die Smartphone-Hardware – unter anderem durch die heute standardmäßige Integration von GPS – Anwendungen auf Basis von Augmented Reality. Was zunächst ausschließlich auf Displays bezogen war, wurde durch die Erfindung eines 3D-Markers erweitert – ein Marker für reale Objekte, der es ermöglicht, objektspezifische Informationen und Bilder zu projizieren. Wurde beispielsweise ein Wahrzeichen mit einem Marker ausgestattet, so erhielten Personen in Verbindung mit einem Smartphone projizierte Infos und Bilder. Vor allem die Entwicklung leistungsfähiger Smartphones mit der benötigten Sensorik sorgte dafür, dass Augmented Reality um das Jahr 2009 zum ersten Mal den Massenmarkt erreichte. Unter anderem wird hier das iPhone 3GS genannt, das genügend Leistung vorwies, um Bilder und Informationen darzustellen. Die virtuellen Details erschienen nun mittels Kamera und Display zwischen den realen Aufnahmen.

Ob im Tourismus oder in der Unterhaltung – AR hält Einzug in den Alltag

Aktuell ist Augmented Reality präsenter denn je und hält neben dem immer breiteren Einsatz in Industrie und Bildung auch mehr und mehr Einzug im Alltag. Ein bereits oft genutztes Einsatzgebiet stellt der Tourismus dar, dessen Vertreter mithilfe von AR beispielsweise interaktive Gebäudepläne für Sehenswürdigkeiten anfertigen lassen. Mit Systemen wie 'Shoutr' versorgen unter anderem Museen, Flughäfen oder Innenstädte vielleicht bald flächendeckend Besucher mit ortsbezogenen Informationen in Echtzeit. Alles, was man dafür benötigt, ist eine dementsprechend ausgebaute Daten-Infrastruktur und ein Smartphone.

Auch in der Unterhaltungsbranche nutzen Software-Entwickler häufig die realitätserweiternden Funktionen von AR für ihre Zwecke. Apps wie 'FaceApp', 'MSQRD' oder 'egg' verpassen euch und euren Profilbildern mit ihren Echtzeit-Filtern, Masken und Effekten ein völlig neues Aussehen. Das Grundprinzip hinter all diesen Profil-Apps ist jeweils gleich: Man positioniert sich und seine Smartphone-Kamera mittig auf dem Display, wählt die Effekte und entdeckt neue Seiten von sich. Mal als Frankenstein, mal als feuerspuckendes Ungeheuer oder auch sehr beliebt: Große Manga-mäßige Augen samt Hunde- oder Katzenohren.

Darüber hinaus haben beispielsweise Studios wie Disney oder die Produktionsfirma von 'Herr der Ringe'-Regisseur Peter Jackson das Potenzial für den Filmmarkt von morgen erkannt und versuchen, mithilfe der AR-Technologie neue Formate für Zuschauer zu schaffen – mit zwei völlig verschiedenen Ansätzen. Während die Forscher des Disney Research Hubs an einer Mixed-Reality-Version arbeiten, welche die Interaktion zwischen Publikum, den projizierten Charakteren und der Umwelt ermöglicht, kreieren Firmen wie 'Wingnut AR' Filme für den Küchentisch. Zuschauer können sich mithilfe des Smartphones frei um den Tisch bewegen und die Kampfszene von allen Seiten aus betrachten. Dabei agieren die Darsteller mit den gegebenen Grenzen ihrer "kleinen Welt", in dem sie sogar von der Tischplatte ins Bodenlose springen. Diese ersten Gehversuche zeigen eingängig, welches Potenzial Augmented Reality für Hollywood bereithält.

AR-Hit für Smartphones - Pokémon Go spaltet die Lager

Auch im Gaming-Bereich versuchen Spieleentwickler mit der erweiterten Realität neue Erlebnisse zu kreieren. Vor allem Pokémon GO löste im Sommer 2016 einen regelrechten Hype aus. Millionen Menschen installierten sich das Game sowohl für Android als auch für iOS, um sich anschließend mit Smartphone und Power-Bank bewaffnet auf die Suche nach den kleinen Taschenmonstern zu begeben.

Anstatt eine Spielfigur am Smartphone durch eine virtuelle Welt zu steuern, schickten uns die Entwickler mithilfe von Standortdaten selbst auf die Suche. Gaming per Smartphone plus Bewegung? Das Game treibt heute immer noch vielen begeisterten Pokémon-Trainern den Schweiß auf die Stirn und lässt Forscher sogar Messungen über den gewinnbringenden Nutzen für die eigene Fitness vornehmen.

Ist ein Monster in der Nähe, erscheint es auf dem Display. Doch obwohl immer noch Erweiterungen, Events und Bugfixes für die Smartphone-App erscheinen, scheint der Hype verflogen zu sein. Der Suchtfaktor war gewaltig aber von eher kurzer Dauer – zu schwach war die Umsetzung des Spielprinzips. Auch an der Performance und an der technischen Umsetzung gab es von Spielern reichlich Kritik.

Darüber hinaus herrscht zwischen Fans und Kritikern Uneinigkeit, ob Pokémon GO überhaupt ein legitimer AR-Titel ist. Die Figuren interagieren nicht mit der Umwelt, stehen starr an einem Punkt und lassen sich nicht "umlaufen" – sie haben kein dreidimensionales Erscheinungsbild. Eine schlechte Demo dieser Form der Technologie oder vielmehr der Anfang einer Entwicklung, die innerhalb der nächsten fünf Jahre gewaltige Sprünge nach vorn machen wird?

Chancen in Aus- und Weiterbildungen – AR gehört die Zukunft

Noch ist es relativ ungewöhnlich, wenn wir auf der Straße jemandem mit einer Datenbrille begegnen. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass diese AR-Wearables immer noch sehr "geeky" wirken und es eher ungewöhnlich ist, wenn man seinem Gegenüber mit einer wahrnehmbaren Kamera entgegentritt. Doch wie sieht die Zukunft von Augmented Reality aus? Können wir bald mit einer Brille herumlaufen, die uns alle wichtigen Informationen zuführt, die wir benötigen? Beispielsweise die Preise von Zügen am Hauptbahnhof, ohne dafür einen Plan aufsuchen zu müssen? Oder die Öffnungszeiten beim Vorbeigehen an einem Gebäude?

Person mit Augmented Reality Brille

(shutterstock.com / Tinxi)

Ebenso einsetzbar ist diese Technologie in der Autoentwicklung, in der smarte Windschutzscheiben mithilfe von Augmented Reality intelligente Sichtfelder kreieren. Smarte Displays in Frontscheiben, gekoppelt mit Navigationssystem und Gefahrenerkennung, digitaler Streckenmarkierung und einer Sensorik, die gerade in Innenstädten dabei hilft, Fußgänger oder Radfahrer rechtzeitig hinter einem Auto zu entdecken.

Die Forschung beschäftigt sich computergestützt zumindest schon seit dem Beginn 1980er mit Augmented Reality – und auch die Industrie hat bereits ihre Einsatzgebiete der erweiterten Realität für sich entdeckt. Ob bei der Einrichtung von Räumen oder bei der Präsentation von Artikeln auf Messen und in Läden, AR stellt bereits jetzt für viele Betriebe eine deutlich technologische Erleichterung von Arbeitsabläufen dar.

Auch in der Aus- und Weiterbildung sind die Einsatzmöglichkeiten von AR in der Theorie unbegrenzt. Man stelle sich beispielsweise vor, Ärzte könnten Operationen bereits im Vorfeld unter realen Umständen durchspielen oder in der Ausbildung könnte jeder Lehrling überall an seiner ganz privaten Maschine üben.

Momentan scheinen sowohl Hardware als auch die Verantwortlichen noch nicht bereit zu sein, einen großen Schritt in Richtung erweiterte Realität zu gehen. "Zu teuer, zu technikfremd" sagen die Einen, wenn sie über die deutsche Wirtschaft sprechen, "der nötige Schritt in Richtung Digitalisierung" behaupten die Anderen. Die Wahrheit wird wie üblich irgendwo in der Mitte liegen, jedoch lässt sich der Nutzen dieser Technik kaum von der Hand weisen. Jetzt muss nur noch die Umsetzung gelingen.

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