Alles zum Thema Crowdfunding

Crowdfunding, zu Deutsch "Schwarmfinanzierung", dient dazu, Geld für Projekte, Produkte oder Geschäftsideen zu beschaffen, ohne Eigenkapital zu besitzen. Anders als bei der Suche nach klassischen Investoren, werden die potentiellen Kunden hier direkt angesprochen. Sie können mit variablen Beträgen das Finanzierungsziel unterstützen und dafür bereits ein Produkt oder eine Leistung im Voraus bezahlen, die nach Erreichen des Ziels übergeben werden. In der Regel handelt es sich bei den sogenannten 'Backern' von erfolgreichen Kampagnen um eine Vielzahl von Internetnutzern, die eine hohe Affinität zu der Geschäftsidee und ihrem Ziel haben.

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Geschichte der Schwarmfinanzierung

Obwohl Crowdfunding für uns häufig mit 'Kickstarter', 'Startnext', 'Indiegogo' und Co. assoziiert wird - also Internetplattformen - reicht die Geschichte der Schwarmfinanzierung doch einige hundert Jahre zurück, nämlich bis zum Bau der Freiheitsstatue. Damals hatte sich der Gouverneur von New York geweigert, fehlende Gelder für den Bau aus der Stadtkasse zu bezahlen. Der berühmte Publizist Joseph Pulitzer rief daraufhin die Öffentlichkeit zu Spenden auf und innerhalb von fünf Monaten unterstützten mehr als 160.000 Menschen mit den verschiedensten Hintergründen aus aller Welt das Projekt. Doch so richtig Fahrt aufgenommen hat das Phänomen erst mit dem Internet als digitalem Beschleuniger: Nach der Jahrtausendwende organisierten Non-Profit-Organisationen wie 'DonorsChoose' und 'GlobalGiving' Spendengelder in Millionenhöhe.

Kickstarter-Screenshot des Backbone-Projekts

So sieht die Startseite einer Kickstarter Kampagne aus  

Quelle: (Screenshot) Bifrost Biotech Inc.

Kickstarter-Screenshot des Backbone-Projekts

So sieht die Startseite einer Kickstarter Kampagne aus  

Quelle: (Screenshot) Bifrost Biotech Inc.

Mit Gründung der oben genannten Portale, die das System deutlich vereinfachten, kamen Erfolgsstorys wie die des Weltraumspiels 'Star Citizen' hinzu. Chris Roberts erschuf mit seiner Vision eines riesigen, frei erkundbaren Weltalls für Spieler aus aller Welt einen solchen Hype, dass sein Projekt mittlerweile mit beinahe 160 Millionen Dollar Spendeneinnahmen die mit Abstand erfolgreichste Crowdfunding Kampagne der Geschichte ist.

Typischer Ablauf einer Kampagne

Um den Ablauf einer typischen Crowdfunding Kampagne zu beschreiben, konzentrieren wir uns auf die populärste Form der Schwarmfinanzierung, nämlich jene über entsprechende Internetportale, die über folgende Schritte funktionieren:

  1. Eine Aktion wird angekündigt mit einem Finanzierungsziel, das zum Beispiel zur Herstellung eines Produkts erreicht werden muss. Diese Summe muss dann durch Mitglieder der Masse, die sogenannten 'Crowdfunder', realisiert werden.
  2. Die Crowdfunder, oder auch 'Backer', bekommen für ihren geleisteten Beitrag eine vordefinierte Leistung wie Rechte, Anteile, Sachleistungen oder auch ideelle Werte, wenn sie ein Charity-Projekt unterstützen.
  3. Über die gewählte Plattform treten Organisatoren und Geldgeber miteinander in Kontakt, unter anderem über das entsprechende Ausschreiben und das Hinzufügen von Zwischen- und Fernzielen.
  4. Nach Erreichen des Finanzierungsziels wird die entsprechende Leistung erbracht und die Unterstützer erhalten vordefinierte Gegenleistungen.

Nachteile des Crowdfunding

Crowdfunding klingt toll, besonders für Projekte, die auf dem klassischen Investitionsweg wenig Aussicht auf Erfolg haben - beispielsweise Indie-Projekte. Aber es gibt auch Nachteile. Zum einen verschwinden viele Aktionen im Nirwana des Internets, weil sie nicht die entsprechend nötige Reichweite und Aufmerksamkeit bekommen. Probleme gibt es außerdem beim Ideenklau.

Screenshot aus Ashes of Creation mit Statue

Am meisten mit Crowdfunding in Verbindung gebracht, werden mittlerweile Computerspiele  

Quelle: Intrepid Studios

Screenshot aus Ashes of Creation mit Statue

Am meisten mit Crowdfunding in Verbindung gebracht, werden mittlerweile Computerspiele  

Quelle: Intrepid Studios

Da die meisten Personen, die eine Crowdfunding-Kampagne starten, wenig oder gar kein Anfangskapital besitzen, halten sie oft keine Patente an ihrer Idee und werden schnell Opfer von Ideenraub. Ein weiteres Problem lässt sich auch bei der erfolgreichsten Schwarmfinanzierung beobachten: Star Citizen erreicht regelmäßig neu gesetzte Finanzierungsziele und hat das Budget in ungeahnte Höhen gebracht. Doch da Initiator Chris Roberts immer neue Ziele setzt, ist das fertige Spiel noch immer nicht erschienen, obwohl es bereits vor zwei Jahren an die Unterstützer ausgeliefert werden sollte. Wann sie ihr versprochenes und bereits bezahltes Produkt wirklich erhalten? Das steht in den Sternen.

Vorteile des Crowdfunding

Ganz offensichtlich ist Crowdfunding natürlich eine relativ risikofreie Möglichkeit, die eigene Geschäftsidee (https://www.netz.de/apps/news/backbone-die-erste-software-die-rueckenschmerzen-lindert) zu finanzieren, ohne auf Investoren und deren Wünsche und Druckmittel angewiesen zu sein. Zudem haben entsprechende Kampagnen durch ihre Verbreitung über das Internet die Chance, viral zu gehen und schnell viel Aufmerksamkeit auf das eigene Projekt zu lenken.

Die erfolgreichste Crowdfunding Kampagne aller Zeiten ist die für Star Citizen. Das Space-Game von Chris Roberts hat rund 150 Mio. Dollar eingenommen.

Ein weiterer Vorteil fällt möglicherweise nicht so schnell ins Auge: Viele Startups kämpfen mit dem Problem, gerade zu Beginn ihrer Arbeit wenig Feedback vom zu Markt erhalten – also die echte Nachfrage seitens potenzieller Kunden. An dem Interesse Kampagne lässt sich diese Nachfrage aber relativ einfach messen. Hinzu kommt, dass Crowdfunding kostenlos ist, die Backer gleichzeitig schon Kunden sind, bevor das Produkt überhaupt auf dem Markt ist, es entsprechend kostenlose PR hat und diese Kunden mit großer Wahrscheinlichkeit loyale Kunden bleiben, weil sie selbst in das das Projekt investiert haben.

Crowdfunding – ein Konzept mit Zukunft?

Forbes hat erst kürzlich Vorhersagen zur Zukunft des Crowdfunding gemacht, die nicht nur schlüssig, sondern heute schon absehbar sind: Zum einen werden große Online-Händler wie Amazon und eBay entsprechende Finanzierungsformen in ihre Market-Places einbauen, um diese neue Art der Investition, beispielsweise des Kaufens aufzunehmen, während sie sich im Aufwind befindet. Doch das wird erst der logische Anfang sein. Auch andere Konzerne werden auf den Zug des sozialen Investierens und Kaufens aufspringen wollen, um so Kunden zu gewinnen und zu binden. Generell wird das Einbinden von potentiellen Käufern in den Innovations- und Planungsprozess neuer Produkte den gesamten Markt durchdringen, indem es sich zur neuen Art des Onlinekaufens entwickelt. Das passt zu einer Netzwelt, die immer mehr auf soziale (Online-)Interaktionen und individualisierte Angebote setzt.

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