Alles zum Thema Datenschutz

Fragt man Experten, was sie unter Datenschutz verstehen, sind die Antworten so vielseitig und unklar, wie die aktuellen politischen Diskussionen zum Thema. Es geht um unsere digitalen Fingerabdrücke, unsere Surf- und Klickvorlieben und nicht zuletzt um die simple Frage, ob wir denn nun unsere Webcams zukleben sollten, oder nicht. All diese Dinge sind nämlich das Kapital der modernen Global Player wie Google, Facebook, Microsoft, Apple und Co. Sie arbeiten mit unseren Fußspuren im Web, leiten daraus auf uns zugeschnittene Werbebanner an unserem digitalen Wegesrand ab und benötigen dafür nur einen einzigen Klick von uns. An diesem Klick hängt jedoch eine lange und erbittert geführte Diskussion, die vom Zukunftsthema für junge Leute zu einem heiß diskutierten Thema geworden ist.

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Datenschutz im Laufe der Zeit

Ein großes Thema ist der Datenschutz geworden, seit John F. Kennedy zu Beginn der 1960er Jahre plante, alle Bürger der USA mit sämtlichen Daten in ein zentrales Melderegister eintragen zu lassen. Seine Pläne entfachten eine nationale Debatte über Persönlichkeitsrechte, die später in die ganze Welt überschwappte. Diese Diskussion war es auch, die in Deutschland den Begriff "Datenschutz" hervorbrachte, obwohl es eigentlich um den Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und nicht der Daten ging. Die Wichtigkeit des Datenschutzes ist parallel mit der gesellschaftlichen Bedeutung und Verbreitung des Internets gestiegen und heute vieldiskutiert wie nie – ob die Diskussionen aber weit genug reichen und genügend Aufmerksamkeit bekommen, ist fraglich. Fakt ist jedoch, dass unsere (Nutzer-)Daten das Kapital des 21. Jahrhunderts sind, ohne die es Annehmlichkeiten wie Smartphones, Streaming-Dienste, Soziale Netzwerke und Online-Shopping in ihrer aktuellen Form gar nicht geben würde. Wir wollen diesen Luxus heute nicht mehr missen und gleichzeitig fürchten wir uns vor Missbrauch unserer Daten. Davor, einer der viel beschworenen "gläsernen Bürger" zu werden, nachdem wir das Kleingedruckte der AGBs weggeklickt haben, um endlich den Service zu genießen.

Datenschutz in Deutschland

Interessanterweise wurde das weltweit erste Datenschutzgesetz in den 70er Jahren in Hessen verabschiedet. In diesem wurde festgehalten, dass jede Datenverarbeitung, die keine gesetzliche Grundlage hat, illegal ist. Später wurde hinzugefügt, dass auch eine gesetzlich legitimierte Datenverarbeitung personenbezogener Daten unsere Grundrechte verletzen kann. Daraus ergibt sich in Deutschland eine schwierige Gemengelage: Wir haben zwar relativ strenge Datenschutzgesetze, beispielsweise gegenüber den USA, wenden sie jedoch auf amerikanische Unternehmen an, die sich in ihrem Handeln an den lockereren heimischen Gesetzen orientieren. Die Folge sind Rechtsstreits und Bußgelder, die aber an dem Grundproblem nichts ändern, da wir als Nutzer den AGBs zustimmen, die immer wieder angepasst werden. Das Bundesdatenschutzgesetz versucht darum, gewisse Standards festzulegen:

  1. Die Erhebung unserer Daten und ihre Verarbeitung und Nutzung ist nur dann erlaubt, wenn wir dem ausdrücklich zustimmen – Stichwort AGBs.
  2. Es sollen so wenig personenbezogene Daten wie möglich erhoben und diese bestmöglich anonymisiert werden.
  3. Besonders geschützt sind Daten über ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse Überzeugungen, oder das eigene Sexualleben.
  4. Das Bundesdatenschutzgesetz gilt für alle deutschen Firmen und für alle Firmen, die Daten in Deutschland erheben, verarbeiten oder nutzen, also auch für Google und Co.

Wie schütze ich meine Daten im Internet am besten?

Um nicht als viel zitierter gläserner Bürger am gläsernen PC zu sitzen, gibt es einige Vorsichtsmaßnahmen, die wir treffen können und treffen sollten. Hier ist eine kurze Liste mit den wichtigsten Schutzmechanismen, die sich einfach umsetzen lassen:

Liste mit Passwörtern und Tipps

So geht sicheres Passwort!  

Quelle: (Projektbüro SCHAU HIN!) www.schau-hin.info

Liste mit Passwörtern und Tipps

So geht sicheres Passwort!  

Quelle: (Projektbüro SCHAU HIN!) www.schau-hin.info

  1. Ein guter Virenscanner ist Pflicht. Die gibt es übrigens auch in kostenlosen Versionen in guter Qualität.
  2. Browser-Erweiterungen zum Schutz der Privatsphäre können sämtliche Daten blocken, die von unseren Browsern an Webseiten übermittelt werden.
  3. Die eigene E-Mail-Adresse sollte nicht leichtfertig im Internet herausgegeben werden. Mit ihrer Verbreitung steigt auch das Risiko - unter anderem für Phishing-Mails.
  4. Sensible Daten wie Zahlungsdetails sollten wenn überhaupt nur über verschlüsselte Verbindungen, erkennbar am "https" in der Adresszeile, preisgegeben werden.
  5. Sichere Passwörter zu wählen, ist ein weiterer einfacher Weg, sich im Web zu schützen. Allein die Nutzung von Groß- und Kleinschreibung in Kombination mit Zahlen und Sonderzeichen erhöht den Zeitraum, der benötigt wird um ein Passwort zu knacken, von wenigen Sekunden auf mehrere Jahre.

Neben diesem Einmaleins der Internetsicherheit hat sich durch das allgemeine Medieninteresse am Thema Datenschutz auch eine gewisse Sensibilität in den Sozialen Netzwerken eingestellt, die es bis vor einigen Jahren noch nicht gab. So werden die Fälle immer seltener, in denen Nutzer sich mit ungünstigen Posts wie Fotos von Partys, Exzessen, oder den eigenen Kindern und Babys präsentieren. Das Internet vergisst bekanntermaßen nicht und das hat sich herumgesprochen.

Datenschutz – ein moderner Problemfall

In der Theorie klingt das alles gut: Man kann sich schützen, hat verschiedene Möglichkeiten der Optimierung an der Hand und der Gesetzgeber ist verbraucherfreundlich eingestellt. Trotzdem ist das Thema Datenschutz ein Streitthema. Woran liegt das? Hauptproblem ist, dass personenbezogene Daten massiv kommerzialisiert wurden. Nicht nur Internetriesen wie Google und Facebook leben von personenbezogenen Daten und haben sie zum Mittelpunkt ihrer unternehmerischen Tätigkeiten gemacht. Es wird kräftig Geld verdient mit unseren Surfvorlieben, Hobbys, Meinungen und unserem Kaufverhalten. Regelmäßig weisen Landes- und Bundesdatenschutzbeauftragte darauf hin, dass es in der Privatwirtschaft massive Datenschutzprobleme gibt. Ebenso regelmäßig werden große Konzerne aufgrund von Verletzungen der Datenschutzgesetze vieler Europäischer Länder verklagt – doch die Gewinne, die unsere Daten abwerfen, scheinen die Schadensersatzklagen problemlos einzufangen. Aber nicht nur der Datenhunger großer Konzerne gibt Grund zur Sorge: Oftmals werden sie zu Opfern von Cyberattacken und großangelegte Diebstähle von sensiblen Daten bringen das Vertrauen der Kunden ins Wanken. Solche virtuellen Raubzüge können unsere Bankdaten betreffen, aber auch peinliche Fotos in der Cloud, oder das heimische Kinderzimmer. Ebenso sind betrügerische Fake-Webseiten und Phishing Mails mittlerweile Alltag geworden. Fast täglich schwirren Nachrichten in unsere Postfächer, die angeblich von PayPal stammen, oder vor der Löschung unseres Amazon-Accounts warnen. Diese E-Mails sehen häufig täuschend echt aus und leiten auf Webseiten weiter, die exakte Spiegelbilder der Originale sind und die erneute Eingabe unserer Bankdaten fordern. Auf der einen Seite steht also ein wachsendes Interesse an unseren Daten und auf der anderen Seite strikte persönliche und staatliche Interessen, die eigenen Daten zu schützen, da sie Teil der Menschenwürde sind, die im Grundgesetz ausdrücklich geschützt wird. Viel hängt davon ab, wie sorgsam wir uns im öffentlichen Raum und explizit dem Internet verhalten und wie strikt der Gesetzgeber bei Verstößen durchgreift.

Datenschutz in Zukunft

Datenschutz ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema und wird das auch für lange Zeit bleiben. Ein großer Teil gesellschaftlichen Lebens findet heute online statt und wird das auch in Zukunft tun. Wichtig wird also sein, schon Kinder und Jugendliche in dem Thema zu unterrichten. Datenschutz und die Fähigkeit, sich verantwortungsbewusst im Web bewegen zu können, gehören darum auf den Lehrplan. Denn: Der beste Schutz ist und bleibt, Gefahren zu erkennen, wenig Spuren zu hinterlassen und die eigenen Rechte zu verstehen. Um diese Selbstbestimmung zu gewährleisten, müssen Staat und Unternehmen noch mehr für Transparenz bei der Datenverarbeitung tun, damit wir als Ottonormalverbraucher auch wissen, was mit seinen Daten geschieht. Ungelöst auf dem Weg zu echter Selbstbestimmung im Datenkosmos, ist außerdem das Problem des faktischen Zwangs zur Einwilligung: Wenn wir AGBs nicht zustimmen, bekommen wir eben die Leistung nicht. Kein Gmail-Konto, kein Facebook, kein iTunes. Faktisch haben wir also nur eine einzige Wahl – entweder wir akzeptieren die undurchsichtige Verwendung unserer Daten, oder wir werden vom öffentlichen (Internet-)Leben ausgeschlossen. Zufriedenstellende Lösungsvorschläge für dieses Dilemma gibt es aktuell leider noch nicht.

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