Alles zum Thema Video-Streaming

Keine langen Werbeunterbrechungen und staffelweise Filmvergnügen für Abo-Kunden – Video-Streaming ist das neue Fernsehen. Doch welcher Anbieter ist der richtige für euch? Funktioniert ein Abo auch im Ausland und wann ist Streaming überhaupt legal? Alles rund um die cineastische Unterhaltung "on demand" erfahrt ihr hier.

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Regale voller BlueRays, DVDs oder gar Kassetten – dieses materielle Horten von cineastischer Unterhaltung stirbt langsam aus, denn das Streamen von Videos on Demand ist fest etabliert und hat das herkömmliche Fernsehgucken teilweise abgelöst. Das ist vor allem den günstigen Abo-Modellen von Anbietern wie Amazon oder Netflix zu verdanken, die gefühlt unendliches 'Binge Watching' ermöglichen.

Laut Bitkom wird der Umsatz, der mit Video-on-Demand-Angeboten in Deutschland erzielt wird, in 2017 schätzungsweise um 18 Prozent auf 945 Millionen Euro steigen. Und laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen möchte sogar jeder Zehnte seinen TV-Anschluss einfach durch Streaming-Dienste ersetzen. Falls ihr euch noch nicht sicher seid, welcher Streaming-Anbieter für eure Bedürfnisse der richtige ist, findet ihr hier einen Vergleich der bekanntesten Portale.

Erfolgsfaktoren: Eigenproduktionen und monatliche Abos

Die Marktführer der Branche profitieren vor allem durch den Umsatz der durch treue Abo-Kunden generiert wird. Dafür verlangt das Publikum allerdings auch regelmäßig neue Filme und Serien im Angebot, die Netflix und Amazon Video mittlerweile auch gern mal selbst produzieren. Zu den erfolgreichsten Netflix Originals zählt beispielsweise die Polit-Thriller-Serie "House of Cards", "Orange Is The New Black", "Unbreakable Kimmy Schmidt", "Tote Mädchen lügen nicht" (13 Reasons Why) oder "Stranger Things". Amazon zaubert ebenfalls ein paar Eigenproduktionen aus dem Ärmel, die Serienfreunde vor den Bildschirm locken: Allen voran die dystopische Alternativweltgeschichte "The Man in the High Castle", die von Ridley Scott und Frank Spotnitz produziert wurde. Auch die deutsche Thriller-Serie "You Are Wanted" mit Matthias Schweighöfer kam gut genug an, um im September 2017 die Dreharbeiten für eine zweite Staffel zu starten.

Zusätzlich hat Amazon genrespezifische Kanäle eingeführt, die nach zwei kostenlosen Testwochen für 3,99 Euro im Monat gebucht werden können. Während ihr im Channel "Shudder" häufiger aufblitzende Äxte und spritzendes Blut zu Gesicht bekommt, gibt es in anderen Amazon Channels sportliche Events ("Eurosport Player", "sport1", "Edge Sport") oder Futter fürs Gehirn mit mit "GEO Television" oder "Zeit Akademie Selection".

Ein Manko gibt es jedoch: Die beiden Marktführer der Streaming-Branche bieten (zumindest in Deutschland) bisher keine 3D-Filme an. Zu den wenigen Möglichkeiten, Filme dreidimensional on demand abzurufen, zählen DailyMotion, YouTube und Videociety. Grund für die stockende Entwicklung sind vor allem die unterschiedlichen Technologien, die zur Visualisierung genutzt werden. Unterschiedliche, nicht kompatible Hardware (Brillen, TV-Geräte, Systemvoraussetzungen) erschweren ein standardisiertes Verfahren zur Ausstrahlung von 3D-Filmen auf dem heimischen Bildschirm.

Den Erfolg dieser populären Anbieter in Zahlen abzubilden ist relativ schwierig, denn sie lassen sich ungern in die Karten schauen. Eine Umfrage von Goldmedia (2000 Teilnehmer) will jedoch ermittelt haben, dass Amazon mit einem 32-prozentigen Marktanteil zumindest hierzulande das größte Stück vom Kuchen besitzt, Netflix bringt es gerade mal auf 17 Prozent. Wobei auch das im Hinblick auf die Anzahl der Nutzer nicht allzu wenig ist, denn über 40 Prozent der regelmäßigen Internet-User nutzen kostenpflichtige Video-on-Demand-Angebote.

Geoblocking: "Dieser Inhalt ist in ihrem Land nicht verfügbar"

Bedingt durch Regelungen zum urheberrechtlichen Schutz von Filmmaterial wird die Geoblocking-Technik dazu eingesetzt, Inhalte aus dem Internet zu sperren, wenn ihr euch im Ausland befindet und die Lizenz zum öffentlichen Vorführen der Filmproduktion nur innerhalb Deutschlands gilt. Für User, die über Ländergrenzen hinweg beruflich und privat in der Europäischen Union unterwegs sind, ist es ärgerlich, das bezahlte Abo gar nicht nutzen zu können. Das ändert sich jedoch zu Beginn 2018 mit dem Inkrafttreten eines Beschlusses der EU-Mitgliedsstaaten. SPD-Abgeordneter Thiemo Wölken sagte dazu: "Was bezahlt wird, muss auch geguckt werden."

Künftig darf auf dienstlichen Reisen oder im Urlaub also nach Herzenslust mit dem eigenen Abo weiter gestreamt werden, ohne Zusatzgebühren. Beim Zugriff auf Filme und Serien müssen die Anbieter demnach in Zukunft vom Wohnsitz des Abonnenten ausgehen, auch wenn sich dieser beispielsweise für zwei Wochen in Frankreich befindet. Im Grunde ist lediglich eine Umstellung der Geoblocking-Technik nötig, wobei das Urheberrecht dabei in keiner Weise angetastet wird.

Livestreaming: Mittendrin statt nur dabei

Im Gegensatz zum Video-Abruf bei Netflix und Co. geht die Faszination beim Livestreaming von der Übertragung in Echtzeit aus. Während die Live-Übertragung von Fernsehprogrammen relativ unspektakulär ist, lassen sich Pay-TV-Sender das Streamen von Sportevents wie zum Beispiel Boxkämpfen gut bezahlen. Für den Kampf Pacquiao gegen Mayweather ließ Sky seine sportbegeisterten Kunden beispielsweise tief in die Tasche greifen: 30 Euro mussten geblecht werden, um das Ereignis am heimischen TV-Gerät live mit zu verfolgen.

Auch der liebste Sport der Deutschen, das Fußball spielen, ist dem Livestreaming-Trend schon längst unterworfen worden: Die Zeiten des kostenlosen Zuschauens bei den Öffentlich-Rechtlichen sind passé. Wer jetzt noch Wert darauf legt, kein Spiel der Bundesliga zu verpassen, muss Abo-Kunde bei Sky oder Eurosport Player (fünf Spiele pro Saison) sein. Lediglich die Highlights der Spieltage strahlen ARD, ZDF und Sport 1 auch im Free-TV aus.

Solche Ausgangssituationen rufen Unmut hervor, der sich nicht selten in krimineller Energie manifestiert. Teilweise ohne sich der Strafbarkeit ihrer Handlungen bewusst zu sein, greifen Zuschauer – so geschehen bei Sportevents oder der populären Serie 'Game of Thrones' – auf Livestreaming-Apps zurück, um die ausgestrahlten Bilder Dritten kostenlos zugänglich zu machen. Besonders beliebt ist die App 'Periscope' von Twitter, die es problemlos möglich macht, eine Gruppe ausgewählter Personen oder gleich die allgemeine Öffentlichkeit an einer eigenen Liveübertragung teilhaben zu lassen. Daneben zählen auch Live.ly, YouNow, YouTube und Facebook zu gern genutzten Anbietern von kostenlosen Streaming-Tools.

Filmt und übertragt ihr allerdings etwas, für das eine kostenpflichtige Lizenz erforderlich ist, verstoßt ihr ganz eindeutig gegen das Urheberrechtsgesetz. Als Konsequenz könnt ihr dadurch zivilrechtlich oder sogar strafrechtlich verfolgt werden. Der § 106 des UrhG besagt: "Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Zu Gefängnisstrafen kommt es in der Praxis meistens nicht, aber es drohen Abmahnungen und einstweilige Verfügungen auf Unterlassung beziehungsweise Schadenersatzansprüche. So müsst ihr eventuell die Anwaltskosten des Urhebers bezahlen, wenn ihr nicht die Finger von illegalem Livestreaming lassen konntet.

Was dürft ihr also problemlos livestreamen? Ihr benötigt von allen eingeblendeten Personen eine Einverständniserklärung, um sicher zu sein, dass sich diese freiwillig filmen lassen. Es gibt jedoch drei Ausnahmen: Ihr dürft Personen des öffentlichen Lebens wie Schauspieler oder Politiker ungefragt im öffentlichen Raum filmen, ihr dürft bei Großveranstaltungen (Konzerten, Demonstrationen) livestreamen und wenn Menschen lediglich im Hintergrund durchs Bild laufen und nicht im Zentrum des Streams stehen, ist die Echtzeitübertragung rechtlich unbedenklich.

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