Science-Fiction-Ideen sind längst Realität

Erica, Nadine, Sophia: So sehen die besten humanoiden Roboter der Welt aus

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Gruselig oder innovativ? In puncto künstlicher Intelligenzen in Menschengestalt scheiden sich die Geister. Zu den bekanntesten Beispielen für fortgeschrittene A.I.-Technologie zählen Erica, Nadine und Sophie.

Unsere drei Beispiele für Androide sind nicht zufällig weiblich. Auch Cortana, Siri und Alexa sind künstliche Intelligenzen, die mit einer weiblichen Stimme ausgestattet wurden. Aber warum ist das eigentlich so? Gender-Forscher und Experten für Mensch-Maschine-Interaktionen tippen darauf, dass die hilfreichen Roboter, die selbst per se geschlechtslos sind, von ihren Entwicklern deswegen weiblich dargestellt werden, weil sie später Aufgaben ausführen sollen, die klassischerweise mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen Assistenzstellen, Sekretariats- und Verwaltungsaufgaben sowie Tätigkeiten im Kundenservice.

Weshalb sehen Roboter häufig wie Menschen aus?

Aus der Frage "Warum sind Roboter meistens weiblich" ergibt sich die grundlegende Frage: Warum überhaupt einen Androiden in Menschengestalt erschaffen? Weshalb darf der Roboter nach außen nicht so künstlich wirken, wie er/sie im Inneren ist? Schauen wir uns dazu zunächst Erica an, der von Professor Hiroshi Ishiguro, Forscher an der Osaka University "Leben" eingehaucht worden ist:

Obwohl Erica japanisch spricht und wir sie nur dank Untertitel verstehen, wirkt sie dennoch recht realistisch - ist laut ihres Erschaffers sogar verärgert, wenn man sich über sie lustig macht. Ishiguro verfolgt das ehrgeizige Ziel, Robotern ein Bewusstsein zu geben. Dafür gilt es herauszufinden, was die emotionale Bandbreite des Menschen denn ausmacht. Da Gefühle keiner offenkundigen Logik folgen, sondern unter anderem von Erinnerungen und Hormonen beeinflusst sind, ist das keine leichte Aufgabe.

Trotzdem arbeiten Forscher hartnäckig daran, die Humanoiden menschlicher zu machen. Lola Cañamero, A.I.-Spezialistin an der Universität von Hertforshire (UK) glaubt, dass das Erleben von Schmerzen und Vergnügen für Roboter aus denselben Gründen wichtig ist, wie für Menschen. Gefühle sichern das Überleben von autonomen Geschöpfen. Darüber hinaus bilden sie die Basis für soziale Interaktionen. Leichter als das Modellieren der menschlichen Gefühlswelt ist es, Gesichtsausdrücke zu ermöglichen und typische Verhaltensmuster menschlicher Kommunikation zu integrieren. Die menschenähnliche Gestaltung des Äußeren soll für Akzeptanz sorgen, doch das kann auch kontraproduktiv sein.

Uncanny Valley

"Uncanny Valley" (zu deutsch: Unheimliches Tal) ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit gruseligen Robotern häufig auftaucht. Er beschreibt das Phänomen, dass uns menschenähnliche Maschinen oft unheimlich sind.

Intelligente Maschinen mit Gruselfaktor

"Auch, wenn es schon früh in der Menschheitsgeschichte Versuche gab, möglichst realistische Abbilder unserer Selbst zu erzeugen, lehnen wir solche Kreaturen in der Realität eher ab. Häufig finden wir allzu menschliche Maschinen sogar unheimlich", meint die Psychologin Martina Mara in einem Interview gegenüber Techbook.

Die Unheimlichkeit entstehe an dem Punkt, an dem der Roboter probiere, den Menschen so perfekt wie möglich nachzuahmen, dies aber nicht ganz schaffe. Als Beispiel nennt Mara etwas verzögerte Wimpernschläge oder zu mechanisch wirkende Bewegungen, die dazu führen, dass die Akzeptanz der Figur dramatisch abnehme, weil wir sie nicht mehr eindeutig in eine Kategorie einordnen könnten, was wiederum Angst oder zumindest Unsicherheit erzeuge.

Roboter in Kindergestalt

Roboter in Kindergestalt (Osaka University).

(Yoshikazu Tsuno) AFP/Getty Images 

Chucky die Mörderpuppe

Chucky die Mörderpuppe ;)

MGM Studios 

Roboter in Kindergestalt

Roboter in Kindergestalt (Osaka University).

(Yoshikazu Tsuno) AFP/Getty Images 

Chucky die Mörderpuppe

Chucky die Mörderpuppe ;)

MGM Studios 

Menschliche Emotionen sind chaotisch

David Hanson, CEO von Hanson Robotics und Erschaffer der A.I. "Sophia", sieht in den limitierten Möglichkeiten von Gefühlsausdrücken, die den Roboter eben nicht zum perfekten Abbild machen, sogar einen Vorteil: "Menschliche Emotionen sind so chaotisch und Gesichter spiegeln so viele Informationen wider (…), dass ein Roboter ein sicherer Eintrittspunkt sein kann. Manche meiner Roboter wurden in der Autismus-Therapie benutzt – mit sehr positiven Resultaten."

Die fortschrittlichste von Hanson entwickelte K.I. trägt den Namen Sophia und machte durch diverse im TV ausgestrahlte Interviews auf sich aufmerksam. Als optische Vorlage soll Audrey Hepburn gedient haben. Uns erinnert Sophia jedoch mehr an den britischen Film Ex-Machina (Anm. d. Red.). Aber entscheidet selbst:

Nadine: Ein Abbild der Schöpferin

Neben Ishiguro, der vor Erica ebenfalls zunächst ein Abbild von sich schuf, verlieh auch Professorin Nadia Thalmann ihrem humanoiden Roboter ein Aussehen, für das sie selbst als Vorlage diente. Ihr Roboter "Nadine" ist – wie auch Erica und Sophia - auf Unterhaltungen mit einem menschlichen Gegenüber spezialisiert und das aus einem speziellen Grund, denn Ausgangspunkt für die Forschung Thalmanns war eine ganz persönliche Erfahrung: Als ihre Mutter ins Altersheim kam, machte es ihr zu schaffen, wie wenig Unterhaltung die Bewohner hatten und es kam ihr die Idee, dass ein humanoider Roboter hier aushelfen könnte.

Nadine, normalerweise in Singapur zu Hause, war bereits in Deutschland unterwegs, genauer gesagt im Heinz Nixdorf Museum in Paderborn, und hat sich dort mit Besuchern auf deutsch unterhalten. Der Konversationsroboter bezeichnet sich selbst als "global person" und beherrscht neben deutsch auch englisch.

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