Selbstoptimierung mit falschen Daten

Schlaflabor Smartphone: Alles nur Augenwischerei?

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Besser, gesünder und länger leben - der Digital Health Trend der letzten Jahre ist ungebrochen. Während sich gelaufene Kilometer oder verspeiste Kalorien relativ genau festhalten lassen, ist die Analyse unseres Schlafs mit dem Smartphone laut Experten recht weit hergeholt.

"Das ist Hokuspokus", meint Professor Ingo Fietze, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin, gegenüber mobilsicher.de und bezieht sich damit vor allem auf die von Sleep-Tracker-Apps mangelhaft erhobenen Daten. Zum Vergleich: In einem "echten" Schlaflabor können unter anderem die elektrischen Aktivitäten im Herzmuskel (EKG), elektrische Hirnströme und die Atmung überwacht werden. Entsprechende Apps können dagegen lediglich über einen Sensor des Smartphones Bewegungen wahrnehmen oder - ergänzt mit den Daten eines Fitnessarmbands - den Puls registrieren.

Was macht gesunden Schlaf aus?

Der integrierte Wecker stellt mittels Smart Alarm sicher, dass du in der richtigen Phase aufwachst. Dazu musst du nur dein Phone neben deinen Kopfpolster legen (funktioniert auch im Flugmodus) und schon kann’s losgehen.

Runtastic

Im Durchschnitt schlafen Menschen zwischen sieben und acht Stunden pro Nacht, am Wochenende tendenziell länger. Wer jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg nur wenige Stunden erholsamen Schlaf bekommt, ist irgendwann nicht mehr in der Lage, seine Energiereserven aufzufüllen. In der Folge kann es zu zahlreichen Problemen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen.

Von Bedeutung ist jedoch nicht nur die Länge des Schlafs, sondern auch die Qualität. Dafür ist wichtig, dass sich verschiedene Schlafphasen abwechseln. Unsere Träume finden überwiegend in der 'Rapid Eye Movement' Phase (REM) statt. Bei Erwachsenen machen diese Traumphasen ungefähr 20 bis 25 Prozent des Gesamtschlafes aus. Die REM-Phasen wechseln sich mit dem Tiefschlaf ab, indem wir kaum in der Lage sind, Umgebungsgeräusche wahrzunehmen. Kurze Wachzeiten sind übrigens vollkommen normal.

Apps und Wearables leisten nicht, was sie versprechen

In einem Test des WDR traten Schlaf-Apps und Wearables gegen detailliert erstellte Schlafprotokolle aus dem Labor an und konnten nur sehr unzureichend wichtige Werte erkennen. "Zwei der vier Smartphone-Apps haben die lange Wachphase in der Nacht tatsächlich korrekt erkannt. Doch kurze Wachzeiten, sogenannte Arousals, die bei jedem Menschen vorkommen, haben fast alle Apps nicht richtig erkannt", so Schlafmediziner Winfried J. Randerath.

Unterm Strich bedeutet das für User solcher Apps: Wenn ihr unter ernsthaften Schlafproblemen leidet, werden euch die Apps nicht helfen können, der Gang zum Arzt ist langfristig empfehlenswerter. Längere Wachphasen haben die Anwendungen allerdings meistens erkannt, so können also zumindest grobe Daten erhoben werden für alle, die sich aus reiner Neugier für ihre Schlafdauer interessieren.

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