Man nehme einen Projektor und Harz

3D-Druck - fast wie an Bord der Enterprise

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von Julius Zunker -

Druck aus Licht! Klingt wie Zukunftsmusik und trifft nicht ganz auf das zu, was der Prototyp eines neuen 3D-Druckers aus Kalifornien so leisten kann. Auf den ersten Blick aber scheint das von seinen Erschaffern liebevoll 'The Replicator' getaufte Gerät genau dies zu tun. Ein wenig mehr als nur Licht ist dann aber doch für den Druckvorgang von Nöten.

Seit den Tagen von Picard und Co. in 'Star Trek: The Next Generation' existieren Replikatoren in den kollektiven Vorstellungen und sind untrennbar mit dem Raumschiff Enterprise verbunden. Die Technologie, bei der scheinbar aus dem Nichts Materie erschaffen wird, mag wie pure Science-Fiction erscheinen. In Zeiten, in denen 3D-Drucker längst Standard geworden sind, scheint die Vorstellung greifbarer denn je. Der eben erst an der University of California in Berkley vorgestellte 3D-Drucker erinnert nun ziemlich stark an ein solches Gerät.

Drucken mit einem Videoprojektor

Zugegeben, es druckt nicht aus purer Energie, sondern aus lichtempfindlichem Harz, aber wir wollen mal nicht päpstlicher sein als der Papst. Der Clou des Geräts ist nämlich (zumindest auf den ersten Blick): Es wird alles auf einmal gedruckt und nicht - wie bei bisherigen 3D-Druckern - alles von unten nach oben und Schicht für Schicht. Möglich wird dies, dass der Drucker das empfindliche Harz in einem Behälter mit Licht bestrahlt, was schlicht mit einem Video des gewünschten Objekts möglich ist.

"Grundlegend haben wir einen alten Video-Projektor, den ich im wahrsten Sinne des Wortes von Zuhause mitgebracht habe. Den stöpselst du in einen Laptop und projizierst eine Reihe von berechneten Bildern, während ein Motor den Zylinder dreht, indem sich das 3D-Druck-Harz befindet. Klar gibt es noch eine Menge an Feinheiten - wie sich genau das Harz zusammensetzt und vor allem anderen, wie die Bilder berechnet werden müssen. Aber die Schwierigkeit eine einfache Art dieses Werkzeugs zu bauen, ist keine sonderlich hohe", so der Projektleiter Hayden Taylor 'TechCrunch' gegenüber.

CT-Scan als Inspiration

Auch wenn er es aus Markenrechtsgründen nicht tun sollte, bezeichnet Hayden sein Gerät tatsächlich als "Replicator". Die Rechte liegen übrigens nicht bei den Erben von Gene Rhodenberry, sondern beim Druckerhersteller MarkerBot. Wie das ein YouTube-Clip von 'natural video' vermittelt, wirkt es allerdings tatsächlich wie etwas aus Star Trek, wenn sich in dem Harzgefäß wie aus dem Nichts nach und nach ein komplettes Objekt "manifestiert". Für das Team aus Berkley war jedoch gar nicht die Enterprise-Technologie inspirierend, sondern vielmehr ein CT-Scanner.

Licht zum Drucken zu nutzen ist natürlich keine Neuerung. Laser und Drucken sind schon immer miteinander verbunden - gebündeltes Licht zum Härten oder Schneiden von Objekten einzusetzen, ist ebenfalls keine neue Errungenschaft. Aber bisher geschieht auch dies nur Schicht für Schicht. Im Fall von Taylors Erfindung wird ein Objekt in Scheiben gescannt und dann in Gänze gedruckt - also genau umgekehrt, wie beim inspirierenden Scanner.

Neue Möglichkeiten für den 3D-Druck

Da in "Umdrehungen" (des Harz-Zylinders) gedruckt wird, ist nicht nur die Geschwindigkeit beeindruckend. Objekte können so sehr glatt geschaffen werden (auch wenn dies im Prototypen bisher noch nicht ganz erkennbar ist). Zusätzlich lassen sich Formen und Tiefen schaffen, mit denen bisherige 3D-Drucker bislang ziemliche Probleme haben. Gedruckt werden kann sogar um bestehende Dinge herum. In einer Vorführung hat Haydens Team einem Schraubenzieher einfach einen neuen Griff "angedruckt".

Im Druckvorgang sollen zukünftig die unterschiedlichsten Harz-Mixe und Farben zum Einsatz kommen. Ungenutztes Harz kann einfach wieder verwendet werden. Bis allerdings die erhoffte Präzision erreicht ist, wird noch etwas Zeit vergehen. Die Marktreife sollte problemlos vor dem 24. Jahrhundert erreicht werden.

Quelle: techcrunch.com

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