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Angriff der Autowaschanlage – kurioser Hack weist auf Sicherheitslücken hin

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von Michael Springer -

Eine Fahrt in die Autowaschanlage gilt gemeinhin nicht als Ausflug in die Gefahrenzone. Wie jetzt amerikanische Sicherheitsforscher gezeigt haben, müssen wir diese Einschätzung in Zukunft vielleicht überdenken.

Technische Geräte internetfähig zu machen, hat viele Vorteile: Jederzeit kann der Zustand einer Maschine überprüft werden, Fehler lassen sich aus der Ferne diagnostizieren und manchmal sogar direkt beheben. Das Gerät kann Informationen sammeln und weiterleiten, die zur technischen Optimierung genutzt werden. Dass diese Technik auch dunklere Seiten hat, darauf weisen Experten immer wieder hin.

Tatwaffe Autowaschanlage

So werden sogar vermeintlich harmlose Autowaschanlagen zu Waffen. Zwei amerikanische Sicherheitsforscher haben in einem Experiment offenbart, wie das aussehen könnte: Sie haben sich – mit vorheriger Zustimmung des Betreibers – per Hack Zugang zum Kontrollsystem einer vollautomatischen Waschstraße, die mit dem Internet verbunden ist, verschafft. Das sei zum einen "Dank" eines nicht geänderten Standard-Passwortes möglich gewesen. Zum anderen gebe es aber auch eine Sicherheitslücke, die denselben Zugriff erlaube. Waschanlagen dieses Typs werden in den USA immer beliebter.

We believe this to be the first exploit of a connected device that causes the device to physically attack someone.

Sicherheitsforscher Billy Rios

Nachdem die Forscher die Steuerung übernommen hatten, konnten sie die Tore der Anlage auf Knopfdruck nach Belieben öffnen und schließen. Theoretisch hätten sie Fahrzeuge und Insassen so attackieren oder einsperren können. Weil die Steuerung beinahe ohne Verzögerung reagiere, seien gezielte Angriffe denkbar.

Auch über einen mechanischen Arm konnten sie die Kontrolle gewinnen – von Tests hielten sie aber Abstand, um die Technik nicht zu beschädigen. Nach Angaben der Forscher sei dies das erste Experiment, in dem es gelungen ist, ein internetfähiges Gerät so manipulieren, dass es sich zu physischen Angriffen missbrauchen ließe. Die Tore der Waschanlage seien zwar mit Lichtschranken gesichert gewesen, die ein solches Verhalten verhindert hätten – dieser Sicherheitsmechanismus habe sich aber einfach systemseitig außer Kraft setzen lassen.

Kurioser Hack, ernste Thematik

Natürlich animiert das Experiment eher zum Schmunzeln – dennoch offenbart es grundlegende Probleme und Gefahren. Was bei einer gehackten Autowaschanlage noch witzig anmutet, bekommt bei selbstfahrenden Autos oder Medizin-Robotern eine ganz andere Dimension. Welcher Schaden sich mit ihnen anrichten ließe, kann man sich leicht vorstellen. Technische Innovationen können uns das Leben erleichtern – aber sie können auch gefährlich werden. Das sollten wir bei aller Euphorie nicht so schnell vergessen.

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