Implantierte Chips statt Unterarm aus Chrom

Biohacking: Die echten Cyborgs haben Türöffner in der Hand

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von Julius Zunker -

Menschen, die sich Chips implantieren lassen um Türen zu öffnen oder Geräte zu steuern, sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Auch ist ein solcher Eingriff nichts mehr, was nur von Anhängern der "Body-Modification"-Szene betrieben wird. "Biohacking" hat Zukunft und ist ein Markt, dem ein immenses Wachstum prognostiziert wird - und der einige Überraschungen für künftige Cyborgs parat hält.

Mit dem Begriff "Cyborg" verbinden die meisten instinktiv einen chromglänzenden Gesetzeshüter a la Robocop oder Terminator. Per Definition ist ein Cyborg jedoch ein Mensch, dessen Körper mit künstlichen Bauteilen erweitert oder ersetzt wurde. Dass diese nun tatsächlich aus Chrom sind oder gar, wie in den Rollenspielen 'Shadowrun' oder 'Cyberpunk 2020' per Kabel an etwaige zu lenkende Objekte angeschlossen werden müssen, ist in Zeiten von NFC, Wifi und Nanotechnologie mehr als unwahrscheinlich.

Biohacking-Chips als Tür-Öffner

Schon jetzt tragen Haus- und Nutztiere implantierte Chips, mit denen sich Türen öffnen lassen oder in automatisierten Landwirtschaftsbetrieben sogar Futter zugeteilt wird. Mehr und mehr Menschen tun es ihnen gleich: Sie lassen sich Chips implantieren, mit denen sich elektronische Schlösser öffnen lassen. 'Bloomberg Businessweek' sprach mit so einem "Cyborg" - dem Hamburger Patrick Kramer.

Kramer hat in seiner Hand eine auf Chip abgelegte Business-Karte und einen ebensolchen "Schlüssel" eingesetzt. Die Business-Karte in seiner Hand ist für den Unternehmer nicht nur ein Marketing-Gag. Kramer ist CEO von 'Digiwell' einem Startup für "Bodyhacking" - einem Vorgang, bei dem digitale Technologien in menschliche Körper implantiert werden. Laut seinen Aussagen hat er schon über 2.000 Chips implantiert.

Was kann man sich unter Cyberware vorstellen?

Es sind mittlerweile nicht nur Chips, die sich Menschen einsetzen lassen. 'Businessweek' hat einige interessante Beispiele für existente "Cyberware" aufgetan: Ein Tänzerin aus Spanien, deren Arm auf globale seismische Aktivitäten reagiert, einen Iren, der Farben hören kann und einen US-Amerikaner, der ein cybernetisches Sex-Toy entworfen hat. Diese drei sind nur einige von vielen Beispielen für einen noch stark von DIY-Motivation getrieben Markt der Zukunft.

Trotz aller Entwürfe von Privatpersonen und Vorstößen von kleinen Start-Ups sind längst schon die ganz Großen auf dem Biohacking-Markt aktiv. Tesla-Gründer Elon Musk hat vergangenes Jahr mit seinem Unternehmen 'Neuralink' versprochen, eine menschlich-digitale Schnittstelle zu schaffen - also eine direkte Verbindung zwischen Mensch, Computer und Internet. Und funktionelle Prothesen lassen sich mittlerweile mit Gehirnsignalen steuern.

Biohacking: Mehr Chance oder eher Gefahr?

Doch diese großartigen Entwicklungen bergen auch Gefahren. Genau wie Smartphones und Computer könnten sich die meisten Implantate hacken lassen. In Zeiten von digitaler Kriminalität und Kriegsführung eine absolute Horror-Vorstellung. Ein defektes Gadget oder Gerät lässt sich einfach wegwerfen oder abschalten, doch ein mit schadhafter Software belegter Chip in der Hand muss erst operativ entfernt werden - und über einen gehackten Neuralink möchte man erst gar nicht nachdenken.

Probleme und Fragen, auf welche die Branche standhafte Antworten finden müssen, damit die Vorteile einer gewissen Skepsis überwiegen.

Quelle: bloomberg.com

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