Gute Erziehung oder Gängelei?

Bitte, danke, guten Tag: Seid nett zu Alexa - wegen der Kinder

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Mit Alexa und Co. gehen wir ja eher schroff um. Kein "Bitte", kein "Danke": Wir sagen, was wir wollen, erteilen Kommandos im Akkord. Wie sich herausstellt, ist das schlecht für die Entwicklung von Kindern, die sich den zackigen Befehlston schon im Alltag angewöhnen. Die fiktive KI 'Eliza' von der Uni Bremen lässt das nicht mit sich machen - und reagiert nur, wenn man nett ist. Ein Zukunftsmodell?

Alexa, mach das Licht aus. Cortana, den Wetterbericht für übermorgen. Und bald: OK Google, reserviere für morgen einen Tisch für zwei in Luigis Lasagneland - merkt ihr was? Genau. Kein "Bitte", kein "Danke", gegenüber Sprachassistenten haben wir uns einen ziemlichen Befehlston angewöhnt. Und warum auch eigentlich nicht, könnte man jetzt denken. Die KIs von Amazon, Google und Microsoft haben schließlich keine Gefühle, die man durch Mangel an Höflichkeit verletzten könnte. Wird ein Befehl verstanden, wird er stoisch ausgeführt, so einfach ist das.

Sagt Hallo zu 'Eliza'. Die von der Uni Bremen für ein Experiment konzipierte Sprachassistenz ist mit einem kleinen, aber feinen Unterschied zu gängigen Elektro-Butlern entworfen worden: Eliza verweigert den Gehorsam, wenn die Anfragen nicht Knigge-konform sind. Warum? Weil es offenbar ernste Bedenken gibt, dass Nutzer auch im zwischenmenschlichen Miteinander verrohen, wenn sie Alexa gegenüber einen zackigen Befehlston an den Tag legen. Insbesondere Kinder seien gefährdet, wie schon Gummi Hafsteinsson, Produktchef für den Google Assistant, kürzlich festgestellt hat:

Tu dies, tu das, mach mir ein Sandwich

"Ein Freund von mir postete jüngst auf Facebook, dass seine Kinder anfangen ihn anzuschreien mit 'Tu dies, tu das, mach mir ein Sandwich', weil sie im Umgang mit Assistenten lernen, dass das okay ist." Das sei ein Problem, dessen sie sich annehmen müssten.

Eliza, bist du behindert?

Vor diesem Hintergrund macht ein Höflichkeitsmodus sicher mehr Sinn - davon waren zunächst auch die Teilnehmer des Experiments überzeugt: "Niemand aus der Gruppe hat die Regeln zurückgewiesen oder den Versuch abgebrochen." Die Probanden hätten den Tadeln der KI gehorcht und ihre Anfragen im Zweifel umformuliert. Nur einer sei ausgeschert: "Obwohl er schließlich einlenkte, hatte er Eliza anfangs bedroht und sie gefragt, ob sie 'behindert' sei."

Als die Forscher ihn hinterher dazu befragten, habe er entgegnet, er würde die Authorität "dieses Metallteils" nicht akzeptieren. Es gebe ja schließlich eine natürliche hierachische Struktur. Womöglich ein Zeitgenosse, der auch im Alltag eine Nervensäge ist. Allerdings: Auch viele andere Teilnehmer hätten im Nachgang Zweifel an der ungewöhnlichen Idee geäußert: Ein bereitwillig Höflicher etwa hätte später angemerkt, "das würde nur alles verzögern."

Gerade bei Erwachsenen Usern ist der Grat zwischen Erziehung und Gängelung sicher schmal. Ein an- und abschaltbarer 'Knigge-Modus' wäre aber vielleicht ein gangbarer Mittelweg. Gerade, wenn es den ganz jungen KI-Nutzern bei der Entwicklung hilft.

Wie steht ihr dazu? Sollte Alexa eure Playlist künftig nur noch abspielen, wenn ihr artig "Danke" und "Bitte" sagt?

Quelle: Google Watch Blog

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