Aufspüren von Fake News

Munich Bot Challenge: "War das Mensch oder Maschine?"

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Algorithmen sind in der Lage durch das gezielte Streuen von Unwahrheiten in sozialen Netzwerken die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Um das zukünftig zu verhindern - wohl auch im Hinblick auf die Bundestagswahl - hat das Munich Center for Internet Research (MCIR) die Bot Challenge ausgerufen. Wer das beste Erkennungssystem für Fake News entwickelt, erhält ein Preisgeld von 10.000 Euro.

Im Hauptwettbewerb der Munich Bot Challenge geht es darum, dass die Teilnehmer Bot-Erkennungssysteme entwickeln, um so viele Bots wie möglich auf Basis einer vorher definierten Liste von User-Konten auf der Twitter-Plattform zu identifizieren. Im Zentrum der Wettbewerbsausschreibung steht die Frage: "Ist diese Information ernstzunehmen oder ein Manipulationsversuch?"

Wissenschaftlichen Studien zufolge sind allein auf Twitter rund neun bis 15% aller Nutzerprofile Social Bots. Social Bots stellen also einen wachsenden und ernstzunehmenden Treiber im Prozess öffentlicher Meinungsbildung im Internet dar.

Munich Bot Challenge

Besonders im Hinblick auf die Wahl von Repräsentanten des Volkes auf Regierungsebene können von Socialbots gezielt gestreute Botschaften die Wahrnehmung der Wähler beeinflussen. Zu dem bisher bekanntesten Beispiel zählt die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Mit Hilfe von Big-Data-Analysen und dem richtigen Algorithmus agieren Roboter auf Facebook und Twitter wie echte Nutzer und versuchen empfängliche Community-Mitglieder zu beeinflussen.

Wenn am 24. September 2017 die Bundestagswahl stattfindet, gilt es, den richtigen Kandidaten auszuwählen, der die Geschicke der Bundesrepublik künftig leiten soll. Wir sind gespannt, ob es auch hierzulande zu einem Socialbot-Skandal im Vorfeld der Wahl kommen wird. Wie beeinflussbar sind deutsche User? Verlockend wird ihr Einsatz für Parteien vor allem dadurch, dass die Methode, obwohl moralisch bedenklich, nicht illegal und relativ günstig im Vergleich zu herkömmlicher Wahlwerbung ist.

Experten halten den Einfluss von Socialbots für überschätzt

Während das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) davor warnt, dass eine Manipulation der Herbstwahlen durch Bots möglich sei, sieht Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs, die Angelegenheit entspannter. Bisher gebe es nur eine geringe Anzahl von Beispielen für die tatsächliche Einflussnahme solcher Algorithmen. Wichtiger als die Panikmache sei es, die Medienkompetenz der Bürger zu schulen, damit diese besser in der Lage sind Internetquellen zu beurteilen.

Ähnlich sieht das auch Alexander Sander, Vorsitzender des Vereins 'Digitale Gesellschaft'. Von Bedeutung sei vor allem die Fähigkeit Fake-News und Wahlkampf-Bots zu erkennen, was gar nicht so schwierig sei. Häufig seien diese mangelhaft programmiert und leicht erkennbar. Daher dürfe man ihre Rolle nicht überbewerten.

Sag uns deine Meinung!