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Bundestrojaner: BKA will WhatsApp noch dieses Jahr knacken

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von Michael Springer -

Vor wenigen Wochen hat der Bundestag den Einsatz von sogenannten "Bundestrojanern" beschlossen. Weil die Software, die dem Bundeskriminalamt (BKA) momentan zur Verfügung steht, zu wenig draufhat, wird fiebrig an einer besseren Variante gearbeitet.

Die Version 1.0 des vom BKA selbst entwickelten Trojaners (namens Remote Communication Interception Software, kurz RCIS) dürfte kaum einem Kriminellen schlaflose Nächte bereiten. Mit ihr können die Ermittler offenbar nur in Skype schnüffeln – und das auch nur auf Windows-Systemen. Auf Smartphones oder Messenger-Apps kann der Trojaner nicht zugreifen, was seinen Praxisnutzen erheblich einschränkt.

Bundestrojaner rüstet auf

Das dürfte sich bald ändern. Laut internen Dokumenten aus dem Bundesinnenministerium, die netzpolitik.org veröffentlicht hat, arbeitet das BKA an einer Version 2.0 der Software, die einiges mehr auf dem Kasten haben soll. Der überarbeitete Trojaner wird demnach neben Windows-Computern auch Android-, iOS- und Blackberry-Smartphones infizieren können. Er soll noch bis zum Ende dieses Jahres fertiggestellt werden.

Bundestrojaner soll Nachrichten mitschneiden, noch bevor sie verschickt werden.

Besondere Bedeutung kommt der Möglichkeit zu, bei Messenger-Diensten wie WhatsApp und Telegram mitlesen zu können. Weil die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung solcher Apps offenbar kaum zu knacken ist, lassen sich die Nachrichten nicht bei der Übermittlung "abfangen". Stattdessen soll der Bundestrojaner die getippten Nachrichten auf Systemebene mitschneiden, also noch bevor sie überhaupt verschickt werden. Wie das technisch funktionieren soll, darüber verrät der Bericht nichts.

Im Juni hatte der Bundestag beschlossen, dass die Ermittlungsbehörden solche Trojaner bei der Aufklärung von Straftaten einsetzen dürfen. Allerdings ist das nur in Fällen erlaubt, die rechtlich als "schwere Straftaten" definiert werden, etwa Mord und Totschlag, aber auch Kinderpornographie oder Betrug. Viele IT-Firmen äußerten jedoch Sicherheitsbedenken – der Trojaner könne mehr Probleme schaffen, als er löse. Auch Bürgerrechtler kritisierten den Schritt.

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