Die passende Wurst zu eurem Gesicht

Cool? Das schlauste Kühlregal der Welt weiß, was ihr kaufen wollt

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Ein Kühlregal im Supermarkt, das euch das perfekte Produkt anzeigt? In den USA wird ein solch KI-befeuerter Kühler gerade getestet. Nachdem euer Gesicht, eure Augen und Einkäufe gescannt wurden, bekommt ihr den vermeintlich am besten zu euch passenden Einkaufsartikel eingeblendet - und Markt und Marketer bekommen wertvolle Daten.

Schon mal in den Supermarkt gegangen und plötzlich nicht mehr gewusst, was ihr einkaufen wolltet? Also mir passiert das ständig. Oft hilft da nur ein Blick die diversen bunten Prospekte, die meist in Bodennähe durch den Markt flattern oder zerknüllt in den Einkaufswagen herumkullern. Als Inspiration, sozusagen. Oder man irrt planlos durch die Regale und hofft dort auf eine Eingebung. Ein beschämender Vorgang und irgendwie ziellos. Allerdings auch einer, der in naher Zukunft womöglich ein Ende hat: Erste Versuche mit Kühlregalen, die auf den Kunden zugeschnittene Produktvorschläge und Werbeanzeigen einblenden, werden in diesem Moment durchgeführt.

Bei Walgreens wird das Gesicht fürs Marketing gescannt

'Cooler Screens' nennen sich die High-Tech-Kühlschränke, die momentan in einer Filiale der US-amerikanischen Apothekenkette 'Walgreens' einem Test unter echten Bedingungen unterzogen werden. Aus der Sicht eines Kunden kann man sich das Einkaufserlebnis in etwa so vorstellen: Sobald man sich vor dem schlauen Regal befindet, scannt eine Kamera den Inhalt eures Einkaufswagens und euer Gesicht. Ersteres, um euer bisheriges Einkaufsverhalten kennenzulernen, letztgenanntes, um euer Alter und Geschlecht zu bestimmen.

Sogar eure Augenbewegungen werden per Iris-Scan verfolgt.

Sogar eure Augenbewegungen werden per Iris-Scan verfolgt - dem Gerät entgeht also definitiv nicht, wenn ihr heimlich auf den Schokopudding schielt. Auf dieser Grundlage blendet euch der KI-Kühler dann Produktvorschläge und Anzeigen von teilnehmenden Werbepartnern ein.

Das alles klingt zunächst einmal furchtbar gruselig - unweigerlich denken viele jetzt sicherlich an wenig erbauliche Zukunftsszenarien à la 'Minority Report'. Insofern gibt es an dieser Stelle eine kleine Entwarnung: Die in diesem konkreten Fall zum Einsatz gebrachte Software identifiziert Kunden nicht, sie schätzt anhand gewisser Parameter - Augenabstand, Abstand zwischen Nase und Oberlippe und so weiter - lediglich demografische Daten. Das jedenfalls schreibt 'The Atlantic'. Auch schreibt Cooler Screens in den eigenen Datenschutzrichtlinien, dass Videos und Bilder nicht für weitere Zwecke gespeichert werden.

Cooler Screens: Zu cool für Europa?

Der denkbare Nutzen für Shops und Marken ist allerdings auch ohne eindeutige Identifizierung enorm, besonders in Sachen Marktforschung und Markenkommunikation. Denn andere Daten wiederum werden sehr wohl gespeichert und an Partner weitergegeben: Zeigt unsere auf eine ganz konkrete Zielgruppe abgestimmte Kampagne Wirkung? Mögen eher junge Männer unser Produkt? Oder vielleicht Frauen, die bereits Kochschinken eingekauft haben?

Auf diese und ähnliche Fragen gibt es sofort Antworten, in Echtzeit und in ausreichender Zahl. Ob hiesige Datenschützer all das, ähem, "cool" finden, darf sicherlich bezweifelt werden. Die Marktreife für den europäischen Markt ist also noch in weiter Ferne. In den Staaten allerdings sieht es etwas anders aus: In New York und San Francisco sind schon die nächsten Testläufe angesetzt.

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