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Geld spielt scheinbar keine Rolle

Das meistverkaufte Tech-Produkt 2017 sollte uns zu denken geben

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von Benjamin Krämer -

iPhone-Käufer waren 2017 in bester Gesellschaft. Apples Hauptprodukt drang im vergangenen Jahr aufgrund der Einführung von gleich zwei neuen Modellen und trotz einer besorgniserregenden Preispolitik in schwindelerregende Höhen vor. Das sollte uns zu denken geben.

Ich gebe es zu: iPhone 8, iPhone X - ich verstehe nicht einmal den Sinn der Einführung zweier so gut wie identischer Geräte innerhalb von zwei Tagen. Gut, das iPhone X (übrigens laut Apple 'iPhone ten' gesprochen) kommt statt Home-Button mit FaceID daher und kostet zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels 1100 Euro statt knapp 700. FaceID funktioniert derweil nur mäßig was die Sicherheit betrifft (wir berichteten), für die das Feature ja gedacht war und das Modell X ist auch noch das teuerste Smartphone überhaupt. Trotzdem hängte Apple die Konkurrenz im letzten Jahr meilenweit ab: 233 Millionen iPhones wurden verkauft - absolute Spitze in der Techwelt. Auf Platz zwei folgt abgeschlagen Samsung mit 33 Millionen verkauften Galaxys und dahinter Amazon mit 24 Millionen EchoDots.

iPhone X: 'iWant' und 'iWant it now'!

Apple verkaufte 2017 rund 7 mal so viele Smartphones wie Hauptkonkurrent Samsung

1100 Euro für ein Smartphone, das laut einschlägiger Tech-Seiten keinen echten technologischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat und in der Herstellung unter 300 Dollar kostet, wie kolportiert wurde. Die Tatsache, dass ein Unternehmen mit dieser Preispolitik durchkommt, kann man auf vielerlei Arten lesen: negative Gemüter dürften mit Fug und Recht sagen, dass das dreist sei. Positiver Gemüter könnten ebenso zu Recht anmerken, dass Apple es sich leisten kann, weil sie Produkte schaffen, die einen Nerv treffen und so auf ihr Hauptprodukt fixiert sind, dass sie ohne das iPhone gar nicht überleben können.

Besorgniserregend ist für mich aber die Tatsache, dass Kunden nicht einmal abwarten, um auf Preisaktionen oder Nachlässe zu schielen. Die Kultur des iWant gibt vor, das neuste Apfelprodukt sofort haben zu müssen. Vielleicht hilft da auch Apples nachgewiesenes Vorgehen, ältere Modelle bewusst auszubremsen? Ein Schelm, wer böses denkt.

Die Konkurrenz müht sich ab, Apple kassiert

Bevor mir jemand unterstellt, ich sei einer jener Apple-Hater: Ich besitze selbst ein iPhone (Modell 4), sehe dennoch die Vorteile offenerer Systeme wie Android und ärgere mich regelmäßig über Apples Firmen- und Preispolitik. Ich will nicht mitmachen beim Kundenmelken und sehe auch, dass unterschätzte Konkurrenten wie Huawei oder Honor gute Arbeit abliefern und zwar zu einem Bruchteil der Preise.

Offenbar gibt es auch gute Entwickler, die nicht 75 Prozent Marge abgreifen wollen und die sollten eine Chance bekommen in der allgemeinen iPhone-Hysterie. Nochmal: 1100 Euro für ein Smartphone - das ist der Preis für einen starken Desktop-PC, einen Roller, 9 Jahre Netflix, ein High-End Notebook - selbst Gebrauchtwagen bekommt man schon für dieses Geld. Dabei ist die Technologie ausgereift und sollte dementsprechend eigentlich günstiger werden.

Solange wir als Kunden aber schreiend die Arme ausstrecken, sobald Tim Cook eine Keynote hält, sind wir selbst schuld, wenn wir ordentlich zur Kasse gebeten werden. Also gilt: Augen offen halten am Smartphone-Markt - er ist groß und günstig (wenn man denn will) und bietet eben am oberen Ende das iPhone als gutes Produkt im hohen Preissegment. Als solches kann man es auch anerkennen, ohne es als unbedingtes Lifestyle-Produkt zu überhöhen, denn am Ende ist es eben 'nur' ein gutes Smartphone und davon gibt es einige.

Und weil es so lustig ist, gibt es hier noch mal den FaceID-Fail von der offiziellen Präsentation des neuen Features als Video:

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