5-Jahres-Studie von der Uni Würzburg

Der Roboter, dein Feind oder Helfer? Ablehnung in Europa steigt

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von Julius Zunker -

Sind Roboter Fluch oder Segen? Missbrauchen sie uns eines Tages als Batterien wie in 'Matrix' oder bomben sie uns als globale Bedrohung einfach aus der Existenz wie in den 'Terminator'-Filmen? Zwei Wissenschaftler haben sich über fünf Jahre mit der Aufnahmebereitschaft der Europäer Robotern gegenüber beschäftigt - und stellen steigende Ablehnung fest.

Roboter werden mehr und mehr Teil unseres Alltags. Was vor Jahren noch als Science-Fiction galt, ist längst schon Realität geworden. Saugroboter kümmern sich in unseren Wohnungen und Büros um staubfreie Böden, in autonomen Fertigungsanlagen löten sie rund um die Uhr Dinge für uns zusammen oder sie servieren uns Burger und Fritten. Dennoch fällt es uns schwer zu akzeptieren, dass Roboter uns immer näher kommen - zu diesem Ergebnis kommen zumindest zwei deutschsprachige Psychologen.

Gefährden Roboter Arbeitsplätze?

Timo Gnambs von der Johannes Kepler Universität in Linz und Markus Appel von der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg arbeiten beide im Bereich Psychologie. Sie sehen uns am Rande der Roboter-Ära. Mit der fortschreitenden Automatisierung nehmen sie aber auch einen zunehmenden Skeptizismus wahr. In der monatlichen Fachzeitschrift 'Computers in Human Behavior' haben sie in über fünf Jahren gesammelte Befragungen Roboter betreffend ausgewertet. Ihr Ergebnis: Roboter werden immer kritischer aufgenommen.

Besonders am Arbeitsplatz macht sich Ablehnung gegen Roboter breit. Daran ist keineswegs eine drohende Vernichtung all unserer Lebensgrundlagen durch Skynet und Konsorten Schuld, sondern schlicht die simple Angst wegrationalisiert zu werden. Der Grund für die steigende Ablehnung ist auch der Umstand, dass die Gefahr für den eigenen Job durch Automatisierung verstärkt in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Dennoch kommen Gnambs und Appel zu dem Ergebnis: Roboter am Arbeitsplatz werden eher positiv denn negativ bewertet.

Putzroboter: ja - Medibot: nein

In ihrer Auswertung der Interviews mit über 80.000 Befragten aus 27 europäischen Ländern stellen sie viel mehr fest, dass es die konkrete Vorstellung vom Aufgabenfelds eines Roboters ist, die den Menschen Angst macht. Zunächst führten sie den Interview-Partnern vor, wie Roboter, ganz allgemein, den Alltag verbessern könnten - eben als Putzkraft oder im Einsatz an Orten, die für keinen Menschen zugänglich wären. Hier waren die Reaktion durchwegs positiv.

Sobald aber medizinische Operationen, selbstfahrende Automobile oder ähnliche Konzepte zur Sprache kamen, desto stärker wuchs die Skepsis. Die beiden Wissenschaftler sehen darin einen Beleg dafür, dass je wahrscheinlicher ein direkter Kontakt mit Robotern bestehen könnte, die Ablehnung dieser zunimmt - und je konkreter das Konzept eines Roboters wird, desto unheimlicher wird er den meisten Menschen. Dabei sind Europäer Robotern gegenüber im weltweiten Vergleich positiv eingestellt. Auch zeichnet sich ab, dass Männer sich eher mit Robotern abfinden können als Frauen.

In ihrer Studie zeigt sich ein weiterer Trend: Je wahrscheinlicher der Einsatz von Robotern im Alltag wird, desto höher wird die Ablehnung. Für die Industrie und Forschung wird hier ein deutliches Signal gesendet. Gelingt es nicht ein positiveres Bild zu zeichnen, sind Finanzierungen konkreter Konzepte der Robotik in Gefahr und Umsetzungen für den Massenmarkt zum Scheitern verurteilt.

Quelle: Uni Würzburg

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