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Die interessantesten Bloggerinnen 2017 – ohne Mode, Beauty, Food [Kommentar]

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Laut Schätzungen von Bloggern und Wikipedia existieren zwischen 200.000 und 300.000 Blogs allein in Deutschland. Davon werden einige von weiblichen Online-Schreiberlingen betrieben, die sich vielfach mit den Themen Ernährung, Fashion und Schönheitstipps auseinandersetzen. Aber es muss doch auch fernab dieser "typischen" Topics aktive Bloggerinnen geben?

Ich streife gern durchs Internet, gleichzeitig ist es als Online-Redakteurin sogar mein Job - umso besser. Manchmal gezielt, manchmal intuitiv, klicke ich mich durch die digitale Welt und interessiere mich dafür, wer da so seine Gedanken in Form von Blogbeiträgen auf die virtuelle Reise schickt. Für die Fragestellung "Welche sind die interessantesten Bloggerinnen?" fällt eins recht schnell auf: Meine schreibenden Geschlechtsgenossinnen begeistern sich sehr auffällig für Mode, Beauty und Food. Darunter sehr schön gestaltete und durchaus informative, tagebuchartige Webauftritte.

Nun verbringe ich so viel Zeit online, dass ich den typischen Trend-Themen ein wenig überdrüssig bin. Es muss doch auch Bloggerinnen geben, die etwas anderes interessant finden? Auf meinen bisherigen Recherche-Streifzügen habe ich drei Schmankerl für euch entdeckt, die einen Klick wert sind:

Nr. 1: Unterwegs mit bunterwegs.com

Paste-Up

... heißt so viel wie künstlerische Plakatierung. Da Plakate entfernt werden können, wird diese Form der Street Art weniger scharf geahndet als Graffitis.

Bunterwegs.com ist ein "Outdoorblog (für Frauen) mit Liebe zum Wandern & zur Street Art". Dabei geht Bloggerin Jessie Fröde, die sich künstlerisch als Illustratorin, "Urban Artist" und Grafik-Designerin austobt, einen recht ungewöhnlichen Weg: Sie geht von Hamburg - zu Fuß! - über den Landweg bis nach Nepal und verschönert auf dem Weg dahin einige urbane Zwischenstationen mit Wandmalereien und Paste-Ups.

Den Alltag entschleunigen und "back to basic" mit sehr minimalistischen Besitztümern im Rucksack unterwegs sein - keine leichte Aufgabe! Mittlerweile ist Jessie seit über 160 Tagen wandernder Weise auf dem Weg und berichtete zuletzt von Plovdiv, einem ihrer Liebligsorte in Bulgarien. Obwohl manche Blogbeiträge leider recht kurz ausfallen, sind häufig einige schöne Fotos dabei. Daneben findet ihr einige grundlegende Tipps zum Thema Wandern, Fitness und Nachhaltigkeit. Das Fernwanderungsprojekt ist allerdings nicht rein aus privater Leidenschaft entstanden - die Monetarisierung ist schon recht auffällig - aber wen der ein oder andere Hinweis auf Newsletter, Ebooks, Sponsored Posts oder Outdoor-Produkte nicht stört, der kann sich von bunterwegs.com inspirieren lassen.

Nr. 2: Poetry Slam vom Feinsten

Die zweite Bloggerin, die ich euch vorstellen möchte, hat ebenfalls ein ganz besonderes Talent: Als Slam Poetin hat Nhi Le schon diverse Preise abgeräumt (unter anderem den Karl-Marx-Poesie-Preis 2014) und arbeitet nebenbei auch als Moderatorin, Speakerin und Model. Und das immer gerne für einen guten Zweck: Als Teil einer Kampagne gegen Alltagsrassismus, gegen Hatespeech oder für sexuelle Aufklärung.

Geflasht hat mich persönlich an ihrem Blog der Bereich "Poetry Slam". Hier hat Nhi Le Video-Mitschnitte ihrer Auftritte veröffentlicht, die Lust darauf machen, ihr weiter zuzuhören, weil sie, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen, wichtige gesellschaftliche Themen gekonnt humoristisch transportiert. Sie ist übrigens mittlerweile so bekannt, dass sie sogar auf der re:publica dieses Jahr als Speakerin zum Thema "Sexuelle Aufklärung im Netz" auftrat. Neben den interessanten Inhalten hat mir auf nhi-le.de vor allem die aufgeräumte und gut lesbare Webseite gefallen - ein Punkt, dem viele Blogger trotz Wix, Jimdo und Co. leider immer noch zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Nr. 3: Ein Leben à la Film Noir

Kommen wir zur mysteriösen Nummer 3. Diese bloggt auf Englisch und nennt sich selbst "Mothmouth", was übersetzt so viel wie "Mottenmund" bedeutet. Vielleicht ahnt ihr es jetzt bereits - die junge Dame hat einen Hang zur dunklen Seite mit Freude an "allen makabren Dingen". Die Blogbeiträge über ihren Alltag sind mit allerlei Schwarz-Weiß-Fotografien gespickt und die Texte muten zum Teil poetisch-düster an. Mothmouth setzt sich selbst gekonnt als eine Art tragische Romanfigur in Szene. Obwohl ich mich selbst eher als Mainstream betrachte und weniger als Goth-Fan, gewinnt man beim Stöbern durch die Einträge ein Gefühl für das, was diese Subkultur so reizvoll macht.

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