KIs im Krankenzimmer

Diese drei neuen KI-Meilensteine hat niemand mitbekommen

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Über die nahende KI-Revolution, die in letzter Zeit in aller Munde ist, braucht man sich eigentlich gar nicht mehr erschöpfen - Techseiten und Experten überschlagen sich geradezu mit Prognosen. Dabei geht allerdings unter, wie schnell der Fortschritt tatsächlich schon voranschreitet: Allein im letzten Monat gab es gleich drei aufsehenerregende Meilensteine, die geknackt wurden.

Hand auf's Herz: Wer an die viel beschworene KI-Revolution denkt, hat automatisch Roboter, selbstfahrende Autos und all die Zukunftsvisionen im Kopf, die uns seit Erfindung der Science Fiction begleiten. Dinge aus der Zukunft eben, die auch genau dort stattfinden - in der Zukunft. Dabei hat die Revolution längst begonnen, mit immer neuen Meilensteinen, die geknackt werden. Dazu gehören große Schritte wie die erste KI, die sich ein Spiel ohne menschliche Hilfe beibringen konnte ('AlphaGo Zero') oder gleich selbstständig Computerspiele entwickelt und programmiert. Verständlicherweise lesen sich solche Schlagzeilen eher nebenbei und die Tragweite der damit verbundenen Konsequenzen ist eher einem kleinen Tech-Publikum auf Anhieb klar. Es gibt aber auch Ausnahmen, die zeigen, wie rasant KIs unsere Welt erobern. Beispiel gefällig? Hier sind drei Meilensteine, die allein im vergangenen Monat in der Medizin erreicht wurden.

Der erste lizenzierte Robo-Arzt

Menschen sitzen an einem grünen Tisch neben einem Roboter

Xiaoyi bestand den Test deutlich besser, als er gemusst hätte.  

Quelle: (Screenshot / CCTV+) YouTube.com

Menschen sitzen an einem grünen Tisch neben einem Roboter

Xiaoyi bestand den Test deutlich besser, als er gemusst hätte.  

Quelle: (Screenshot / CCTV+) YouTube.com

Den Anfang macht China mit dem ersten KI-gesteuerten Roboter der Welt, der eine Arztprüfung bestanden hat. Die erforderliche Mindestpunktzahl von 360, die menschliche Medizin-Absolventen erreichen müssten, schaffte 'Xiaoyi' locker mit 456 Punkten. Seine Entwickler, die chinesische Techfirma 'iFlytek' und die Universität Tsinghua, nutzten Methoden des Deep Learning, um ihrer KI anhand von medizinischen Fachbüchern, Klinik-Guides und Patientenakten so viel Wissen zu vermitteln wie möglich. Das Ergebnis ist, dass 'Xiaoyi' offiziell den Anforderungen an Ärzte gerecht wird, die auf die Bevölkerung losgelassen werden können.

KI ist der bessere Radiologe

Der nächste Meilenstein wurde an der Universität Stanford erreicht und zwar nur eine Woche nach der Nachricht aus China. Forscher erschufen mit dem Algorithmus 'CheXNet' ein Programm, das auf die Diagnose von Lungenentzündungen und 13 weiteren Krankheiten spezialisiert ist. Durch die Analyse von über 100.000 Röntgenaufnahmen konnte 'CheXNet' eindeutiger und schneller Lungenentzündungen diagnostizieren als die vier besten Radiologen des medizinischen Zweiges der renommierten Stanford University. Wenn wir uns vor Augen halten, dass diese Professoren ein mehrjähriges Studium und viele Jahre Berufserfahrung auf ihrer Seite hatten und die KI bloß wenige Wochen benötigte, um sie zu überholen, wird das Ausmaß dieses Meilensteins deutlich.

NVIDIA kann nicht nur Grafikkarten

NVIDIA ist nicht nur Grafik-Spitzenreiter, sondern in der Weltspitze der KI-Forschung vertreten

NVIDIA ist Spitzenreiter bei Grafikchips, die uns Hits wie 'The Witcher 3' und 'Assassin's Creed: Origins' auf die Bildschirme zaubern. Was viele nicht wissen ist, dass NVIDIA auch einer der weltweit führenden KI-Entwickler ist. Erst kürzlich gaben sie bekannt, sich mit 'GE Healthcare' zusammenzutun, einer Tochter des weltgrößten Energiekonzerns 'General Electric'. GE Healthcare besitzt über eine halbe Million medizinischer Geräte, die auf dem gesamten Globus eingesetzt werden. NVIDIA hingegen schreibt KIs für diese Geräte und zwar an vorderster Innovationsfront. Der Meilenstein daran ist, dass die Firma damit ab sofort Zugriff auf den größten medizinischen Datensatz in der KI-Geschichte zugreifen kann. Die Wissensfortschritte der künstlichen NVIDIA-Gehirne dürften in den nächsten Monaten also beträchtlich sein.

Die Geschwindigkeit des Fortschritts wird noch immer unterschätzt

Vielleicht liegt es daran, dass keine der einzelnen Entwicklungen eine sofortige Auswirkung auf unseren Alltag hat, aber fest steht: Wir sprechen zwar über neue 'Wows' und 'Oohs', wenn wir die Schlagzeilen lesen, erkennen aber die potentiellen Konsequenzen nicht. Der Grund dafür ist unter anderem, dass die Geschwindigkeit, mit der KIs seit Einführung des 'Machine Learning' selbstständig lernen können, unglaublich viel schneller ist als bei uns Menschen. Sie machen keine Pausen und 'denken' weitaus schneller. Aktuelle Computer rechnen mehrere Millionen(!) Male schneller als ein Gehirn. Bei jeder neuen KI-News sollten wir uns deshalb klar machen, dass es sich wahrscheinlich um Initialzündungen handelt, die sehr schnell zu Flächenbränden anwachsen, die unseren gesamten Alltag erfassen werden. Welche Konsequenzen das letztendlich haben wird, ist allerdings noch völlig unklar.

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