Solo und Sabotage: KI baut eigene Kurzclips

Diese KI macht berühmte Musikvideos und Film-Trailer nach

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Take on Me, KI: Dem Künstler Mario Klingemann ist es gelungen, einem Computerprogramm das Kopieren von Musikvideos und Filmtrailern beizubringen. Ganz ohne Zutun eines menschlichen Assistenten hat die künstliche Intelligenz unter anderem den Clip zu 'Sabotage' von den 'Beastie Boys' neu zusammengesetzt. Und selbst den Trailer zum neuen Solo-Film hat die KI in die Mangel genommen.

In maximal fünf Minuten Aufmerksamkeit schaffen, einen Spannungsbogen erzeugen, Lust auf mehr machen, eine kurze Geschichte erzählen oder sie zumindest andeuten: In einem guten Trailer oder Musikvideo stecken unzählige Stunden Arbeit, Blut, Schweiß und Tränen. Oder? Offenbar nicht immer. Mario Klingemann, Künstler, KI-Kenner und derzeit bei Google Arts & Culture beschäftigt, hat genau diese Aufgabe seiner selbst entwickelten KI anvertraut. Mit verblüffenden Ergebnissen.

Trailer und Musikclips: Herausforderung für Mensch und Maschine

Klingemann hat die künstliche Intelligenz eigenen Angaben zufolge mit über 400 unterschiedlichen Videoclips und über 10 Millionen Einzelbildern trainiert und ihr dann populäre Musikvideos und Trailer vorgesetzt. Die Vorgabe: Erschaffe ein Video im exakt selben Stil. Was selbst für Menschen mit Gespür für Inszenierung alles andere als trivial ist, stellt Maschinen vor eine denkbar komplexe Herausforderung. Der Bildinhalt muss erkannt und reproduziert werden, Farbwahl sowie Stimmung sollten passen und die Schnitte an den richtigen Stellen sitzen. Klingemanns Programm bekommt all das aber erstaunlich gut hin, wie ihr in der "Roboterversion" von 'Sabotage' von den 'Beastie Boys' sehen könnt:

Schnitte, Stimmung, Tempo: Alles auf den Punkt, nur nicht der Plot

Die in dem Originalclip erzählte 70er-Jahre-Gaunergeschichte vermag die KI zwar nicht nachzuerzählen. Auf den Punkt getroffen hat sie aber die Retro-Stimmung und das Tempo in den verschiedenen Szenen. Besonders stolz ist Klingemann zudem darauf, wie präzise seine KI die Schnitte setzt. Diese lasse sich mittlerweile nämlich nicht mehr durch Überblendungen, Blitzlichter oder schnelle Actionszenen hinters Licht führen, schreibt er. Den Trailer des von der Kritik eher mäßig aufgenommenen 'Solo: A Star Wars Story' hat die Maschine ebenfalls neu interpretiert:

Auch hier sitzen die Schnitte, und besonders die häufig wechselnde Lichtstimmung reproduziert die KI präzise. Kurios: Offenbar erkennt die Maschine in dem Trailer eine mehr als zweifelhafte Ästhetik - anders ist der wiederholte Auftritt eines gewissen Schnauzbart-Trägers wohl nicht zu erklären. Weitere Videos findet ihr übrigens auf Mario Klingemanns YouTube-Channel, die zum Teil allerdings leider mit einer Ländersperre versehen sind. Um dennoch in den Genuss der Robo-Version von 'Cheri Cheri Lady' zu kommen, empfiehlt sich die Installation einer VPN-App wie dieser hier.

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