Früherkennung und Prävention

Digital Health: Gesunderhaltung statt Therapie

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Im Gesundheits- und Fitness-Sektor bildet sich seit dem Wunsch nach Selbst-Monitoring ein Trend heraus, der für viel Diskussionsstoff sorgt – nicht zuletzt durch das eHealth-Gesetz. Diverse Startups bieten durch Apps und Wearables Möglichkeiten zur Prävention von Zivilisationskrankheiten und krempeln einen Markt um, der konventionell eher auf Therapie ausgerichtet ist.

Fit bleiben, sich wohl fühlen und gesund bleiben bis ins hohe Alter – diese Dinge werden zunehmend selbst in die eigene Hand genommen. Allerlei innovative Gadgets und digitale Entwicklungen bieten die Möglichkeit, zahlreiche Indikatoren unseres Gesundheitszustandes selbst zu überprüfen: Blutdruck, Puls, Ausdauer, Kalorienverbrauch, Blutwerte, Schlafdauer oder Fertilität.

Durch das Inkrafttreten des eHealth-Gesetzes Mitte 2018 kommen auch Ärzte und Kliniken nicht mehr um die Aufgabe herum, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen. Was bietet die Gesundheitskarte, die zukünftig die komplette Krankenakte eines Patienten in digitaler Form enthält, für Möglichkeiten? Möchte oder sollte man sogar mit Startups zusammenarbeiten? Ist zum Beispiel die Verbindung meiner Fitness-App-Analysen mit meiner Gesundheitskarte sinnvoll oder stellt sie lediglich eine Aufweichung der Privatsphäre dar?

"Man kann sich nicht nur auf die alten Geschäftsmodelle fokussieren, sondern muss auch nachdenken, was die Zukunft bringt und was die Digitalisierung verändern wird: Geschäftsmodelle über die Pille hinaus – was kann sie ersetzen oder vervollständigen?", fragt Alexander Hoffmann, Head of New Businesses von Merck Ventures, in einem Gespräch mit Forbes Austria.

Digitale Biomarker als Frühwarnsystem

Hoffmann ist vorrangig an digitalen Therapien interessiert, die durch Apps unterstützt werden können. Ebenfalls spannend sei der Bereich der digitalen Biomarker. Was zunächst etwas paradox klingt, ist gar nicht abwegig, denn gemeint sind zum Beispiel Stimmaufzeichnungen oder Daten über die allgemeine Bewegung im Alltag, die erste Hinweise auf psychologische Probleme, Alzheimer oder den Krankheitsverlauf bei Muskelschwund sein können.

Erst vor Kurzem haben wir euch beispielsweise 'Woebot' vorgestellt. Ein Chatbot, entwickelt von Forschern der Standford University, der über den Facebook Messenger mit euch kommunizieren kann und euch durch kognitive Verhaltenstherapie beim "glücklicher-sein" assistiert. In der Bildergalerie haben wir einige interessante Ansätze aus App-Schmieden für euch zusammengestellt:

Woebot Chatverlauf

'Woebot' verhilft euch mit kognitiver Verhaltenstherapie zu einem glücklicheren Leben.

(Screenshot)  Woebot Labs 

M-sense Screenshot

Die M-Sense App analysiert Ursachen für Migräne.

(Screenshot) 

Humanoo Fitness-App

Humanoo Fitness-App: Breites Angebot aus Workout-Übungen, Rezepten und Live-Trainings.

(Screenshot) 

Runtastic Apps im Playstore

Runtastic: Zahlreiche Apps und hauseigene Fitnesstracker unterstützen Ausdauer- und Kraftsport.

(Screenshot)  Google Playstore 

Lifegraph Infografik des Systems

Lifegraph: KI soll ein Abgleiten in schwere depressive/manische Phasen verhindern.

 Lifegraph 

Lose It! App im Einsatz

Per Foto erkennt die Lose It! App, was ihr auf dem Teller habt und errechnet die Kalorien.

(Pressekit)  FitNow Inc. 

Woebot Chatverlauf

'Woebot' verhilft euch mit kognitiver Verhaltenstherapie zu einem glücklicheren Leben.

(Screenshot)  Woebot Labs 

M-sense Screenshot

Die M-Sense App analysiert Ursachen für Migräne.

(Screenshot) 

Humanoo Fitness-App

Humanoo Fitness-App: Breites Angebot aus Workout-Übungen, Rezepten und Live-Trainings.

(Screenshot) 

Runtastic Apps im Playstore

Runtastic: Zahlreiche Apps und hauseigene Fitnesstracker unterstützen Ausdauer- und Kraftsport.

(Screenshot)  Google Playstore 

Lifegraph Infografik des Systems

Lifegraph: KI soll ein Abgleiten in schwere depressive/manische Phasen verhindern.

 Lifegraph 

Lose It! App im Einsatz

Per Foto erkennt die Lose It! App, was ihr auf dem Teller habt und errechnet die Kalorien.

(Pressekit)  FitNow Inc. 

Mehr Infos zu den Apps findet ihr in den folgenden Artikeln, direkt hier auf Netz.de:

"Gesundheitscloud ermöglicht Selbstbestimmung über medizinische Daten"

Entgegen häufig aufkeimender Sorgen um die Sicherheit der Patienten-Daten sieht das Hasso-Plattner-Institut (HPI) dem Big-Data-Trend im Gesundheitswesen positiv entgegen. IT-Experten der Potsdamer Forschungseinrichtung arbeiten aktuell an einer Gesundheitscloud in Form einer gemeinnützigen, patientenzentrierten Plattform. Kommerziellen Modellen würde das notwendige Vertrauen darin fehlen, dass Daten nicht zweckentfremdet werden.

"Die Digitalisierung des Gesundheitssystems und die Etablierung einer Gesundheitscloud eröffnet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten", so HPI-Direktor Professor Christoph Meinel. So könnten durch die lückenlos gespeicherte Patientenhistorie Zusammenhänge aufgedeckt werden und eine präzisere Therapie erfolgen. Die Nutzer sollen allein über ihre Gesundheitsdaten verfügen und von einer sicheren Cloud-Architektur profitieren können. Komplett uneigennützig ist das Ganze jedoch nicht: Patienten können auf freiwilliger Basis einen ausgewählten Teil ihrer Daten in anonymisierter Form für Forschungszwecke zur Verfügung stellen.

(@die_spoent_wohl)
Kundenbedürfnisse überholen traditionelle Branche

Dieser (global betrachtet verspätete) Umbruch hin zur Digitalisierung in der Gesundheitsbranche erinnert mich stark an FinTech-Startups. Im Finanzsektor geht genau dasselbe vor sich: Junge Unternehmen bieten den Kunden online komfortable Lösungen an, um ihr Geld zu verwalten, anzulegen oder zu transferieren und die deutschen Großbanken machen sich als Technologie-Spätzünder Sorgen um ihr Stück vom Kuchen. Kein Wunder, dass zunehmend Kooperationen mit Startups angestrebt werden, um noch halbwegs up to date zu bleiben.

Hier erfährst du mehr über: Gesundheit

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