Nur kurz Symptome googeln...

Dr. Google: Mehrheit von Selbstdiagnose eher verunsichert

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von Michael Springer -

Kopfschmerzen, belegte Zunge, flauer Magen: Viele Menschen tippen ihre Beschwerden in eine Suchmaschine ein und hoffen herauszufinden, was ihrem Körper so zusetzt. In den meisten Fällen sind sie danach aber nicht schlauer als vorher, wie eine Umfrage festgestellt hat.

Künstliche Intelligenzen erkennen Brustkrebs mittlerweile zuverlässiger als Spezialisten. Computer können Ärzte bei ihrer Arbeit unterstützen, Computer können aber auch die Ursache für gesundheitliche Probleme sein. Klar ist: Technik und Gesundheit lassen sich nicht mehr trennen. So probieren sich heute beispielsweise immer mehr Menschen an der Selbstdiagnose per Suchmaschine - offenbar mit eher bescheidenen Resultaten.

Zwei Drittel können Informationen aus dem Netz nur schwer einschätzen

In einer Umfrage, die der 'Tagesspiegel' gemeinsam mit der Krankenkasse 'DAK' durchführte, gaben 84 Prozent der Befragten an, ihr Hausarzt sei in Gesundheitsfragen weiterhin ihr Ansprechpartner Nummer eins. Das klingt zunächst gut, bedeutet aber auch, dass immerhin 16 Prozent sich lieber anderweitig informieren. "Dr. Google" kommt dabei eher ergänzend zum Einsatz: 64 Prozent nutzen Suchmaschinen, um im Netz weitere Informationen zu Krankheiten und Symptomen zu finden.

Medizinische Informationen im Netz

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) rät dazu, besonders in das Impressum entsprechender Seiten zu schauen. Ist ein Betreiber genannt? Sind kommerzielle Interessen zu erkennen? Außerdem sollten Nutzer darauf achten, ob Behauptungen belegt werden oder ob eine Webseite bestimmte Gütesiegel vorweisen kann. Weitere Hinweise findet ihr im umfangreichen Leitfaden des IQWiG.

Das Problem: Rund zwei Drittel der Befragten gestanden, die Vertrauenswürdigkeit der online gefundenen Informationen kaum einschätzen zu können. Denn die Beurteilung wird von verschiedenen Faktoren erschwert: Einige Seiten verzerren die Darstellung etwa, um ihre eigenen Produkte und Therapien an den Mann zu bringen. Dasselbe gilt für Ansätze alternativer Medizin, die dazu die Methoden der Schulmedizin in ein schlechtes Licht rücken wollen. Lobby- und Pharmainteressen, schlechte Recherche und schlichte Falschinformationen sorgen für weitere Verwirrung. Eine unabhängige, verlässliche Gesundheitsberatung - im Internet nur schwer zu bekommen.

Darüber hinaus ist eine hohe Platzierung bei Google nicht unbedingt ein Indiz für Qualität. "Es ist eher so, dass derjenige, der am lautesten schreit oder Anzeigen bei Google zahlt, weit vorne gelistet ist", sagt Erik Bodendieck, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer. Wer Symptome googelt, könne dadurch sogar verunsichert werden: "Dann werden schon mal schnell Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit als Symptome einer Hirnblutung ausgewiesen, die eigentliche Ursache ist aber in den meisten Fällen eine Erkältung."

Quelle: Tagesspiegel

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