Revolution im Kampf gegen die Tropenkrankheit?

Drohnen über Sansibar: Luftschlag gegen die Malariamücke

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Der Malariamücke auf Sansibar geht es jetzt mit Luftunterstützung an den Kragen: Mit einer handelsüblichen Drohne scannen Forscher in kürzester Zeit riesige Flächen auf der von der schlimmen Krankheit geplagten Insel. Bodenteams können damit so gezielt wie nie zuvor gegen die Larven der krankheitsübertragenden Insekten vorgehen.

Die tödliche Krankheit Malaria ist in Afrika noch immer ein Riesenproblem. Südlich der Sahara ist die Bedrohung am größten: Bleibt der Parasit im menschlichen Körper unerkannt, stirbt der Infizierte in einem von fünf Fällen. Kinder unter fünf Jahren sind davon leider besonders häufig betroffen. Auch trotz einiger Erfolge waren Forscher bislang weit davon entfernt, der Krankheit Herr zu werden. Ein Grund dafür ist der Überträger: die in warmen, feuchten Klimazonen billionenfach vorkommende Malariamücke 'Anopheles', die sich unkontrolliert vermehrt und den Parasiten bei einer Blutmahlzeit an den Menschen weitergibt.

Drohne macht Malaria-Kampf einfach wie nie

Die Zwickmühle: Insektengifte, die Mücken schon im Larvenstadium töten und somit die Ausbreitung der Krankheit aufhalten sollen, sind zwar überaus wirkungsvoll, aber auch sehr teuer. Für eine großflächige Verteilung des Mittels fehlen Zeit und Ressourcen. Ein ehrgeiziges Forschungsprojekt soll dieses bislang unüberwindbare Hindernis bei der Bekämpfung des Blutsaugers aus dem Weg räumen: Mittels einer handelsüblichen Drohne wollen Forscher der Aberystwyth University aus Wales gezielt potenzielle Brutstätten der Malariamücke auf der Insel Sansibar ausfindig machen, schon bevor die Insekten schlüpfen.

30 Hektar in 20 Minuten.

Für ihre Aufklärungsmission scannt die Drohne bekannte Hotspots, wie etwa Reisfelder, und sendet detaillierte geografische Daten an das Team. Dieses wiederum kann nun gezielt die aufgespürten Wasserflächen aufsuchen, in denen die Larven heranwachsen, und das teure Gift punktgenau verteilen. Laut den Forschern kann eine Drohne 30 Hektar Fläche in nur 20 Minuten kartografieren, ausgewertet werden könne das Material noch am selben Tag - all das mit der 'Phantom 3' von DJI, einer herkömmlichen Drohne für den Privatgebrauch.

Drohnen-Projekt: Überzeugungsarbeit wegen Kriegs-Assoziation

Momentan arbeiten die Forscher außerdem an einer Methode, die Drohnen mit den Smartphones der Bodenteams zu verbinden. Dadurch könnten sie noch effizienter zu Werke gehen und etwa bereits präparierte Wasserstellen kennzeichnen. Sogar eine vollautomatisierte Drohne sei in Planung, die die Larven nach dem Aufspüren des Wasserstelle eigenhändig abtöten kann. Bevor ihr Kampf gegen Malaria so richtig losgehen kann, haben die Forscher aber noch einige Hürden zu überwinden. In Sansibar stoßen Drohnen wegen ihrer unheilvollen Assoziation mit dem Militär und ihrer möglichen Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem auf wenig Gegenliebe. Hier sei also noch Überzeugungsarbeit zu leisten, sagen die Forscher.

Quelle: The Conversation

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