Digitales Trio fürs Staatsfernsehen

Eine KI als Nachrichtensprecherin - Chinas digitaler News-Hattrick

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von Julius Zunker -

Nachrichtensprecher verleihen einer Sendung im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, oftmals auch Charakter. Sie werden zum Aushängeschild, zum Symbolträger einer Sendung. In China müssen sie, nicht erst seit heute, um ihre Jobs bangen: Eine KI arbeitet daran, sie arbeitslos zu machen.

Nachrichtensprecher verleihen einer Sendung im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, oftmals auch Charakter. Sie werden zum Aushängeschild, zum Symbolträger einer Sendung. In China müssen sie, nicht erst seit heute, um ihre Jobs bangen: Eine KI arbeitet daran, sie arbeitslos zu machen.

'Xinhau', die staatliche Nachrichtenagentur der Volksrepublik China, präsentierte am Donnerstag den bereits dritten, rein digitalen Nachrichtensprecher. In diesem Falle eine Nachrichtensprecherin - auch wenn man sich die Frage stellen muss, ob sich eine künstliche Intelligenz ihrem menschlich vorbestimmten Geschlecht bewusst ist. Xin Xiaomeng heißt die neuste Mitarbeiterin des Moderation-Teams. Wenn sie auch nur aus Bits und Bytes bestehen mag, so ist sie bei Xinhau kein Einzelfall. Ihre beiden männlichen Kollegen sind ebenfalls künstliche Intelligenzen.

Keine Arbeit für die Maske

Entwickelt wurde sie in Zusammenarbeit von 'Xinhua' und dem chinesischen Google-Pendant, dem Suchmaschinen-Unternehmen 'Sogou'. Wer die computerisierte Journalistin nicht genau betrachtet, wird tatsächlich nur schwer erkennen, dass es sich bei ihr nicht um einen Menschen aus Fleisch und Blut handelt. Zwar ist sie stets perfekt geschminkt und frisiert - eine Eigenschaft, die sie mit menschlichen Nachrichtensprechern teilt -, verraten wird sie jedoch eigentlich nur durch einen etwas steifen Ausdruck in der Gesichtsmuskulatur. Abseits davon blinzelt sie, fährt sich hin und wieder durch die Strähnen. Ganz so, wie ein menschlicher Moderator eben. Als Vorbild diente die menschliche Moderatorin Qu Meng. Xin Xiaomengs Entwickler haben sich in Aussehen und Stimme stark an ihr orientiert.

Ein Upgrade für den KI-Kollegen

Auf Twitter wandte sich Xin Xiaomeng an die Welt. In chinesischer Sprache samt englischer Untertitel begrüßte sie ihre Zuschauer mit: "Hallo an alle, die zuschauen." Zudem verkündete sie ihre Rolle als Fernsehsprecherin des alljährlichen Parteitreffens im März. Dort wird sie gemeinsam mit ihren beiden Digital-Kollegen die gesamte Konferenz abdecken. Zusätzlich verkündete Xin Xiaomeng noch ein Upgrade für ihren Kollegen Xin Xiahao.

Xiahao hat in diesem eine komplette Litanei an erweiterter Körpersprache erhalten und muss nun nicht mehr nur ständig während seiner Moderation sitzen, sondern wird nun im Stehen Nachrichten verkünden. Dieser Umstand scheint Xiahao ziemlich zu begeistern: "Fortan, anstatt hinter dem Schreibtisch zu arbeiten, werde ich von nun an vor dem Schreibtisch Nachrichten verlesen", so das chinesisch-digitale Gegenstück zu Claus Kleber in einem Twitter-Video.

"Vor dem Schreibtisch stehend kann ich mehr mit meinen Händen gestikulieren und mehr Gesichtsausdrücke zeigen. Und ich habe nun meinen eigenen Namen: Xin Xiahao. Dank dieses Upgrades werde ich ein besserer Nachrichtensprecher sein."

Die perfekte Moderation

Ganz, wie es von einer KI zu erwarten ist, ohne Stotterer oder Versprecher auf dem Teleprompter lieferten Xiaomeng und Xiahao ihre Moderation routiniert ab. Zum Abschluss versprach Xiaomeng noch, in allen Belangen eine bessere Nachrichtensprecherin zu sein. Irgendwie aber erscheint die Aussicht auf eine perfekte Moderation traurig, sind es doch grade die unvollkommenen Momente, die emotionalen Ausbrüche, die Versprecher und daraus resultierenden Lacher, die menschlichen Noten der schon so oft roboterhaft wirkenden Moderatoren, die sie unvergesslich machen. Ron Burgundy jedenfalls wäre nicht begeistert.

Quelle: https://www.thenational.ae/arts-culture/china-has-unveiled-its-first-female-ai-news-anchor-1.828533

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