Wortwahl gibt Aufschluss über den Zustand

Forscher können jetzt Depressionen anhand von Facebook-Profilen vorhersagen

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Wer auf Facebook besonders oft ganz bestimmte Wörter verwendet, leidet möglicherweise unter Depressionen - das wollen Forscher jetzt herausgefunden haben. Der von ihnen entwickelte Algorithmus soll aufgrund dieser Annahme so zuverlässig diagnostizieren, wie herkömmliche medizinische Verfahren.

Dass soziale Medien wie Facebook nicht immer gut für die mentale Gesundheit sind, hört man immer wieder. Schließlich laden die meisten User nur ihre Alltags-Highlights oder Bilder vom Jahresurlaub hoch. Im Feed entsteht so ziemlich schnell der Eindruck, dass das eigene Leben vergleichsweise öde ist - Nährboden für negative Gedanken aller Art. Wie sich herausstellt, macht Facebook seine Nutzer aber keinesfalls nur missmutig. Das soziale Netzwerk kann offenbar auch herangezogen werden, um Depressionen sehr frühzeitig zu erkennen.

Depressionen auf Instagram

Auch die Wahl der Filter auf Instagram sagt etwas über eure mentale Stabilität aus. So nutzen Depressive auffällig häufig Schwarz-Weiß-Filter, wie letztes Jahr bekannt wurde.

Denn nicht alle Nutzer verwenden Facebook auf die oben beschriebene Art: Viele drücken auf subtile Weise aus, wie schlecht es ihnen geht - auch, wenn sie es selbst möglicherweise gar nicht merken. Forscher haben sich dieses Phänomen jetzt zunutze gemacht und einen Algorithmus entworfen, der nur anhand der Wortwahl von Nutzern vorhersagen kann, ob bei ihnen in Zukunft eine Depression diagnostiziert wird.

Krankenhaus, Hass, Tränen: Wer häufig diese und ähnliche Ausdrücke auf Facebook verwendet, könnte unter Depressionen leiden.

Quelle: (Johannes C. Eichstaedt et al.)  PNAS 

Krankenhaus, Hass, Tränen: Wer häufig diese und ähnliche Ausdrücke auf Facebook verwendet, könnte unter Depressionen leiden.  

Quelle: (Johannes C. Eichstaedt et al.)  PNAS 

Depressive verwenden bestimmte Wörter besonders oft

Offenbar sind fünf Wortgruppen mit jeweils mehreren Begriffen besonders treffsichere Indikatoren für gefährdete Personen. "Vermissen" ist eines dieser Wörter, "Tränen", "Schmerz", aber erstaunlicherweise auch Ausdrücke wie "besser" und "jetzt". Auch wer sich häufig auf sich selbst bezieht, also oft das Personalpronomen "Ich" verwendet, ist laut der Studie möglicherweise depressiv. Insgesamt 524,292 Facebook-Updates mehrerer hundert Nutzer hatten die Forscher untersucht, viele davon waren hinterher mit einer Depression diagnostiziert worden.

Laut den Forschern ist der Algorithmus erstaunlich akkurat. Ist der User auf dem sozialen Netzwerk ausreichend aktiv, seien die Vorhersagen genauso zuverlässig, wie medizinische Diagnoseverfahren. In Fällen, in denen der Algorithmus ausschließlich Daten der letzten sechs Monate vor einer Diagnose verwendet hatte, sei der Algorithmus sogar herkömmlichen Diagnose-Methoden überlegen gewesen. Es braucht also offensichtlich nicht erst einen Terminator um festzustellen: Die sozialen Medien können Depressionen nicht nur begünstigen, sondern offenbar auch bei einer frühen Diagnose und somit der Behandlung helfen.

Quelle: Science Daily

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