Roboter Steuern mit dem Gehirn

Gehirn an Roboter: Reich mir mal das Wasser

Geschätzte Lesezeit: ca. 5 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Roboter finden in der Tech-Welt immer mehr Beachtung, weil sich Technologien rasant weiterentwickelt und immer neue Einsatzgebiete für intelligente Maschinen aufgetan werden. Doch dabei dreht sich immer alles um die Frage, wie wir uns an Roboter anpassen können - das MIT hat diese Frage umgedreht und arbeitet daran, dass Roboter sich uns anpassen.

Roboter bauen Autos, nähen unsere Kleidung, fräsen die Möbelstücke, die in unseren Wohnungen stehen, und sollen in Zukunft gar Aufgaben wie Alten- und Krankenpflege übernehmen. Darüber hinaus können sie bereits als Freunde, Psychotherapeuten oder gar Partner auftreten - all das wird nicht nur diskutiert, sondern aktuell entwickelt. Roboter haben sogar schon angefangen, Burger für uns zu braten und zwar in einem vollautomatisierten Restaurant in San Francisco. Die Hysterie um Roboter geht sogar so weit, dass Saudi Arabien einen Roboter der Firma Hanson Robotics (die ein wenig wie die schurkische Firma eines Science-Fiction-Thrillers klingt) einbürgerte - natürlich sehr PR-wirksam und mit viel Tam-Tam.

Was von der Öffentlichkeit mit viel Sorge, Begeisterung oder Unglauben aufgenommen wurde, haben Experten allerdings als Schmarrn abgetan, der lediglich dazu dienen sollte, Saudi Arabien und der Firma Hanson Robotics ein wenig Kameralicht zu spendieren. Wie auch immer der Auftritt zu bewerten ist, zeigt sich jedoch, dass die Frage im Raum zu stehen scheint: "Wie passen wir uns in Zukunft an Roboter an, die uns im Alltag begegnen?"

MIT: Wie können sich Roboter an uns anpassen

Robotergesicht vor blauem Hintergrund

Der Roboter 'Sophia' von Hanson Robotics wurde weltberühmt, als Saudi Arabien ihn medienwirksam einbürgerte - ein PR-Gag.  

Quelle: (Screenshot / Tech Insider)  Youtube.com 

Robotergesicht vor blauem Hintergrund

Der Roboter 'Sophia' von Hanson Robotics wurde weltberühmt, als Saudi Arabien ihn medienwirksam einbürgerte - ein PR-Gag.  

Quelle: (Screenshot / Tech Insider)  Youtube.com 

Die Elite-Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT), die als eine der besten Ingenieurs-Kaderschmieden gilt, hat es umgedreht und sich die Frage gestellt, wie sich Roboter an uns gewöhnen könnten. Ganz ähnlich der Armbandsteuerung für Computer, die euch per Gedankenimpulsen eure Maus steuern lässt, geht es den MIT-Forschern darum, Roboter zu einer Art verlängertem Arm zu machen. Sie stellten eine Steuermethode vor, mit der Nutzer über die Bewegungen ihrer Arme und Hände und die Gedanken ihrer Gehirne Roboterarme steuern können. Das geht so weit, dass die Roboter eine Bohrmaschine benutzen, dessen Handgriffe von einem Menschen stammen.

Dieser Ansatz soll die Steuerung von Maschinen intuitiver und leichter machen, weil wir einfach nur normale Bewegungen durchführen, die ein Roboter für uns ausführt. Bisherige Forschungsansätze arbeiten daran, dass die metallischen Helfer lernen, unsere Sprache und Kommunikation im Allgemeinen besser zu entschlüsseln und zu interpretieren, um richtig mit uns zu interagieren. Da das menschliche Miteinander aber so komplex ist, hakt es hier regelmäßig in den Forschungslaboren.

Eingreifen nur bei Fehlern

Sobald wir sehen, dass der Roboter einen Fehler macht, hält er inne und wir können eingreifen - ohne Zeitverlust, weil der Roboter direkt Signale unseres Gehirns empfängt.

Das klingt erst einmal anstrengend. Jeden Handgriff, den der Roboter machen soll, müssen wir in der Luft mit unseren eigenen Händen machen. Da können wir das auch gleich selbst erledigen, möchte man meinen. Doch das Team vom MIT hat einen anderen, viel clevereren Weg gewählt: Wir greifen nur ein, wenn wir einen Fehler bemerken. Im aktuellen Stadium haben die bedienenden Menschen eine Elektrodenhaube auf dem Kopf, über die Hirnsignale gemessen werden. Konkret geht es um sogenannte 'ErrPs' ('error-related potentials'), also solche Aktivitäten in unserem Gehirn die anzeigen, dass wir gerade einen Fehler wahrnehmen (ja, das kann man heute bereits messen).

Tritt ein solcher ErrP auf, unterbricht der Roboter seine Aufgabe - der wir bisher nur zugesehen haben - und wir können nun unsere Hand benutzen, um mit unseren Gesten die Handgriffe zu korrigieren. Ziel des Projekts ist es also eher, dass wir zum Aufseher unseres arbeitenden Roboters werden, bis er ein Level erreicht hat, dass er uns wirksam helfen oder uns in vielen Dingen ersetzen kann.

Baxter regelt das - zu 97 Prozent

Weiblicher Roboter hält Tablett in der Hand

"Was soll ich tun, Dave?" - Das Projekt des MIT dreht die Fragestellung in die richtige Richtung um. Denn bisher mussten sich Menschen immer fragen, was sie tun müssen, um vom Roboter verstanden zu werden.  

Quelle: (Digital Storm)  Shutterstock.com 

Weiblicher Roboter hält Tablett in der Hand

"Was soll ich tun, Dave?" - Das Projekt des MIT dreht die Fragestellung in die richtige Richtung um. Denn bisher mussten sich Menschen immer fragen, was sie tun müssen, um vom Roboter verstanden zu werden.  

Quelle: (Digital Storm)  Shutterstock.com 

In einem konkreten Versuch setzten die MIT-Forscher ihren Roboter 'Baxter' mit einer Bohrmaschine vor eine Holzwand, die eine Flugzeugwand darstellen soll, und einen Probanden mit der Elektrodenhaube daneben. Drei Schrauben waren dort angebracht und eine wählte der Proband als die korrekte aus. Zuerst fand Baxter sein Ziel mit einer Genauigkeit von 70 Prozent, dann bemerkte der Proband den Fehler, korrigierte mit seiner Gestensteuerung Baxters Bewegungen und fortan lag die Genauigkeit des Roboters bei 97 Prozent. Diese Quote galt dann für jeden Folgeversuch, ohne, dass jemand einschreiten musste. Der Vorteil: Das System wird nicht auf den Probanden trainiert, sondern lernt von den Korrekturen, die gemacht werden - egal wer sie macht.

Firmen, beispielsweise im Flugzeugbau, könnten also mühelos Roboter wie Baxter kaufen und einsetzen, ohne aufwendig und langwierig Personal und Maschinen aufeinander einzustimmen und zu trainieren. Dieser Schritt ist größer, als man zuerst annehmen mag, denn bisher war es sehr schwierig, diesen Vorgang zu meistern. Roboter verstanden nur ganz bestimmte Arten von Korrekturen, die von den Menschen auf genau diese Arten vorgenommen werden mussten - entsprechend hoch waren Kosten und Zeitfaktoren. Jetzt brauchen sie nur den Fehler sehen und mit ihren Händen die richtige Bewegung durchzuführen. Das wars.

Du musst dich nicht verändern!

Für die Zukunft von Roboter und Mensch ist das eine gute Nachricht. Keine umständlichen Verfahren mehr, mit denen die Robofreunde trainert werden müssen, um uns nicht zufällig eine Schraube ins Bein zu jagen, sondern einfach nur sehen, dass er einen Fehler macht, und er stoppt automatisch.

Klingt einfach, ist es auch. Diese Tatsache öffnet viele Türen für die Zukunft mit den helfenden Maschinen. Die Einsatzgebiete gehen nämlich weit über das Bohren hinaus: Denken wir an Roboter als Haushaltshilfen, Altenpfleger, Arbeitsteams in der Industrie oder als Helfer für Menschen mit Behinderungen. Je einfach es wird, sie einzusetzen und zu korrigieren, desto einfacher wird auch ihre Integration in unseren Alltag und ultimativ unsere Gesellschaft.

Wie das beeindruckende Experiment aussieht, seht ihr in diesem Video:

Quelle: engadget.com

Hier erfährst du mehr über: Gesundheit

Sag uns deine Meinung!