Wie im Fernsehen?

Google Brain macht aus Pixelbrei Gesichter

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Das Google-Forschungsprojekt Brain hat eine Software entwickelt, die sehr schlecht aufgelöste Bilder mit plausiblen Details anreichern kann. So entstehen selbst aus 8x8 Pixel kleinem Ausgangsmaterial menschliche Gesichter. Das Ganze hat allerdings einen Haken.

Wir kennen das Szenario aus zahllosen Krimi-Serien: Die Ermittler werten Überwachungsaufnahmen aus und entdecken einen Verdächtigen. Die Qualität der Videos ist allerdings zu schlecht, um Genaueres erkennen zu können. In der Fiktion kein Problem: Die Fahnder jagen den Bildausschnitt durch eine Software und wenige Augenblicke später zeigt ihnen der Computer ein hochaufgelöstes Bild des Übeltäters. In der Realität arbeiten Forscher seit langem an vergleichbaren Möglichkeiten – noch sind sie davon jedoch weit entfernt. Forscher von Google Brain haben nun gezeigt, auf welchem Stand die Technik sich befindet.

Google Brain: Software benötigt nur 8 x 8 Pixel als Grundlage

Von Google Brain verbesserte Fotos

Links das nur 8 x 8 Pixel große Ausgangsbild, in der Mitte die Berechnung der Software, rechts das Original.  

Quelle:  Google Brain 

Von Google Brain verbesserte Fotos

Links das nur 8 x 8 Pixel große Ausgangsbild, in der Mitte die Berechnung der Software, rechts das Original.  

Quelle:  Google Brain 

Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse beeindruckend: Aus nur 8 x 8 Pixel großen Bilddateien rekonstruiert das Programm real wirkende Gesichter. Die Krux ist jedoch, dass die Software nur mit Durchschnittswerten arbeiten kann: Sie bezieht Bilder aus einer Datenbank, verkleinert diese ebenfalls auf 8 x 8 Pixel und sucht nach Gemeinsamkeiten. Umgekehrt sagt sie dann mögliche Details für das eingespeiste, aufzuwertende Bild voraus (stark vereinfacht ausgedrückt).

Die Software baut aus dem Pixelbrei also nicht das Gesicht des Originals nach, sondern konstruiert ein "Durchschnittsgesicht" basierend auf Vergleichsdaten. Nicht ohne Grund wird dieser Vorgang der Hochrechnung fachsprachlich auch "Halluzination" genannt – das Programm kann sich der Realität bestenfalls annähern.

Für eine einwandfreie Identifizierung sind so berechnete Bilder also nicht geeignet. Zu groß ist die Streuung bei zentralen Faktoren wie Augenfarbe, Nasen- oder Mundform. Ähnlich wie Phantombilder dürften sie bei der Fahndung nach Kriminellen dennoch von großer Hilfe sein. Von Techniken, wie wir sie aus Fernsehserien kennen, sind wir aber noch ein ganzes Stück entfernt. Die Forscher nähern sich diesen Möglichkeiten jedoch mit immer größeren Schritten (in der Veröffentlichung von Google Brain findet ihr weitere interessante Bild-Beispiele).

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