Datensammelei

Google ortet Android-User, obwohl alle Standortdienste deaktiviert sind

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

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von Michael Springer -

Google sammelt gerne Daten – offenbar zu gerne. Denn Android-Smartphones senden sogar dann Informationen an das Mutterunternehmen zurück, wenn sich der Nutzer explizit dagegen entschieden hat.

Mit der Zugabe von Standortdaten lassen sich viele Apps und Dienste besser und komfortabler nutzen. Sie erlauben individuell zugeschnittene Informationen, relevantere Hinweise. Doch sie setzen die Bereitschaft des Users voraus, sich kontinuierlich orten zu lassen. Weil allerdings längst nicht jeder Smartphone-Nutzer diese Bereitschaft an den Tag legt, lassen sich die Ortungsfunktionen auf Systemebene deaktivieren. Zumindest dem Anschein nach.

Tracking via Android

Android-Smartphones senden Standortdaten, obwohl der Nutzer solche Dienste deaktiviert hat. Verortet wird das Smartphone durch Mobilfunktürme in der Nähe.

Quelle:  via Quartz 

Tracking via Android

Android-Smartphones senden Standortdaten, obwohl der Nutzer solche Dienste deaktiviert hat. Verortet wird das Smartphone durch Mobilfunktürme in der Nähe.  

Quelle:  via Quartz 

Android soll nicht tracken – und macht es trotzdem

Denn wie das US-Magazin Quartz nun herausgefunden hat, nimmt Google diese Nutzerentscheidung offenbar nicht allzu ernst. Sobald eine Internetverbindung besteht (sei es über WiFi oder mobile Daten), senden Android-Smartphones nämlich Standortdaten zurück an Googles Server – trotz kompletter Deaktivierung aller entsprechenden Dienste und Sensoren, auch ohne eingelegte SIM-Karte oder zusätzlich installierte Apps. Versendet werden dabei jedoch nicht GPS-Daten, sondern die IDs der vom Smartphone kontaktierten Mobilfunktürme. Weil diese nur in einem begrenzten Radius erreichbar sind, erlauben sie Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort des Geräts. Die Informationen sind zwar bei Weitem nicht so genau wie GPS-Daten, zeigen aber zum Beispiel, in welchem Stadtteil sich das Smartphone befindet. Eine Möglichkeit, diesen Austausch zu unterdrücken, gibt es nicht.

Vom Smartphone kontaktierte Mobilfunktürme erlauben Rückschlüsse auf den Standort

Auf Nachfrage erklärte Google, dass man die Daten weder genutzt noch gespeichert habe. Erhoben worden seien sie seit Anfang 2017 – in Reaktion auf die Veröffentlichung von Quartz will Google sie ab Ende November 2017 nicht mehr erfassen. Die Informationen sollten bei der Verbesserung der Push- und Systembenachrichtigungen von Android helfen. Welchen Beitrag sie dazu hätten leisten können, sei laut Quartz unklar.

Insgesamt wirft die Entdeckung nicht das beste Licht auf Googles Privatsphäre-Praktiken. Zwar kann der Anwender Googles Daten-Sammelleidenschaft in den Webanwendungen und auf Android deutlich einschränken. Der Weg dahin führt jedoch durch verschachtelte Untermenüs, einige Regler sind besser versteckt als Omas Bargeldreserven. Dass nach dem Deaktivierungs- und Opt-out-Prozedere dann ganz einfach doch getrackt wird, dürfte sich für viele Anwender wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

Quelle: Quartz

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