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Was macht mein Nachbar?

Ich seh' was, was du nicht siehst: KI kann durch Wände schauen

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Forschern des 'MIT' ist es gelungen, eine KI zu programmieren, die mittels Radiowellen Nachbarräume ausspionieren kann - und zwar so, dass sie ziemlich genau nachzeichnen kann, wie sich Menschen darin bewegen. Aber das ist noch nicht alles.

Radiowellen sind etwas ziemlich Interessantes, auch für diejenigen unter uns, die nicht vor jeder Physikstunde bereits begierig hechelnd auf den Lehrer gewartet haben. Denn: Radiowellen durchdringen viele Materialien - darunter auch normale Haus- und Zimmerwände. Von menschlichen Körpern werden sie indes reflektiert.

Diese Umstände machten sich Forscher des MIT in den USA zunutze. Sie brachten einer KI mithilfe von Radiowellen bei, genau aufzuzeichnen, wie viele Personen sich in einem Nachbarraum aufhalten, wie sie sich dort bewegen und welche Größe die Personen haben. Damit lassen sich quasi Karten erstellen, auf denen mit exakten Zeitstempeln ausgestattete Muster zu sehen sind. Wer schon immer mal wissen wollte, was seine Nachbarn abends so treiben (oder auch nicht), der würde daran sicherlich seine Freude haben.

Die Röntgen-KI: Das Leben der Strichmännchen

KI sieht durch Wände und mal Strichmännchen nach

So unspektakulär sieht das 'Video' aus, das die KI aufzeichnet.  

Quelle:  technologyreview.com 

KI sieht durch Wände und mal Strichmännchen nach

So unspektakulär sieht das 'Video' aus, das die KI aufzeichnet.  

Quelle:  technologyreview.com 

Diese Aufzeichnungen muss man sich aber nicht wie eine 2D-Darstellung vorstellen, in der man im Piktogrammstil erkennt, wo sich ein Punkt hinbewegt hat. Nein, die KI zeichnet alle Bewegungen in Form von Strichmännchen nach. Das System kann von überall aus überwacht werden. Forscher könnten also das Gerät mit den Radiowellen aufstellen, die KI auf ihren Laptops irgendwo am anderen Ende der Welt laufen lassen und könnten dann in Echtzeit nachvollziehen, was in dem Nachbarraum gerade getan wird. Spooky, oder?

Wer jetzt aber an den perfekten Überwachungsstaat à la '1984' denkt, kann beruhigt sein: Die KI wurde aus medizinischen Gründen entwickelt. Sie soll menschliche Körper durchleuchten und in Echtzeit Bewegungen, beispielsweise in Organen und im Blut in Echtzeit übermitteln. Außerdem könnte sie dabei helfen, Stürze von alleinlebenden Senioren früher zu erkennen und automatisch Hilfe zu rufen.

Vor wenigen Jahren erregte eine ähnliche Technologie Aufsehen, mit der die US-Polizei mittels Radargeräten durch Wände sehen kann. Die KI des MIT scheint diese Geräte aber weit in den Schatten zu stellen. Das Polizei-Radar könnt ihr in diesem Beitrag sehen:

Quelle: Technologyreview

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