Steht die Marktreife bevor?

Ich sehe was, was du nicht siehst: AR-Brillen auf dem Vormarsch

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Die Geschichte der AR-Brillen ist voller Peinlichkeiten: Von Googles vollmundiger 'Google Glass'-Ankündigung über Snapchats 'Spectacles', die niemand haben wollte, und die enttäuschenden ersten Verkaufszahlen von Oculus' 'Rift'. Trotzdem sollen die Alleskönner das nächste große Ding werden, wenn es nach den Entwicklern verschiedener Tech-Konzerne wie Google, Facebook und Apple geht.

Augmented Reality gilt vielen als der heilige Gral der fortschreitenden Digitalisierung. Das hängt in erster Linie mit dem Niedergang von Virtual Reality zusammen, die sich ebenso wenig durchsetzen konnte wie 3D-Fernseher. Zu unausgereift ist die Technologie, von zu vielen Kompromissen wird sie klein gehalten. Massenphänomene entstehen nur dort, wo sie praktisch sind und Alltagsprobleme lösen. 3D-Fernseher nervten mit sperrigen Brillen, ungünstigen Blickwinkeln und schlechten Filmumsetzungen. Bei VR-Brillen wie der Oculus Rift störte sich der Markt an Symptomen der VR-Krankheit, zu wenigen Spielen und nicht ausgereifter Umsetzung. Mehr als eine nette Spielerei ist nie daraus geworden. Augmented Reality hingegen hat den Hype der Hoffnung auf etwas (cooles) Neues aufgenommen und scheint wirklich Potenzial zu haben.

AR vorerst nur im Arbeitsleben

Mann mit Brille

Noch werden AR-Brillen wie Microsofts 'HoloLens' eher in der Industrie verwendet.  

Quelle: (Anton Gvozdikov)  Shutterstock.com 

Mann mit Brille

Noch werden AR-Brillen wie Microsofts 'HoloLens' eher in der Industrie verwendet.  

Quelle: (Anton Gvozdikov)  Shutterstock.com 

Die Vorstellung von Google Glass ist mittlerweile fünfeinhalb(!) Jahre her. Seitdem ist sie über eine Entwicklerversion und einem kleinen Kreis an Betatestern nicht hinausgekommen. Statt also überall im Alltag Menschen mit dem schicken Accessoire anzutreffen, muss man für täglich angetroffene AR-Brillen schon Ingenieur sein: In vielen Industriezweigen haben die Geräte einen wahren Siegeszug hinter sich. So können beispielsweise Techniker von Rolls Royce mit einer AR-Brille vor einem ihrer Flugzeugtriebwerke stehen und dank Augmented Reality durch die Hülle und in die (virtuelle) Echtzeitdarstellung des komplizierten Geräts blicken. Damit können sie den Fehler direkt sehen und mit Präzisionswerkzeugen durch kleinste Löcher "operieren", ohne alles auseinanderbauen zu müssen.

Steht der Schritt zur Marktreife bevor?

Klar, die ganze Welt wartet auf das nächste große Ding, das die Smartphones ablöst. Und noch immer sind sich viele Entwickler einig, dass es sich dabei um AR-Brillen handelt. Das sieht man daran, dass Big Player wie Apple, Google, Microsoft und Facebook alle daran arbeiten, Augmented Reality in tragbare Geräte zu übersetzen. Keiner will den Startschuss verpassen, wenn eine neue Runde Innovation ansteht. Als 2007 das iPhone die Ära der Smartphones einläutete, löste das ein neues Techzeitalter ein. Internet war gestern und AR-Brille ist morgen. Besonders Microsoft wäre beinahe untergegangen, weil es das Smartphone-Zeitalter verpennt hat - beim nächsten Sprung wollen sie unbedingt dabei sein. Verständlich, dass sie wieder mit den coolen Kindern spielen möchten. Wer hinterherhinkt, geht gnadenlos unter und es ist keineswegs sichergestellt, dass alle heutigen Giganten auch nach Anrollen der nächsten Welle weiterhin ganz oben mitspielen.

15-Jahre-Zyklen: Der nächste steht an

Interessanterweise geschehen solche Technologiesprünge etwa alle 15 Jahre. Radio, Fernseher, Internet, Mobiltelefon, Smartphone und bald AR-Brillen. Dass sie es sein müssen, lässt sich an Googles Strategie ablesen: Nachdem sich der Vorzeigekonzern mit der Google Glass gehörig blamiert hatte, weil sie nichts von dem halten konnte, was sie versprach und es zwar tolle Visionen aber keinerlei Lösungen für Datenschutz- und Immersionsprobleme gab, blieben sie trotzdem am Ball. Am liebsten hätte man das Projekt gleich wieder begraben und die schlechte Presse damit gleich mit.

Wer den nächsten Trend vorhersagen will, sollte seine Augen auf die Ausgaben der Big Player richten - denn sie geben dort am meisten aus, wo sie Angst davor haben ins Hintertreffen zu geraten

Doch stattdessen fließen bis heute weiterhin große Summen in die Entwicklung, weil das Risiko zu groß ist, den möglichen nächsten Knall zu verpassen und Kasse zu machen. Hinzu kommt auch, dass die Riesen sich gegenseitig hochschaukeln. Microsoft hat in seiner Angst, wieder etwas zu verpassen, mit der HoloLens ein erstaunlich ausgereiftes Konkurrenzprodukt zur 'Glass' präsentiert, das heute von vielen Industriedienstleistern eingesetzt wird. Hinter den Kulissen spielen natürlich auch Amazon und Apple eine Rolle, die jüngst eine erstaunliche Anzahl entsprechender Patente anmeldeten. Wir können uns also darauf freuen, dass in maximal 5 bis 10 Jahren eines ihrer Produkte einen neuen Trend einleiten wird. Zum ersten Mal seit langem lässt sich der nämlich anhand von Firmenstrategien einigermaßen gut ablesen und prognostizieren.

Hier erfährst du mehr über: GoogleAugmented Reality und Virtual Reality

Sag uns deine Meinung!
2 Kommentare
Netz.de

Hey Hannes, der Einstieg in den Artikel ist etwas durchgewürfelt Datenbrillen wären in diesem Zusammenhang zur Beschreibung des Sachverhalts sicherlich eine eindeutigere Bezeichnung gewesen. Da werden wir noch mal dran gehen. Danke für den Hinweis! Die angesprochenen Immersionsprobleme beziehen sich aus Sicht unseres Redakteurs auf die Symbole und Einblendungen in Google Glasses, die sich nicht immer nachvollziehbar in das Sichtfeld integriert haben, sondern teilweise wie Fremdkörper wirkten und von Testern deshalb nicht durchweg gut angenommen wurden.

Hannes Schleeh

Leider wird in diesem Artikel alles wild durcheinander gewürfelt. Weder die Oculus Rift, noch die Spectacles von Snapchat sind Augmented Reality Brillen. Die Oculus Rift ist eindeutig eine Virtual Reality Brille. Den Unterschied zwischen Augmented und Virtual merkt man wenn man die Datenbrillen auf hat. Bei Virtual Reality sieht man von der Wirklichkeit (englisch Reality) gar nichts mehr. Die Spectacles ist eine reine Videobrille. Für eine Augmented Reality Anwendung fehlt ihr schlichtweg der durchsichtige Bildschirm um virtuelle Objekte über der Wirklichkeit anzuzeigen. Als Überbegriff für alle angesprochenen Geräte wäre Datenbrillen der richtige Begriff. Was der Autor unter "Immersionsproblemen" bei der Google Glass Nutzung versteht, wäre aus meiner Sicht noch erklärungsbedürftig.