Ferngesteuerter Kellner

Inklusion durch Roboter: Dieses japanische Cafe gibt gelähmten Menschen Arbeit

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von Michael Springer -

Roboter gelten nicht unbedingt als zwischenmenschliche Brückenbauer. Zu unrecht, wie ein Pilotprojekt aus Fernost zeigt: In einem japanischen Café bedienen Roboter, die von gelähmten Menschen ferngesteuert werden.

Fortschritte in der Robotertechnik lösen Ängste und Hoffnungen gleichermaßen aus. Hoffnung, weil die Maschinen komplexe, anspruchsvolle und gefährliche Tätigkeiten oft besser und verlässlicher ausführen als der Mensch. Ängste, weil sie irgendwann so ausgereift sein könnten, dass für die Menschen selbst kaum eine Arbeit übrig bleibt. Doch eine solche Schwarz-Weiß-Malerei übertreibt. Die Realität entfaltet sich irgendwo dazwischen, wie ein japanisches Pilotprojekt zeigt, das Menschen dank Robotern näher zusammenbringen möchte.

Roboter-Kellner: Teilhabe am sozialen Leben

Im japanischen Café mit dem ungewöhnlichen Namen 'Dawn Ver.Beta' servieren mit weißem Plastik verkleidete Roboter den Kaffee – nicht weiß gekleidete Kellner. Das Besondere: Die Roboter folgen keiner vorher einprogrammierten Befehlsroutine, sondern werden von Menschen mit lähmenden Erkrankungen wie amyotrophe Lateralsklerose (kurz ALS) oder schweren Wirbelsäulenverletzungen von Zuhause aus ferngesteuert.

Möglich machen das die 'OriHime-D-Roboter' der Firma Ory, die speziell für ans Bett gebundene Menschen entwickelt wurden. Selbst wenn der Steuernde nur die Augen bewegen kann, soll der Roboter es ihm erlauben, an fernen Orten die Umgebung zu beobachten, sich zu bewegen, Gegenstände zu tragen und sogar zu sprechen. Für den Kellnerjob wurden die 1,20 Meter großen Helfer noch einmal eigens angepasst.

Während des zweiwöchigen Testlaufs im Dezember 2018 arbeiteten so zehn Japaner, deren Bewegungsfähigkeit durch verschiedene Umstände stark eingeschränkt ist, in dem Café. Zwar wurden die Menschen für ihre Tätigkeit angemessen entlohnt: Sie bekamen 1.000 Yen (etwa 8,10 Euro) pro Stunde bezahlt, ein für Servicekräfte in Japan üblicher Betrag. Doch viel wichtiger sei, dass man ihnen so eine aktive Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen könne.

Noch scheint aber die Finanzierung des Projekts nicht gesichert zu sein. Um das Cafe ab 2020 dauerhaft öffnen zu können, sind die Initiatoren offenbar auf Spenden und Crowdfunding-Kampagnen angewiesen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen dieses Ziel realisieren können. Denn das Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, wie Technik das Leben der Menschen besser machen kann – wenn man sie entsprechend einsetzt.

Quelle: digitaltrends.com

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