Das Geschäft nach dem Geschäft

Je smarter, desto günstiger? Smart TV Hersteller verkaufen Nutzerdaten

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Groß, kristallscharf und mit reichlich Technik vollgestopft - trotzdem verhältnismäßig günstig. Die Preise für aktuelle Smart TVs fallen, obwohl die hauchdünnen Bildschirme immer mehr auf dem Kasten haben. Ein Grund dafür steckt laut Vizio-Chef Bill Baxter in der Produktbezeichnung selbst, denn einige Hersteller verkaufen die gesammelten Nutzerdaten von Smart TVs an Dritte.

Es muss schon verblüffend sein, als Besucher über die wohl weltgrößte Messe für Unterhaltungselektronik, die Consumer Electronics Show in Las Vegas, zu flanieren. An allen Ecken und Enden finden sich Tech-Konzerne, die ihre neuesten Produkte zur Schau stellen und dem geneigten Käufer einen Vorgeschmack darauf geben, worüber er sich in den kommenden Monaten (manchmal auch erst Jahren) so alles freuen kann. Das alles hat natürlich seinen Preis: Neue Technologien kosten gerade zu Beginn ihres Lebenszyklus' den ein oder anderen Euro und befriedigen in der Regel erstmal die Tech-Junkies, bevor der Einzug in den Mainstream-Handel die Preise fallen lässt.

Einen ganz anderen Eindruck konnte man jedoch im Sektor der Smart-TVs gewinnen, schenkt man den Erfahrungen der 'The Verge'-Redaktion Glauben. Dort purzelten die Preise für intelligente Fernseher nur so - trotz immer smarterer Funktionen, hauchdünner Gehäuse, riesiger Bildschirmdiagonalen und immer schärferer Auflösungen in 4K und HDR. Gerade Unternehmen wie TCL oder Vizio machten aufgrund ihrer teils auffällig niedrigen Preise für hochmoderne Smart-TVs erneut von sich Reden.

Wie passt es zusammen, dass ein so großes Stück Technologie für vergleichbar kleines Geld angeboten wird?

Doch wie passt es zusammen, dass ein so großes Stück Technologie für vergleichbar kleines Geld angeboten wird? Im Gespräch mit 'The Verge' ging Vizio CTO Bill Baxter unter anderem auf diese Frage ein: Für ein Podcast-Interview ließ er sich in die Karten seiner TV-Strategie schauen.

Smart TVs: Das Geschäft nach dem Geschäft

Um es vorwegzunehmen: Die Antwort findet sich in der Produktbezeichnung wieder, denn das "smarte" in Smart-TVs ermöglicht Herstellern wie Vizio oder TLC neue Einnahmequellen. Demnach sei der TV-Markt laut Baxter ein "mörderisches" Business, das nur an die 6 % Marge abwerfen würde. Die bessere Strategie sei es, wenn man nicht mit dem Verkauf von TVs Gewinne erwirtschaften müsse, sondern zunächst einmal kostendeckend kalkuliere.

Unternehmen wie Vizio und TLC könnten demnach TV-Geräte nah an den Produktionskosten verkaufen, weil sie beispielsweise mit der Erhebung von Nutzerdaten Geld verdienen - dem Geschäft nach dem eigentlichen Verkauf.

Es geht nicht nur um die Datenerhebung. Es geht um die Monetarisierung des Fernsehers nach dem Kauf.

BIll Baxter | CEO Vizio

Die Monetarisierung erfolgt demnach (unter anderem) durch das Sammeln von Daten und den Verkauf an Dritte. Darüber hinaus stellen Smart TVs auch neue Funktionen bereit, direkt über die eigene Software hinaus Medienformate zu verkaufen. "Sie verkaufen einige Filme, Sie verkaufen einige Fernsehsendungen, Sie verkaufen einige Anzeigen, Sie wissen schon. Es ist nicht wirklich anders als bei der 'The Verge'-Website", verglich Baxter.

Würde sich das Geschäft mit den Daten nicht lohnen, müssten sich Käufer darüber hinaus im Klaren sein, dass der Verkaufspreis von TVs durchaus steigen würde. Dennoch sieht Baxter im Gespräch keine Probleme in dieser Tatsache begründet, weil sein Unternehmen stets offen mit dem Fakt der Datenerhebung umgegangen sei und sich an die Rahmen halte, die ihnen vorgegeben werden.

Das komplette Podcast-Interview mit Bill Baxter findet ihr in englischem Originalton auf 'The Verge'. Dort geht Baxter unter anderem auch darauf ein, weshalb er sich keine Sorgen um zukünftige Datenschutzmaßnahmen macht.

Hier erfährst du mehr über: Datenschutz

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1 Kommentar
user123

Wieder ein sehr schöner Artikel Herr Beneke... vielen Dank ich lese Ihre Texte immer mit viel Freude.