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Microsoft Manager prophezeien

KI-Assistenten werden in 20 Jahren zu einem Teil unserer Identität

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Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Laut Präsident und Vizepräsident von Microsofts KI-Forschungssparte werden wir schon in 20 Jahren Digitale Assistenten als unsere Alter Egos betrachten, die uns viel Arbeit abnehmen und mit denen wir uns stärker identifizieren als mit allem anderen. Doch dafür braucht es nach Brad Smith und Harry Shum noch eine Menge mehr Humanismus in der KI-Forschung.

In dem späten Sequel zum 80er Jahre Klassiker 'Blade Runner', das Ende letzten Jahres unter dem Titel 'Blade Runner 2049' in den Kinos lief, teilt sich Protagonist Joe seine kleine Wohnung mit einer digitalen Assistentin. Die KI lässt mit sich sprechen, wird über einen Projektor als Hologramm an seine Seite projiziert und verhält sich ziemlich exakt wie ein Mensch. Nur irgendwie makelloser, perfekter, als ein Mensch es wohl sein würde. Sie ist nie schlecht gelaunt, scheint immer das zu sagen, was Joe gerade hören möchte und schließlich verliebt er sich sogar in sie. Dieses Szenario ist laut Brad Smith und Harry Shum, die Microsofts Forschungssparte für Künstliche Intelligenz leiten, eine Sache der nächsten 20 Jahre.

KI-Assistenten als Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens

Alexa Echo Dot und Carpe-Diem-Schriftzug

Digitale Assistenten wie Alexa gibt es schon jetzt. In Zukunft wird es aber Alexas mit Persönlichkeit nach unserem Vorbild geben. Vielleicht sogar als Hologramm.  

Quelle: (Zapp2Photo / Sirin_bird)  Shutterstock.com 

Alexa Echo Dot und Carpe-Diem-Schriftzug

Digitale Assistenten wie Alexa gibt es schon jetzt. In Zukunft wird es aber Alexas mit Persönlichkeit nach unserem Vorbild geben. Vielleicht sogar als Hologramm.  

Quelle: (Zapp2Photo / Sirin_bird)  Shutterstock.com 

Es wäre leicht, jetzt ein ähnliches Bild zu malen, sich in die Zukunft zu versetzen und den beiden Autoren des Buches 'The Future Computed' in eine logisch hergeleitete Vision zu folgen, die auf aktuellen Entwicklungen beruht. Eine KI, die alles weiß, uns unter die Arme greift und auch noch genau die Persönlichkeit spendiert bekommt, die wir uns von einem anderen Menschen wünschen würden? Klar, wer würde da nein sagen? Wichtiger, und da gehen die Autoren einen richtigen Schritt, ist die Frage nach dem Wie. Wie können wir sicherstellen, dass digitale Assistenten wirklich zu positiven Identifikationsfiguren für uns werden und nicht zu einer schleichenden Entfremdung?

Die Zauberworte heißen laut Smith und Shum 'Humanismus' und 'Demokratie'. Humanismus bezieht sich auf die Programmierung der KIs, die von Menschen mit humanistischem Hintergrund, also Geisteswissenschaftlern und keinen reinen Tech-Freaks mit Tunnelblick mitgeformt werden sollen. Um das zu gewährleisten, genau wie die Perfektionierung der Algorithmen und technologischen Grundlagen, sei eine offene Demokratisierung notwendig, für deren Anschub Microsoft den Anfang machen will. Das heißt konkret: Forschungsergebnisse müssen offen gelegt und geteilt werden. Damit einige Länder die anderen nicht durch einen KI-Vorteil abhängen, müssten Forscher und Unternehmen weltweit zusammenarbeiten, um die besten Lösungen bieten zu können.

Hehre Worte, schwierige Umsetzung

Klar, das klingt wie aus dem Ethik-Handbuch der Wissenschaft, der es um das Teilen von Wissen und pure Innovation geht. Doch Unternehmen sind an Profit orientiert. Umso mehr überrascht, dass die beiden Experten in ihrem Buch davon sprechen, dass Microsoft tatsächlich mit gutem Beispiel voran gehen und seine Erkenntnisse teilen will. Immerhin ist der Konzern aus Redmond weltweit einer der wenigen Spitzenreiter, wenn es um KI-Innovation geht und die beiden Manager werden diese Aussage kaum ohne Rücksprache niedergeschrieben haben.

Die Gestaltung zukünftiger KIs ist nicht bloß Sache 'der Forscher im Silicon Valley', sondern unser aller Angelegenheit. Immerhin betrifft sie bald das Leben jedes einzelnen Menschen.

Um dafür zu sorgen, dass dieser Prozess auch von anderen aufgenommen wird, müsse die wichtige Debatte über KIs in die Mitte der Gesellschaft getragen werden, weil digitale Assistenten schon bald unser aller Leben von jung bis alt durchdringen werden. Es wird bald kaum noch jemanden geben, der nicht davon betroffen ist. Fakt ist, da sind sich Smith und Shum sicher, dass sie schon bald ein fester Lebensbestandteil von uns allen sein werden und wir alle darüber sprechen müssen, was KIs dürfen und was nicht und nach welchem (humanistischen) Bild wir sie formen möchten. Diese Debatte sollten wir tatsächlich führen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist - schließlich wünscht sich wohl kaum jemand ein digitales Alter Ego, dass an einen Diktator erinnert. Dann doch lieber die freundliche Mitbewohnerin aus Blade Runner 2049. Was es wird, liegt in unserer Hand. Wir müssen nur darüber sprechen. Und zwar ab jetzt.

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