Algorithmen in der Filmwelt

KI erkennt Hit-Potenzial von Filmen anhand ihrer Trailer

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von Benjamin Krämer -

Das US-amerikanische Filmproduktionsstudio 20th Century Fox hat einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der sich ununterbrochen Trailer von Filmen unterschiedlichster Genres anschaut und sie nach ihrem Hitpotenzial und der Zielgruppe analysiert. Könnte das die gesamte Trailer-Welt umkrempeln?

20th Century Fox gilt als eines der mächtigsten Produktionsstudios in Hollywood und wurde kürzlich von Disney aufgekauft. Für sie steht an erster Stelle der Gewinn, der mit jedem einzelnen Film generiert wird und eines der besten Marketing-Tools, um das sicherzustellen, ist der Filmtrailer. Diese sind so beliebt, dass im Vorfeld von Filmen viel über sie diskutiert wird, eine ganze Industrie von Online-Film-Magazinen über sie diskutiert und sie monatelang auseinandernimmt. Aber Trailer haben eben auch einen wichtigen Prognoseeffekt für den Erfolg einer Produktion. Ein prominentes Beispiel ist der Science-Fiction-Klassiker 'Total Recall' von Paul Verhoeven mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle.

Anfang der 90er Jahre war der Film ein Hit und gilt noch heute als Meilenstein intelligenter und vielschichtiger Science-Fiction-Filme - dabei wäre er beinahe zum Flop geworden, hätte Schwarzenegger nicht selbst interveniert. Wie in Hollywood üblich wurden in ausgewählten Kinos Befragungen durchgeführt, wie interessiert Kinogänger nach Sichtung des Trailers zu Total Recall gewesen seien. Sie waren interessiert, aber nicht übermäßig, also setzte Schwarzenegger gegen viele Widerstände durch, dass ein neuer Trailer von einer neuen Firma produziert wird, der besser zu den Wünschen der Zuschauer passt. Total Recall wurde ein Hit am Box-Office und der Rest ist Geschichte.

Der Algorithmus, der weiß, was du sehen willst

Flops der jüngeren Kinogeschichte, die extrem teuer waren wie 'King Arthur' oder 'John Carter' gelten als Trailer-Flops. Die Filme bekamen relativ gute Kritiken, aber das Publikum entwickelte kein Interesse nach Sichtung der Trailer.

Der Fox-Algorithmus soll diese Befragungen jetzt überflüssig machen. Er erkennt anhand von Daten über Zuschauergruppen und deren Filmvergangenheit, was gut ankommt. Darüber hinaus analysiert er unter anderem die Dichte von frontal augenommenen Gesichtern, Explosionen und Verfolgungsjagden. Auf diese Weise sollen Studios zukünftig in der Lage sein, Trailer zusammenzusetzen, sodass sie perfekt auf ihre Zielgruppe abgestimmt sind, ohne das Risiko einzugehen, potenzielle Zuschauer anhand von falsch zusammengestellten Bildern und Einstellungen zu vergraulen.

Es gibt aber auch Grenzen der KI: Zum einen kann sie noch keine zeitlichen Zusammenhänge zwischen den Bildern herstellen - also beispielsweise, ob es besser ist, wenn die Verfolgungsjagd mit einer Explosion am Anfang startet, oder mit einer Explosion am Ende endet. Außerdem kann sie noch keine Texttranskripte auswerten um Dialoge mit in seine Gleichungen einzubeziehen, was gerade bei Dramen und Liebesfilmen oder Komödien zum Problem werden könnte. So scheint es, dass es noch einigen Feinschliffs bedarf, bis wir von KIs zusammengesetzten Super-Trailern ausgesetzt werden

Quelle: engadget, Biographie Arnold Schwarzenegger

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