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Schöne neue Welt?

KI völlig überschätzt: Forscher warnt vor zu großem Hype

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Künstlicher Intelligenz gehört die Zukunft! Viel Hype, zu wenig Reflexion wirft Zachary Lipton, Professor an der Carnegie Mellon University jedoch denen entgegen, die für die Zukunftstechnologie nur lobende Worte finden. Er warnt vor überzogenen Erwartungen, die nicht nur Enttäuschung mit sich bringen, sondern auch die Entwicklung von KIs bremsen können.

Schöne neue Welt! Es scheint nur einen Katzensprung weit entfernt zu sein, dass wir uns in autonomen Autos durch die Gegend kutschieren lassen, dass Robo-Docs unsere Gesundheit checken und wir uns hauptsächlich darüber Gedanken machen müssen, was wir mit unserer ganzen Freizeit alles anstellen wollen, wenn uns das große Buzzword 'Künstliche Intelligenz' in naher Zukunft die Arbeit abnimmt. Klar, über die Details müsste man sich noch Gedanken machen, aber generell wird das schon schief gehen - KI ist schließlich überall, wird projektbasiert von den Tech-Giganten mit Milliardenbeträgen gefördert und ist Hype, Hype, Hype!

Etwas zu viel Hype, wenn es nach Zachary Lipton geht und vor allem eins: Unverantwortlich. Wie der Professor der Carnegie Mellon University erst kürzlich während eines Vortrags auf der EmTech-Konferenz in Cambridge (England) ausführte, blendet der ganze Hype um künstliche Intelligenz und trübt den Blick auf die wirklichen Fähigkeiten dieser Zukunftstechnologie. "Es wird immer schwieriger zu unterscheiden, was ein echter Fortschritt ist und was Schlangenöl", meinte Lipton.

Wenn zu hohe Erwartungen die KI-Blase platzen lassen

Momentan würden Milliarden Dollar in KI-Projekte fließen, was durchaus gut sei für die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenzen. Schließlich könne man bereits jetzt sagen, dass die als Deep Learning bekannte KI-Technologie durchaus Erfolge im Bereich der Bilderkennung und der Sprachübersetzung erzielt habe.

Es wird immer schwieriger zu unterscheiden, was ein echter Fortschritt ist und was Schlangenöl.

Zachary Lipton

Gleichzeitig würden dieses Thema und die Fähigkeiten von KI jedoch maßlos überschätzt, was zahlreiche "Opportunisten" auf die Bildfläche ruft, die es auf "beunruhigende Weise missbrauchen." Was stets vergessen wird: Die Technologie hat immer noch erhebliche Einschränkungen, kann beispielsweise ohne riesige Mengen an Daten überhaupt keine wertigen Ergebnisse liefern und hat viel zu häufig Schwierigkeiten, sich an schnell ändernde Bedingungen in der realen Welt anzupassen, wie das 'MIT Technology Review' in seinem Artikel zum Vortrag Liptons resümiert.

Es fällt der Vergleich mit der berüchtigten Dotcom-Blase, Anfang der 2000er, wo ein vergleichbarer Hype dazu führte, dass die Bubble schließlich platzte. Gleiches drohe der KI, wenn die stets weitergefütterte Blase Menschen dazu bringt, "zu viel Vertrauen in Algorithmen zu setzen", ohne die gesteckten Erwartungen von der Realität zu trennen. Am Ende warte dann laut Lipton vor allem Enttäuschung.

Beispielsweise, wenn wir in naher Zukunft keine autonom fahrenden Autos auf den Straßen entdecken oder Roboter unter realen Umständen dann eben doch nicht fünf Mal schneller Krebs erkennen, als ein Arzt. Was bedeutet das also? Erwartungen zurückschrauben, sich weiter an den Neuentdeckungen der Forschung erfreuen, aber gleichzeitig nicht zu euphorisch Technologien abfeiern, die eigentlich noch in ihren Kinderschuhen stecken. Zumindest nach Auffassung von Professor Zachary Lipton und einigen weiteren Experten, die sich unter anderem kritisch mit der Berichterstattung rund um die Zukunftstechnologie auseinandersetzen.

Quelle: MIT Technology Review

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