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Uncanny Valley bei Berührungen

Körperliche Empfindungen im VR - traumhaft oder gruselig?

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von Benjamin Krämer -

Stellen wir uns eine perfekte VR-Umgebung vor. Dann wahrscheinlich eine, in der wir fühlen, sehen, schmecken, riechen wie in der realen Welt. Erste Versuche mit Feedback-Controllern machen jetzt allerdings deutlich, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, weil sich Testpersonen vor den Berührungen gruseln - zumindest unter bestimmten Umständen.

Im Film 'Strange Days' mit Ralph Fiennes geht es um Headsets, mit deren Hilfe Erinnerungen durchlebt werden können, als erlebe man sie in diesem Moment selbst - mit sämtlichen Sinnen. Ein gruseliger Film mit vielen negativen Implikationen für seine Protagonisten. Trotzdem bleibt die fiktive Errungenschaft in Strange Days ein Traum der VR-Industrie: Lückenlose Immersion, eine echte unechte Realität, erschaffen von ihren Programmierern. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Das Optische sieht bereits ganz gut aus, dank hoher Auflösung und immer fotorealistischeren Umgebungen. Da riechen und schmecken noch wie ferne Zukunftsmusik klingen, machen sich Hersteller wie Oculus Rift und HTC erst einmal an die körperlichen Empfindungen. Erste Tests haben jetzt aber gezeigt, dass der 'Uncanny Valley'-Effekt - der besagt, dass Roboter/KIs uns gruseln, wenn sie zu realistisch, aber nicht exakt realistisch wirken - auch bei VR-Berührungen greift.

Microsoft-Forscher finden das Problem und seine Lösung

Berührungen sind nicht per se realistischer, sondern können uns gruseln. Berührungen in einem klar erkennbaren Zusammenhang hingegen fördern die Immersion.

Konkret ging es in einem Forschungstest darum, dass Probanden zwei Kontrollsticks halten sollten. Diese wurden dann während ihres Aufenthalts in einer virtuellen Umgebung bewegt, um so realistische taktile Berührungen zu simulieren. Das Ergebnis war, dass die Testpersonen sich vor diesen Berührungen gruselten, weil sie keinen Zusammenhang herstellen konnten. Am Ende litt die Immersion darunter und das Hinzufügen einer realistischen Komponente hat das Erlebnis für sie unrealistischer gemacht.

Die Lösung fanden die Forscher allerdings im selben Atemzug: Verbanden sie die Berührungsempfindungen an den Händen, beispielsweise ein Zittern oder Wackeln, mit einer virtuellen Murmel, die auf ihre Hand (beziehungsweise den Stock darin) fällt, stieg das Immersionsgefühl und sie empfanden das VR-Erlebnis als deutlich realistischer und besser.

Wichtig für die Zukunft von Empfindungselementen in der VR scheint also zu sein, dass unser Gehirn immer einen direkten Zusammenhang zwischen der Ursache einer Berührung und dem Gefühl herstellen muss. Klingt logisch, schließlich erschrecken wir uns ja auch, wenn plötzlich etwas über unsere Schulter krabbelt. Potential für Horror-VR hat Microsofts Versuch in jedem Fall deutlich gemacht.

Quelle: sciencenews.org

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