Wird unser Leben effizienter?

Künstliche Intelligenz im Alltag – wie sieht unsere Zukunft mit Robotern aus?

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Manuela Veloso, Leiterin des Bereichs für maschinelles Lernen an der Carnegie Mellon University (Pennsylvania, USA), spricht in einem Interview über die Symbiose von Mensch und Robotern im Alltag. Eine Vorstellung, die gleichermaßen faszinierend wie einschüchternd ist.

Auf der einen Seite: Roboter, die uns lästige Aufgaben im Alltag abnehmen und unser Leben komfortabler gestalten. Auf der anderen Seite: Roboter, die eine "eigene Meinung" entwickeln und versuchen, die Menschheit zu unterwerfen. In Kinosälen wurden diverse fantasievolle Szenarien bereits auf Film gebannt und durchgespielt – langsam aber sicher holen die technischen Innovationen in der Realität auf und machen die Science-Fiction Vorstellungen immer wahrscheinlicher.

"Wir arbeiten an der Fähigkeit dieser A.I.-Systeme, sich selbst erklären zu können, während sie lernen und sich verbessern", so Manuela Veloso, Forscherin an der Carnegie Mellon Univerity im Interview gegenüber The Verge. Ihre selbst entwickelten Roboter, genannt "Cobots", flitzen bereits selbstständig über das Universitätsgelände in Pittsburgh und begleiten Gäste, die auf der Suche nach einem Gebäudeteil sind. In Velosos Vorstellungen werden Roboter und Menschen in Zukunft unzertrennbar miteinander verbunden sein.

Automation auf PC und Mobilgeräten

Der Roboter bittet proaktiv um Hilfe, wenn es etwas gibt, das er nicht tun kann, nicht kennt oder nicht versteht.

Systeme handhaben unsere digitale, zunehmend komplexer werdende Welt – das lässt sich im Kleinen schon am Beispiel von Chatbots auf dem Smartphone ausmachen. Im Gespräch mit dem Chatbot können User Aufträge erteilen beziehungsweise Wünsche mitteilen. Das intelligente Programm kümmert sich im Folgenden darum, den entsprechenden Online-Dienst für unser Anliegen in Anspruch zu nehmen.

Neben diesen digtialen KIs wird es laut Veloso zunehmend Systeme geben, die sich physisch in der Welt bewegen: autonome Fahrzeuge, Roboter, Drohnen und IoT-Geräte.

Diese Systeme seien irgendwann in der Lage, so viele Informationen aus ihrer Umgebung zu sammeln und zu verarbeiten, dass sie uns bei der Lösung von Problemen behilflich sein können, die Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft haben. Zum Beispiel den stockenden Stadtverkehr zu managen oder detailliertere Klima-Prognosen zu erstellen. Geht es nach Manuela Veloso, dann wird diese Hilfe keine Einbahnstraße sein: "Der Roboter bittet proaktiv um Hilfe, wenn es etwas gibt, das er nicht tun kann, nicht kennt oder nicht versteht."

Portrait von Manuela Veloso

Manuela Veloso, Leiterin des Bereichs für Maschinelles Lernen an der Carnegie Mellon Univiersity in Pittsburgh, Pennsylvania (USA).  

Quelle: (Screenshot)  The Verge 

Portrait von Manuela Veloso

Manuela Veloso, Leiterin des Bereichs für Maschinelles Lernen an der Carnegie Mellon Univiersity in Pittsburgh, Pennsylvania (USA).  

Quelle: (Screenshot)  The Verge 

Wie bauen Menschen vertrauen zu einer Maschine auf?

Einer der größten Befürchtungen beim großflächigen Einsatz von Robotern ist, dass die künstlichen Intelligenzen irgendetwas Unvorhergesehenes tun könnten. Deshalb möchte die Forscherin Maschinen mit der Fähigkeit ausstatten, sich selbst und getroffene Entscheidungen erklären zu können. "Wenn Cobot, mein Roboter, spät in meinem Büro erscheint, könnte ich ihn Fragen: 'Warum bist du so spät?' oder 'Welchen Weg hast du genommen?'".

Durch stetige Interaktion mit Menschen werden die Roboter sich selbst korrigieren können. Zudem trage der Austausch dazu bei, nötiges Vertrauen aufzubauen. Je transparenter ein automatisches System auf den Menschen wirkt - Anwender also das Verhalten nachvollziehen können - umso eher werden die künstlichen Intelligenzen integriert.

"I'm a big fan of Alexa"

"Am Anfang ging es nur um 'Wie ist das Wetter?' Oder 'Welche Termine habe ich heute?', aber Alexa lernt dazu, während ich lerne, was Alexa alles kann. Ich bin fasziniert darüber, wie schnell sich das System mit der Zeit verbessert", meint Veloso, die eine begeisterte Nutzer von Amazon Echo und Assistentin Alexa ist.

In der Zukunft sei es durchaus möglich, dass uns persönliche Assistenten bei wesentlich weitreichenderen Entscheidungen behilflich sind und für uns über Nacht komplette Analysen zusammenstellen, um eine Fragestellung so optimal wie möglich zu beantworten.

So müssten sich Menschen nicht mehr selbst tagelang den Kopf darüber zerbrechen, welche Versicherung nun wirklich die beste ist oder welches Auto man kaufen soll. Ist eine Antwort des Assistenten dann nicht nachvollziehbar, erlaube es das System, dass Anwender die Argumente erfragen können, die zu dem Ergebnis geführt haben.

Wie wird sich die A.I. durch das Zusammenleben mit Menschen verändern?

Auf Basis persönlicher Informationen könne der Assistent uns Vorschläge unterbreiten, an die wir selbst gar nicht gedacht hätten.

"Ab einem gewissen Punkt wird die künstliche Intelligenz Informationen benötigen, die der Mensch nicht bereitstellen kann", meint Veloso. Interessant werde es, wenn die A.I. beginnt, ihre eigenen Grenzen und die Grenzen des Menschen zu realisieren - also feststellen kann, wann mehr Informationen nützlich wären.

Beispielsweise könne zukünftig die Eingabe einer Zieladresse auf Uber, Google Maps oder Waze ausreichen, damit der Transport geplant werde. Waze könne allerdings auch Rückfragen stellen, wie "Hast du es eilig? Möchtest du, dass ich den kürzesten Weg wähle? Möchtest du einen Umweg in Kauf nehmen, um dort die schöne Landschaft zu sehen?". Auf Basis persönlicher Informationen könne der Assistent uns also Vorschläge unterbreiten, an die wir selbst gar nicht gedacht hätten.

Wird die Menschheit überflüssig?

Nein, nicht, wenn es nach der Forscherin geht. "Es ist der menschliche Geist, der diese Technologie erdacht hat und somit liegt es auch am Menschen, sie für einen guten Zweck zu nutzen." Als Optimistin habe sie viel Vertrauen, dass genau dies eintreten werde und die Menschheit sich bewusst ist, wie vorsichtig die Technologie behandelt werden muss.

Leider trifft diese Vorstellung wohl nicht in jedem Fall zu. Als es beispielsweise darum ging, Chatbot "Tay" von Microsoft im realen Leben zu testen, hat die Interaktion mit echten Usern innerhalb von 24 Stunden dazu geführt, dass das lernende System sich in einen Nazi-Sympathisanten verwandelt hat, welches die Öffentlichkeit mit rassistischen Twitter-Kommentaren schockierte. Viele Menschen haben also Freude daran gehabt, Hass zu verbreiten.

Ein anderes Beispiel ist Cortana, die Assistentin, die Usern hilft mit Windows 10 effizient zu arbeiten. So berichtete Deborah Harrison, eine Mitarbeiterin von Microsoft, dass seit dem Start in 2014 zahlreiche Anwender versuchen würden, die digitale Helferin sexuell zu belästigen, indem sie intime Fragen stellen.

Fazit: Die Begeisterung von Manuela Veloso möchten wir gerne teilen. Eine Vorstellung von hilfreichen, freundlichen und nützlichen A.I. Systemen, die im Alltag mit uns zusammenleben. Leider gibt es nicht wenige Menschen, die anhand der genannten Beispiele zu Tay und Alexa ohne das nötige Fingerspitzengefühl und Verantwortungsbewusstsein agieren. Für diese Probleme gilt es in Zukunft, Lösungen zu finden.

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