Paradigmenwechsel

Lösen Chatbots in Zukunft die Installation "klassischer" Apps ab?

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Zahlreiche Messen und Konferenzen widmen sich 2016 dem Thema Paradigmenwechsel – vor allem im Bereich Mobile. Der Einsatz von Chatbots könnte dazu führen, die klassische, downloadbare App teilweise abzulösen. Warum das so ist, erklären wir hier.

Was ist ein Chatbot?

Es handelt sich bei Chatbots um Programme, die die zwischenmenschliche Kommunikation simulieren sollen und dafür mit einer Art künstlicher Intelligenz ausgestattet werden. Diese Programme lassen sich mittlerweile problemlos in eigene Kommunikationskanäle wie Facebook, Slack oder Twitter integrieren. Neben dem Unterhaltungsfaktor ermöglichen Chatbots das Ausführen von Befehlen, ohne das User im Navigationsmenü nach bestimmten Schaltflächen fahnden müssen - einfach per Text- oder Spracheingabe.

Screenshot des Donald Drumpf Bots

Chatbot mit Unterhaltungsfaktor: Der Donald Drumpf Bot.  

Quelle: (Eigener Screenshot)  Chatprime.com 

Screenshot des Donald Drumpf Bots

Chatbot mit Unterhaltungsfaktor: Der Donald Drumpf Bot.  

Quelle: (Eigener Screenshot)  Chatprime.com 

Als kurioses Beispiel sei hier der "Drumpfbot" genannt, der alle erdenklichen Fragen so beantwortet wie es mutmaßlich auch der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump täte. Auf die Frage: "Was denkst du über Mexiko" erhalten wir die Antwort: "Wir reden nicht über Isolation. Wir reden über Sicherheit. (…) Ich werde eine Mauer bauen". Der Drumpfbot lässt sich spaßeshalber in diverse soziale Netzwerke integrieren. Es existieren natürlich auch wesentlich seriösere Chatbots, zum Beispiel der, der für die Rekrutierung bei der US Army eingesetzt wird.

Worin liegen die Vorteile?

Bei der US Army konnte festgestellt werden, dass es durch den Einsatz von Bots zu einer höheren Anzahl vollständig eingehender Bewerbungen kommt. Dies resultiert daraus, dass sich interessierte Bewerber durch den Austausch mit dem Chatbot schnell und einfach informieren können und dieser rund um die Uhr als Ansprechpartner dient, anstatt an Telefonzeiten gebunden zu sein.

Im Kundenservice werden die virtuellen Gesprächspartner ebenfalls sehr gerne eingesetzt, so auch bei Kabel Deutschland (siehe Foto) seit 2013. Assistentin Julia erlaubt den Kunden Fragen in ihren eigenen Worten zu stellen und ist in der Lage diese zu interpretieren und zu beantworten. Online, jederzeit und kostenfrei. Wer Kunde ist und sich einloggt, profitiert von einem personalisierten Service durch Julia.

Screenshot Chatbot Julia von Kabel Deutschland

Julia repräsentiert den virtuellen Service von Kabel Deutschland.  

Quelle: (Eigener Screenshot)  Kabel Deutschland 

Screenshot Chatbot Julia von Kabel Deutschland

Julia repräsentiert den virtuellen Service von Kabel Deutschland.  

Quelle: (Eigener Screenshot)  Kabel Deutschland 

Chatbots erfordern keine Speicherplatz-Ressourcen oder aufwendige Installationen – erlauben uns aber trotzdem die Erfüllung von Aufgaben. Über den Kunden- und Bewerberservice hinaus, können die Programme auch für uns Shoppen, Restaurants empfehlen oder Pizza bestellen. Sie sind Hilfesystem, Auskunft und virtueller Freund. Obwohl sie bereits seit 1966 existieren, erleben sie durch die KI-Forschung gerade einen extremen Boom.

Tipp: Auf der Webseite chatbots.org ist eine umfangreiche Liste von weltweit genutzten Chatbots zu finden.

Sterben Apps aus?

Chatbots und die Weiterentwicklung von Sprachassistenten sowie KI im Allgemeinen fördern den Wechsel von grafischen Benutzeroberflächen hin zu Konversations-UIs. Einfach eine Frage stellen oder einen Befehl geben, schon erhält man ein Resultat. Sie können Online-Suchen ausführen, Verbindungen herstellen und Funktionen auslösen – damit sind sie potenziell in der Lage verschiedene Apps auf unserem Smartphone zu ersetzen.

Perfektioniert ist die Technologie allerdings noch nicht. So muss ein Bot in der Lage sein, natürliche Sprache zu verstehen, auch wenn der User über einen starken Dialekt verfügt oder grammatikalisch nicht ganz richtig liegt. Es gilt eine riesige Bandbreite von Konversationsszenarien abzudecken, die beim alltäglichen Gebrauch auftreten könnten.

Ein Bereich kann durch Chatbots jedoch nicht komplett abgedeckt werden: "Non-transactional experiences". Damit sind zum Beispiel Mobile Games gemeint, in denen es um den Spiel-Spaß und nicht um die unmittelbare Erfüllung einer Aufgabe geht. Auch Kreativ-Apps, bei denen es um die Gestaltung von Fotos oder um das Malen auf dem Tablet geht, können niemals durch einen Chatbot ersetzt werden.

Chatbots könnten – sobald ihre Funktionsfähigkeit voll ausgereift ist – sehr viele Apps ersetzen. Ob sich das Prinzip der Sprachsteuerung allerdings gesamtgesellschaftlich durchsetzt steht auf einem anderen Blatt. Wir geben einem Paradigmenwechsel eine Wahrscheinlichkeit von 60 % - was denkt ihr darüber?

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Mehr zum Thema...
Werbung
Ab ins Netz mit dir