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30 Prozent aller Tweets gelogen

Lügenpräsident? KI erkennt, wenn Trump auf Twitter flunkert

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von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

30 Prozent aller Tweets von US-Präsident Donald Trump sind laut einem Faktencheck gelogen. Doch wie soll man wissen, wann genau der mächtigste Mann der Welt mal wieder flunkert und wann er die Wahrheit sagt? Ein Forscherteam weiß wie: Eine intelligente Software, die wie ein Lügendetektor für Tweets funktioniert.

Donald Trump, Ex-Gameshow-Moderator, Pleitier und US-Präsident, twittert bekanntlich überaus gern. Doch nicht immer sagt er in seinen Tweets auch die Wahrheit: Laut einem 'Fact Check' der Washington Post war fast ein Drittel der Tweets zwischen Februar und April dieses Jahres - zieht man Retweets und Links ab, sind das stolze 447 - schlicht gelogen.

Niederländische und französische Forscher weisen auf diesen beunruhigenden Umstand jetzt erneut in ihrem Forschungspapier hin. Dabei ist diese Einschätzung noch sehr konservativ: Lediglich eindeutig auf Fakten überprüfbare Tweets seien auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft worden. Persönliche Meinungen, Aussagen über die Zukunft oder fast schon schmerzhafte Dummheiten, wie folgender Tweet von gestern Nachmittag, seien gar nicht erst berücksichtigt worden.

Was aus dem Klimawandel geworden ist, wo es derzeit doch so kalt sei, will der POTUS wissen. Schwer zu sagen, ob er wirklich nicht weiß, dass Klima und Wetter zwei verschiedene paar Schuhe sind, oder ob hier ganz bewusst Stimmung gemacht wird.

Wie soll man da noch wissen, welche Aussagen nun stimmen? Genau das haben sich auch genannte Forscher gefragt und kurzerhand eine KI entwickelt, die wie ein Lügendetektor funktioniert. Folgendermaßen sind sie vorgegangen: Die Software wurde mit den besagten Tweets gefüttert, die ja bereits nach 'korrekt' (70 Prozent) und 'gelogen' (30 Prozent) klassifiziert wurden. Aufgabe des Programms war es nun, linguistische Gemeinsamkeiten in den geflunkerten Tweets zu identifizieren - und die hat es offenbar tatsächlich gegeben:

Lügner benutzen weniger Hashtags und reden öfter über Geld

Demnach fielen wahrheitsgemäße Aussagen eher durch positive Emotionen und sogar religiöse Aussagen auf, während Lügen tendenziell negative Gefühle, ausweichende, zögerliche sowie vergleichende Formulierungen beinhalteten. Ebenfalls ein guter Lügenindikator: Weniger '#'- und '@'-Symbole. Auch sobald das Thema Geld zur Sprache kam, habe der Präsident vergleichsweise oft gelogen.

Die Software hat drei Viertel der Lügen entlarvt.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Untersucht wurden hier ausdrücklich nicht lediglich unwahre Statements, sondern bewusste Lügen - nur dann gebe es einen Unterschied in der Sprache, betonen die Wissenschaftler: "Ein Irrtum sollte die Sprache nicht verändern, denn es gibt keinen Unterschied in Wahrnehmung oder Absicht der Person."

Programm erkennt gelogene Tweets zu 73 Prozent

Lügen hingegen verursache eine Verhaltensänderung, denn das sei kognitiv anspruchsvoll, löse Emotionen sowie den Drang nach Kontrolle des eigenen Verhaltens aus. Den trainierten Code haben die Forscher dann auf ein zweites Set von ebenfalls auf Fakten überprüfte Tweets (464 an der Zahl, 22 Prozent davon seien gelogen) losgelassen und siehe da: Fast drei Viertel der Lügen konnte die Software entlarven, das Programm habe zu 73 Prozent richtig gelegen.

Die Forscher hoffen, dass professionelle Nutzer ihre Software schon bald verwenden werden, um Social-Media-Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen zu können: "Unser Modell kann als Screening-Werkzeug verwendet werden, um Journalisten in ihrer Rolle als vierter Pfeiler der Demokratie zu unterstützen." Allerdings warnen sie auch davor, dass im Grunde jeder mit genügend Gehirnschmalz ein solches Modell anfertigen könnte, nur um es dann auf beliebige Privatpersonen anzuwenden. Im Resümee des Papiers heißt es daher: "Die Ergebnisse sind also auch eine Warnung an alle, die online haufenweise private Informationen teilen."

Quelle: The Register

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