Halbwissen führt zu Erfolg

Mensch gegen Maschine: Wo wir gewinnen, wo wir verlieren

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

In Seoul traten Übersetzer aus Fleisch und Blut gegen eine künstliche Intelligenz an und gingen aus dem "geistigen" Wettkampf als Sieger hervor. Nach wie vor gibt es Gebiete, in denen uns Roboter zum aktuellen Zeitpunkt nicht überlegen sind.

Der Übersetzerverband IAPTI ließ drei verschiedene künstliche Intelligenzen in einem Wettbewerb gegen vier menschliche Kontrahenten antreten. Ziel war es, in einem Zeitrahmen von 50 Minuten Literatur und Veröffentlichungen in koreanischer und englischer Sprache zu übersetzen. Ergebnis: Der Google Translator, die KI von Naver (Web-Provider) und Systran (Übersetzungsfirma) erreichten zwischen zehn und 15 Punkten, ihre menschlichen Kollegen kamen dagegen auf eine Durchschnitts-Punktzahl von 25 bis 30.

Hintergrundwissen ist für die Kommunikation unersetzlich

Darf man den Ausrichtern der Veranstaltung Glauben schenken, seien 90 Prozent der Sätze von den Computern nicht korrekt übersetzt worden. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sprachliche Variationen häufig von spezifischem Kontextwissen abhängen. Aktuell sind die künstlichen Intelligenzen noch mit zu wenigen Informationen ausgestattet, um den Hintergrund zu verstehen, vor dem ein Satz verwendet wird.

Jedoch lernen die Roboter stetig hinzu. Noch sei die Technologie auf einem geringen Level, aber sie werde sich in den nächsten ein bis zwei Jahren stark verbessern, meint Kim Yoo-seok, der Direktor von Systran. So feilt auch Google bekanntermaßen konstant an der KI-Forschung und verbessert seinen Translator unter anderem durch den Input der User selbst.

In der kostenlosen App 'Crowdsource' lädt Google die Nutzer beispielsweise zur Mitarbeit ein. Es gilt, Wörter und Satzteile sprachlich passend zu übersetzen, die Übersetzungen Anderer zu überprüfen oder bei der Erkennung von Handschriften und Texten auf Fotos (zum Beispiel auf Straßenschildern) mitzuhelfen.

"Bauernschläue" und Erfahrungswerte

Menschen konzentrieren sich lediglich auf Teile eines Problems

Auch in Bereichen, die Erfahrungen aus alltäglichen Situationen voraussetzen, liegt der Mensch aktuell noch vorn. "Künstliche Intelligenz ist zwar besser als natürliche Dummheit, aber die menschliche Alltagsintelligenz ist heute in Ausnahmesituationen der maschinellen Intelligenz meist noch überlegen", meint Wolfgang Wahlster, der den Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz an der Universität des Saarlandes innehat.

Persönliche Erfahrung, Empathie und Intuition sind hier die Stichworte. Manchmal kann es beispielsweise auch hilfreich sein, einfach "herumzuprobieren" – eine Herangehensweise, die für rationale künstliche Intelligenzen eher unüblich ist. So zeigte sich in dem Computerspiel "Quantum Moves" des Forschers Jacob Sherson (Aarhus Univerität, Dänemark), dass ein Taxifahrer ohne spezielle Physikkenntnisse einen höheren Score in seinem Spiel erzielte als die KI.

Aufgabe war es, mit der Maus einen Laserstrahl zu kontrollieren und mit ihm Atome schnell und ohne viel "Schwappen" von A nach B zu befördern. Aber wie konnte es zu dem Ergebnis kommen? Dieser Umstand hänge damit zusammen, dass sich Menschen lediglich auf bestimmte Teile eines Problems konzentrierten und damit in der Lage seien, auch komplexe Sachverhalte zu bewältigen. Die KI berechnet sozusagen zu viele Faktoren mit ein, anstatt einfach zu testen. So führe Halbwissen manchmal schneller zum Erfolg.

Foto von Sandra Spönemann
(@die_spoent_wohl)
Aus dem Leben gegriffen

So meinte auch mein Fahrschullehrer damals, dass Abiturienten meist immer schlechter in der Praxis abschneiden, sie dächten einfach zu viel nach beim Autofahren. ;) Wer nicht alles durchgrübelt, der probiert schneller aus.

Sag uns deine Meinung!

Um einen Kommentar zu verfassen, melde Dich an oder registriere Dich jetzt auf Netz.de!

Das könnte dich auch interessieren!
Werbung
Ab ins Netz mit dir